Corona-Krise

Chormusik gegen Corona: In Zeiten der Krise für Freude sorgen

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Der Eppertshäuser Chorleiter Hans Dieter Müller motiviert und informiert die Sängerinnen seines Frauenchores täglich mit einem besonderen Chormusikstück. Das soll Kraft in der Corona-Krise geben.

In Dieburg bei Darmstadt sorgt Musik für Freude in der Corona-Krise. Ein Chorleiter begeistert mit seiner Idee die Sängerinnen seines Frauenchors. 

  • In Dieburg bei Darmstadt trotz ein Chorleiter der Corona-Krise
  • Hans Dieter Müller nahm Hörspielreihe auf
  • Die Rückmeldung auf seine Aktion in der Corona-Krise sind positiv

Eppertshausen/Dieburg – Singstunden dürfen seit Mitte März nicht mehr stattfinden. Doch Chorleiter Hans Dieter Müller hat einen Weg gefunden, um weiterhin mit seinem Dieburger Frauenchor proben zu können und die 38 Sängerinnen im Alter zwischen Mitte 30 und Anfang 80 Jahren zu motivieren. Über WhatsApp sendet der Eppertshäuser, der seit fast sieben Jahren „den Frauenchor mit der richtigen Mischung aus Humor und Anspruch in seiner Entwicklung voranbringt“, täglich einen musikalischen Impuls.

Dieburg bei Darmstadt: Musikalisch durch die Corona-Krise

Alles begann damit, dass der Chorleiter am 19. März zu einer etwas anderen Chorprobe einlud: Anstatt sich in der Aula der Gutenbergschule zu treffen, sollten alle zu Hause um 21 Uhr dasselbe Lied üben. „Dafür hatte er das beliebteste Stück unseres aktuellen Programms, ,Sieh auf deinem Weg’, ausgewählt, die Klavierbegleitung sowie eine Stimme eingespielt und uns das Stück gesendet. So konnte jede von uns dieses symbolträchtige Lied zumindest als Duett proben“, berichtet Angelika Nahrstedt, Pressewartin Frauenchores.

"Chormusik gegen Corona" in Dieburg bei Darmstadt

Diese Singstunde wurde mit solcher Begeisterung angenommen, dass Müller, der zudem noch das Vokalensemble Incognito leitet, überlegte, wie er den Damen weiterhin sinnvoll die Zeit der Kontaktsperre verkürzen könnte. „Als Musiklehrer und Chorleiter liebe ich es, Menschen für Musik zu begeistern und ihnen die Vielfalt der Chorlieder näher zu bringen. Daher habe ich unter dem Motto ,Chormusik gegen Corona’ eine Musikhörbeispielreihe zusammengestellt und sende dem Frauenchor seit dem 27. März jeden Morgen ein besonderes Gesangsstück“, berichtet der Chorbegeisterte, der auch viele Lieder aus seiner Sängertätigkeit beim international renommierten Kammerchor Hausen sowie von seinen weltweiten Konzertreisen einfließen lässt. So folgten auf „Ein Freund, ein guter Freund“ von den Comedian Harmonists auch ein irisches Abendlied, Mendelssohn Bartholdys „Denn er hat seinen Engeln befohlen“, das „Ave Verum“, Chormusik aus dem Baltikum und das beliebte, aus „Shrek“ bekannte „Hallelujah“ in der Version der A-cappella-Gruppe Pentatonix.

Dieburg bei Darmstadt: Russisches Vaterunser in Zeiten von Corona

„Mir ging das von einem russischen Chor mit tiefem Bass vorgetragene „Otsche nasch“ sehr ans Herz“, sagt Chormitglied Bärbel Laser. Diese Variante des Vaterunsers bilde einen schönen Kontrast zu dem ebenfalls vorgestellten afrikanischen „Baba Yetu“. „Es ist umwerfend, wie vielfältig die Beiträge sind, die uns unser Dirigent schickt. Eine schöne Art und Weise, um Chormusik verschiedener Genres zu entdecken, mit denen man vorher noch nichts zu tun hatte“, schwärmt die Groß-Umstädterin Martina Dechange, die sich den Dieburger Frauenchor bewusst als Zweitchor ausgesucht hat, da ihr die dort gesungene Literatur und die Gemeinschaft so gut gefällt. Als gelungen empfand sie auch das Musikquiz von Müller, bei dem die Sängerinnen herausfinden sollten, aus welchem Land das zugesendete „Kyrie“ eines Männerchores stammte.

Corona-Krise: jeden Tag ein anderes Lied von Dieburg bei Darmstadt

„Die tägliche Dosis Chormusik ist eine echte Bereicherung und baut unheimlich auf“, sagt Hildegard Schultz aus Ober-Roden, die Musiklehrerin und Solosängerin war. „Dazu erläutert unser Chorleiter woher die Lieder und Chöre kommen, welchen Hintergrund die Werke haben und wie sie im Vergleich zu anderen Liedern zu sehen sind.“ Die langjährige Sprecherin des 2001 gegründeten Dieburger Frauenchores findet es klasse, dass jeden Tag ein anderes Lied im Focus stehe und man sich daher gebührend damit auseinandersetzen könne.

Ablenkung von Corona: Geschichte der Musik in Dieburg bei Darmstadt

Die positiven Rückmeldungen und entdeckten Gemeinsamkeiten spornen den Eppertshäuser an, den Sängerinnen noch zahlreiche weitere Leckerbissen zu präsentieren. „Ich plane immer eine Woche im Voraus, was ich vorstellen werde, und lerne dabei selbst dazu. Neben den deutschen Komponisten Carl Orff und Georg Friedrich Händel möchte ich noch die Natur in der Musik, Chortraditionen, Eigentümlichkeiten beim Singen, modernen, gesprochenen Chorgesang und Gospels thematisieren. Darüber hinaus will ich die Entwicklung der Mehrchörigkeit vom Mittelalter bis zur heutigen Zeit aufzeigen“, sprudelt er nur so vor Ideen.

Dieburg bei Darmstadt: Vorfreude auf erste Singstunde nach Corona-Krise

Auch wenn sicherlich alle das Ende der Corona-Krise sehnsüchtig erwarten, blicken die Sängerinnen des Frauenchores diesem Tag mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen: „Die erste Singstunde nach der Kontaktsperre wird gefeiert“, ist sich Bärbel Laser sicher, die im Festausschuss aktiv ist und den Mitsängerinnen – als kleines Trostpflaster für das abgesagte Chorproben-Wochenende – eine aufmunternde Gummibären-Noten-Botschaft zukommen ließ. Den Haken dabei bringt Hildegard Schultz auf den Punkt: „Es ist richtig schade, wenn wir dann die täglichen Chormusikbeispiele nicht mehr erhalten werden.“

VON MARTINA EMMERICH

Als freischaffender Künstler ist Patrick Steinbach aus Neu-Isenburg von der Corona-Krise betroffen. Aber er weiß sich zu helfen.

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Quelle: op-online.de

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