„Der Albtraum des Bischofs“

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Ein Pfarrer mittendrin: Jubilar Harald Christian Röper nimmt ein Bad in der Menge der Gratulanten.

Eppertshausen - Er gilt als eigenwillig, manchmal auch als sonderbar. Doch weit darüber hinaus gilt für ihn der Ruf, die Botschaft des Christentums glaubwürdig zu vertreten und soziale Gerechtigkeit nicht nur einzufordern, sondern auch vorzuleben. Von Michal Just

Die Rede ist von dem Eppertshäuser Pfarrer Harald Christian Röper, der am Sonntag sein 40-jähriges Priesterjubiläum mit einem Festgottesdienstes in der Pfarrkirche St. Sebastian feierte. Von den 40 Jahren ist der 71-Jährige nun schon seit 37 Jahren in Eppertshausen. Seine Stationen davor waren Gießen und Offenbach.

Die Festpredigt hielt Prof. Dr. Ralph Sauer aus Vechta, der wie Röper aus Hamburg stammt. Die Eltern der beiden waren befreundet, so dass der heute 84-Jährige nach seinen Worten Röper schon kannte, als dieser noch gar nicht sprechen konnte.

So offenbarte sich Sauer als der richtige Mann, um den Lebensweg und den Charakter von Jubilar Röper beeindruckend nachzuvollziehen.

Bringt die Kirche zum Lachen

Heiter und aufschlussreich präsentierte sich die Festpredigt von Prof. Dr. Ralph Sauer aus Vechta über das Wirken und den Charakter von Harald Christian Röper.

Norddeutsch trocken hielt er dabei mit der Wahrheit nicht hinter dem Berg: „Im Prinzip bist du der Albtraum des Bischofs“, sagte der Gast und brachte damit die vollbesetzte Kirche zum Lachen. Das meinte der Gottesmann hinter der Kanzel durchweg positiv. So war Röper, wie jeder Eppertshäuser weiß, nie ein bequemer, angepasster und stromlinienförmiger Priester. Seine Kritik am Papst, an der Nebenrolle der Laien in der Kirche oder an der Diskriminierung der Frauen sind bekannt. Dazu kommt sein soziales Verantwortungsbewusstsein, das schon viele Politiker in Diskussionen zu spüren bekamen.

Seine größten Verdienste sind aber praktischer Natur: Fest bei Kolping und der Caritas verwurzelt, gilt sein Einsatz den Schwachen und Kranken. „Aus einem großbürgerlichen Hause stammend hat er quasi die Seiten gewechselt“, bilanzierte Sauer. So stelle Harald Christian Röper den idealen Pfarrer dar, weil er das umsetze, was er predige. Das könne nicht jeder Geistliche von sich behaupten. Beweis dafür sei das geöffnete Pfarrhaus, in das jeder eintreten könne – vom Mormonen, Muslim, einem entlassenen Jugendstraftäter bis hin zu einem Hund, der kein Herrchen hat.

Röper sieht durchweg den Menschen

Laut Ralph Sauer packt Röper niemand in Schubladen sondern sieht durchweg den Menschen. Orientierungspunkte sind für ihn dabei unter anderem Alfred Delp oder das Zweite Vatikanische Konzil, das tagte, um die Rolle der Laien zu stärken.

„Leider ist davon nicht mehr viel zu spüren. Einige konservative Kreise würden das Konzil sogar als Betriebsunfall bezeichnen“, konstatierte Sauer, der damit offenbarte, das er aus einem ähnlichen Holz wie Röper geschnitzt ist.

Dass der seine Eppertshäuser Schäfchen immer mal wieder überfallartig zuhause – auch zum Essen – besucht nannte Prediger Sauer eine Tatsache, die beweise, dass es in der Kirche „menschelt“. So sei keiner in der Kirche vollkommen, am wenigsten der Priester.

„Pfarrer Röper gehört zu den wenigen Personen, die mich jederzeit ohne Termin sprechen dürfen“, sagte Bürgermeister Carsten Helfmann.

Mit den humorvollen Worten „möge der Jubilar der Gemeinde noch lange erhalten bleiben – keiner weiß, was danach kommt“, schloss der Gast aus Vechta, der für seine Ausführungen großen Applaus bekam.

Austausch mit dem Pfarrer

Im Anschluss an den Festgottesdienst, der zur Freude der Besucher keine Überlänge aufwies und trotzdem inhaltsreich und bereichernd war, gab es im Jugendheim noch die Gelegenheit, sich untereinander auszutauschen und Pfarrer Röper zu gratulieren. Dazu wartete ein Imbiss. Im Vorfeld hatte Röper gebeten, von Geschenken abzusehen und stattdessen für die dringend notwendige Renovierung des Pfarrhauses zu spenden. Im Jugendraum gratulierte ihm noch eine große Schar von Gruppen und Personen, darunter auch Bürgermeister Carsten Helfmann oder der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Thomas Gahler. Carsten Helfmann sagte, dass, wenn heute alle Leute kommen würden, die einen Grund hätten, sich bei Röper zu bedanken, das den Rahmen mehrfach sprengen würde.

Der Pfarrer gehört laut dem Bürgermeister zu den wenigen Personen, die ihn jederzeit ohne Termin sprechen dürfen. „Das geht nur beim Vorsteher der Gemeindeversammlung und beim Pfarrer“, hob der Verwaltungschef heraus. Röpers Ansichten nannte er gleichermaßen geschätzt, geachtet und gefürchtet.

Der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats Thomas Gahler bezeichnete es als eine erstaunliche Leistung, auf vier Jahrzehnte Priestertum zurück schauen zu können. Die Frage, welche Motivation dahinter stehe, beantwortete Gahler gleich selbst: „Es kann nur eine tiefe Zuneigung zu den Menschen sein.“

Quelle: op-online.de

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