Circus Florida mit den Kinder von Direktor Maik Lauenburger

Familienbetrieb in der Manege

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Clown Rudi vom Circus Florida bewies in Eppertshausen seinen Reinlichkeitsfimmel.

Eppertshausen - Über 300 kleine Zirkusse tingeln derzeit durch Deutschland. In Zeiten von Reizüberflutung durch TV, Internet und einer Vielzahl von Veranstaltungen haben sie es nicht leicht, ihr Auskommen zu sichern. Von Michael Just 

Beim Circus Florida, der jetzt in Eppertshausen gastierte, hat unsere Zeitung mal hinter die Kulissen geblickt. Noch rund eineinhalb Stunden sind es bis zum Auftritt um 16 Uhr. Im Camper von Stella Constanze Cramer brodelt es in den Töpfen auf dem kleinen Herd. Vor dem Wohnmobil ist ein Spanferkel in Alufolie aufgehängt, um das links und rechts Holzscheiten brennen. „Nach der Schau feiern wir noch den zwölften Geburtstag von meinem Sohn Maik“, sagt die 36-Jährige. Eigentlich hat der erst am nächsten Tag Geburtstag. Da man aber morgen fährt, wird heute „reingefeiert“. „Das Spanferkel hat sich Maik gewünscht. Da unsere Kinder durch das Zirkusleben nicht wenige Entbehrungen haben, versuchen wir ihnen möglichst viele Wünsche zu erfüllen“, erklärt die Mutter.

Cramer kommt, wie ihr Mann, aus einer Zirkusfamilie. Bei ihr reichen die Wurzeln gleich sechs Generationen im großen Zirkus Busch zurück. Vom Großmeister der Manege ist sie eine Urenkelin. Vor ein paar Jahren machte sie sich mit ihrem Mann Maik Lauenburger selbstständig. Wagen und Stühle wurden gebraucht gekauft, dazu Ponys, Esel, Lamas und Hochlandrindern angeschafft. „Für ein Zelt muss man so 20.000 bis 30.000 Euro investieren“, erzählt die Mutter von vier Kindern. Fast die ganze Familie ist in der Manege zu sehen. Als Luftakrobatin hängt Cramer am russischen Vertikalseil. Ihr Mann führt durchs Programm und zeigt zudem eine Pferdedressur. Die zwei ältesten Kinder agieren ebenfalls schon als Akrobaten. Dazu gibt es noch drei erwachsene Helfer für die Tierpflege, zum Zeltaufbau und für die Rolle von Clown Rudi. Auf rund 200 Auftritte kommt Florida im Jahr. Im Dezember gastiert man als Weihnachtszirkus in Mannheim. Weihnachten frei geht gar nicht: „Gerade zum Jahresende sind unzählige Versicherungen zu bezahlen“, weiß Maik Lauenburger. Laut dem 40-Jährigen wird es für Florida immer schwerer, Stellplätze zu finden: „Die Gemeinden wiegeln meist ab. Wir leiden unter den schwarzen Schafen der Branche, die gegen die Auflagen verstoßen.“

Tochter Celina mit einer Trapeznummer

Hier würden oft Rechnungen nicht bezahlt oder Spielorte verdreckt zurückgelassen. Das reiche vom Mist der Tiere bis zum Ölwechsel. „Mittlerweile bin ich sogar bereit, bis zu 5 000 Euro Kaution zu bezahlen“, sagt Lauenburger. Mit ihrer Trapeznummer sowie dem Hula-Hup bekommt Tochter Celina (10) stets mit den größten Applaus. Vom Zirkusleben war sie nicht immer begeistert. „Das haben wir akzeptiert. Jedes unserer Kinder soll selbst entscheiden, wie ihr Leben aussehen soll“, sagt ihre Mutter und ergänzt, dass der Sohnemann anders sei. Der habe jetzt schon einen eigenen Zirkus vor Augen, während die Tochter öfters davon träumt, mal in einem Haus zu wohnen oder Tierärztin zu werden. Für Celina ist es beim Zirkus schwer, einen Freundeskreis aufzubauen. In ihrer Freizeit spielt sie mit ihrem Bruder, dazu reitet sie. Trotz ständig neuer Lehrer und Mitschüler an den Spielorten sind ihre schulischen Leistungen gut. In Deutsch hat sie eine zwei, in Mathe eine drei. Dass Lehrer zum Zirkus rauskommen, was jedes Bundesland vorsieht, passiert eher selten. Die Zirkuskinder bekommen auch ein Zeugnis. Das beruht auf Tests, die Celina und Maik in Mannheim, am Heimatstandort, in allen relevanten Schulfächern machen.

Bei den Zuschauern verbucht Florida ein auf und ab. Vom Ansturm bis abgesagten Vorstellungen aufgrund zu wenig Besucher gibt es alles. In Eppertshausen resümierten die Fahrleute eine „zufriedenstellende“ Resonanz. „Wir wollen trotz allem weiter Zirkus machen“, sagt Cramer. Sie hat schon einmal ein „normales“ Leben ausprobiert und sich dabei gar nicht wohlgefühlt: „Ich muss unterwegs sein. Ohne das Gefühl, auf der Reise zu sein, kann ich nicht leben“.

Quelle: op-online.de

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