Couragierter Auftritt

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Mitten in Eppertshausen direkt an der Hauptstraße Ecke Friedhofstraße/ Hüttenstraße liegt das Geschäftshaus Sperl, das die Räuber erfolglos heimsuchten.

Eppertshausen - „Als er mir die Pistole auf die Brust setzte und hinter seiner Maske zischte, ich solle ja ruhig sein, sonst erschieße er mich, stand ich zunächst da wie angewurzelt“, erzählt Maria Sperl von dem Raubüberfall auf ihren Kiosk. Von Thomas Meier

Doch Maria Sperl wäre nicht sie selbst, wenn sie nicht beim nächsten Atemzug weiter berichten könnte, was dann geschah: „Ich holte erst mal tief Luft! Und dann schrie ich was das Zeug hielt nach meinem Sohn Reiner.“

Schon aus der Polizeimeldung am späten Dienstagnachmittag war herauszulesen, dass da jemand Zivilcourage an den Tag gelegt hatte, die nicht selbstverständlich ist. Schon unsere gestrige Überschrift vermeldete: „Bewaffneten Räuber in Flucht geschlagen“. Doch so resolut, wie sie in dem Polizeireport beschrieben worden sei, habe sie sich während des Überfalls wahrlich nicht gefühlt, gesteht sie gestern ein. Und überhaupt, der wahre Held, das sei ihr Sohn, er habe schließlich die beiden Räuber in die Flucht geschlagen.

Nun, es wird schon ein schöner Sperl gewesen sein, den Mutter und Sohn da mit den dreisten Eindringlingen angestellt haben. Doch der Reihe nach: „Es war kurz vor vier am Nachmittag. Ich war gerade hinten im Lager und habe Kartons weggebracht, als die Glocke der Eingangstür neue Kundschaft ankündigte“, erinnert sich Maria Sperl, die seit 40 Jahren den Kiosk an der Hauptstraße betreibt, so etwas nie zuvor erlebt hatte und auf eine Wiederholung auch „liebend gern“ verzichten kann. Als sie aus dem Lager in den etwa 100 Quadratmeter großen Verkaufsraum ihres „Geschäftshauses Sperl“ (wie der Kiosk offiziell heißt) kam, „da stand einer der Gangster schon hinter der Theke an der Kasse, der andere mit der Pistole empfing mich gleich an der Tür.“ Die Frage, ob es ein Revolver oder eine Pistole war, beantwortet sie so: „Das war mir in dem Moment sehr egal, ich hatte Angst, sah den Lauf und schrie.“

Nach kurzer Rauferei in die Flucht geschlagen

Markerschütternd, meint Sohn Rainer, der ebenfalls im Haus war und umgehend angerannt kam. Schon beim ersten Schrei ergriff der bewaffnete Räuber das Hasenpanier, rannte durch den Laden nach draußen. Sein Kumpan, der sich erfolglos an der Ladenkasse abgemüht hatte, lief hinterm Tresen auf Mutter Sperl zu, schleuderte sie gegen eine Regalwand und wollte sich ebenfalls aus dem Staub machen, doch erhaschte ihn Sohn Reiner.

„Die beiden balgten. Reiner schlug dem Kerl noch in den Nacken und ich riss ihm den Perlonstrumpf und die Mütze vom Kopf“, berichtet die 62-jährige Kioskbetreiberin, die ihr Geschäft vor einigen Jahren an den Sohn übergeben hat, von der couragierten Gemeinschaftsaktion. Doch entkam der schon fast Geschnappte. „Gut so“, sagen die beiden Überfallenen. Hätte der Gangster in seiner Panik auch eine Waffe gezogen oder um sich geschlagen, „es hätte sonst etwas passieren können.“

Die Flucht Hals über Kopf blieb nicht unbeobachtet. Eine Bankangestellte der Sparkasse von nebenan sah die Täter Richtung Bahnhof flitzen, ebenso ein Passant. Beide gaben der herbeigerufenen Polizei Täterbeschreibungen.

Und ziemlich genau konnte Maria Sperl zumindest den „jungen Mann“ beschreiben, dem sie kurz zuvor die Maskerade vom Kopf gerissen hatte: „Ich hab noch bei mir gedacht, was für ein hübscher Kerl. Und so kräftig. So jemand sollte doch arbeiten gehen und nicht die Leute überfallen.“

Die Polizei, so sagen Sperls, sei optimistisch, die Täter über kurz oder lang zu schnappen. Sie selbst jedenfalls wünschen sich solch unliebsame Begegnungen nicht mehr.

Quelle: op-online.de

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