„Chinesische Mauer“ in Hessen

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Rund 90 Eppertshäuser folgten der Einladung ihrer Gemeinde zum diesjährigen Grenzgang. Themen waren neben der Lärmschutzwand am Eichstumpf der geplante Kreisel an der Hauptstraße und die neue Bürgerhalle.

Eppertshausen ‐ Als Rathausmitarbeiter Dieter Hüllmandel am Treffpunkt für den Grenzgang eintrifft, sind es nur noch wenige Minuten bis zum Start. Hüllmandel holt Lautsprecher und Mikrofon aus dem Kofferraum. Von Michael Just

Das wird knapp mit Aufbau“, denkt sich der Beobachter. Denkste - Hüllmandel stellt die Box auf ihren Ständer, nimmt die Schutzhülle ab und schiebt einen Knopf beim kabellosen Mikro nach oben. Keine Spur von Kabelsalat oder Mischpult. „Eins, zwei, drei“ kommt die Sprechprobe hinterher – fertig. „Funktioniert alles mit einem Akku“, erläutert der Mitarbeiter des Fachbereichs I.

Rund 90 Eppertshäuser sind am Start

Der erste öffentliche Eppertshäuser Grenzgang vor mehr als drei Dekaden musste noch ohne derlei technische Hilfsmittel auskommen. „Das war 1974, wir können dieses Jahr den 35. Gang feiern“, weiß der Vorsitzende der Gemeindevertretung Rainer Eder. Rund 90 Eppertshäuser sind am Samstagmorgen zum Spaziergang der informativen Art gekommen. Der trübe Himmel und die regnerischen Aussichten haben wohl einige Eppertshäuser im geheizten Heim gelassen. Vor einem Jahr waren noch 120 Bewohner der Einladung der Gemeinde gefolgt.

Diesmal führt der Weg durch den Rotkäppchen-Wald parallel zur B45 Richtung Münster. „Wir wollen mal gucken, ob die Münsterer was verändert haben“, erinnert Rainer Eder lachend an die ursprüngliche Bedeutung der Grenzgänge. Vor der Nachbargemeinde steht eine kurze Rast mit Getränken an. Nach der Überquerung der Landstraße von Münster nach Eppertshausen geht’s Richtung Müllplatz, dann am Werlacher Hof vorbei in den Failisch und in den Eichstumpf, bevor im Feuerwehrhaus ein Eintopf pünktlich um 12 Uhr auf die Wanderer wartet. Auch beim Grenzgang 2009 vergisst man die gute Sache nicht: Erneut wird für die Lebenshilfe in Dieburg gesammelt.

Bauzeit für Kreisel auf zehn Monaten geschätzt

Einige Themen spricht Bürgermeister Carsten Helfmann beim Rundgang an: Angefangen bei den abgeschlossenen Arbeiten in der Hüttenstraße bis hin zum neuen Kreisel auf der Hauptstraße. Wie Helfmann sagt, gehe man beim Kreisel von einer Bauzeit von zehn Monaten aus. Geplantes Bauende sei der 21. Juni 2010. „Die Arbeiter kriegen regelmäßig bei den Baubesprechungen ein gutes Frühstück von uns, damit sie drei Wochen früher fertig sind“, lacht der Verwaltungschef zum Wunsch im Rathaus, dass man zur Gewerbeschau schon die neue Einfahrt präsentieren kann.

Erläuterungen zu Gewerbemeile und Lärmschutz im Eichstumpf gibt es ebenfalls. Der Wall riegelt das junge Baugebiet regelrecht ab, weshalb unter den Eppertshäusern bereits der humorvolle Spitzname „Chinesische Mauer“ für die Lärmschutzwand grassiert. Man sei zum Wall gezwungen, sagt Helfmann. Mehr als 4.000 Fahrzeuge passierten pro Tag die Hauptstraße.

Eine Million Überschuss im Eichstumpf erwirtschaftet

Glas hätte das dreifache gekostet, begrünt sieht das aber bald anders aus“, führt der Bürgermeister an. Ohne Lärmschutzwall hätte die Gemeinde einen 30 Meter breiten unbebauten Streifen zur Hauptstraße lassen müssen. Damit wäre der Gemeinde ein siebenstelliger Betrag beim Verkauf der Bauplätze verloren gegangen. „Schon jetzt haben wir im Eichstumpf einen Überschuss von einer Million Euro erwirtschaftet, der in die neue Bürgerhalle fließen kann“, sagt der Bürgermeister. Er hofft, beim nächsten Grenzgang bereits von der Baustelle der neuen Bürgerhalle starten zu können.

Quelle: op-online.de

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