Rechte Hand der Eppertshäuser Bürgermeister

Mit viel Elan im (Un-)Ruhestand

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Eigentlich in Rente, aber trotzdem immer wieder montags im Eppertshäuser Rathaus anzutreffen: Dieter Hüllmandel.

Eppertshausen - Mehr als sein halbes Leben, genauer gesagt 32,5 Jahre arbeitete Dieter Hüllmandel im Eppertshäuser Rathaus. Mit den Anfängen in Urberach und Rödermark sind das 48 Jahre Verwaltungstätigkeit. Von Michael Just 

Seit dem ersten Juli hat für den 63-Jährigen nun ein neues Kapitel begonnen: der Ruhestand. Dieter Hüllmandel kommt aus Urberach. Der Ort ist klein, doch wer dem agilen und lebensfrohen „Orwischer“ zuhört, glaubt schnell, dass dort ein Stück vom Nabel der Welt liegt. Geboren wurde er in der Darmstädter Straße 18. Heute befindet sich an dieser Stelle die Kelterscheune, ein beliebter Ort für Veranstaltungen. Mit der Apfelwein-Kelterei in direkter Nachbarschaft zum Elternhaus erklärt der langjährige Verwaltungsfachmann gerne seine Abneigung gegen Milch und seine Liebe zum „Stöffche“ der Hessen.

Sein beruflicher Werdegang wurde vom Vater bestimmt: Der stellte 1966 im Urberacher Rathaus einen Antrag für die Ausbildung seines Juniors. Bis dahin gab es noch keine offiziellen Ausbildungsberufe auf der Gemeinde, was sich daraufhin änderte. Da die Eltern wollten, dass aus ihrem Sprößling etwas wird, schickten sie ihn zum Stenographenverein nach Sprendlingen, um Schreibmaschine und Steno zu lernen. „Der Weg nach Sprendlingen war damals aufgrund mangelnder Transportmöglichkeiten eine kleine Weltreise“, weiß Hüllmandel. Wie er sich alleine unter 20 Mädchen fühlte, will er lieber nicht erzählen, auch deshalb, weil der findige Urberacher stets der Schnellste beim Tippen und Stenographieren war.

Ausbildung im Urberacher Rathaus

Drei Jahre dauerte die Ausbildung im Urberacher Rathaus. Danach kümmerte er sich um die Bereiche Soziales und Standesamt. Im Zuge der Gebietsreform, als Urberach in der Stadt Rödermark aufging und zeitgleich ein Standesbeamter in Eppertshausen gesucht wurde, entschied sich Hüllmandel 1982 zum Wechsel in die Nachbargemeinde. Mit Kollege Friedhelm Saal ging er die erste große Herausforderung an: die Umstrukturierung der Verwaltung. Im Hauptamt wurde Linkshänder Hüllmandel zur rechten Hand des Bürgermeisters. „Das Hauptamt ist erstmal Anlaufstelle für alle Fragen und Probleme“, berichtet der 63-Jährige. Wie in Urberach war er auch in Eppertshausen für Soziales zuständig, was die Rolle des Kümmerers und das Ausfüllen unzähliger Anträge bedeutete.

Ebenfalls grundlegend für die Stelle dort: Organisationstalent. Dass Bürgermeister Carsten Helfmann seinen Hauptamtsleiter regelmäßig „Mister Organisation“ nannte, kommt nicht von ungefähr. 27 Weihnachtsmärkte stellte er auf die Beine, dazu fast die gleiche Zahl an Gemarkungs- und Grenzgängen. Auch die Neujahrsempfänge, Neujahrskonzerte, die Seniorenfahrt (sie umfasst in diesem Jahr sechs Busse), und der parlamentarische Abend lagen in seinen Händen.

Als Standesbeamter vollzog Hüllmandel in 36 Jahren über 1 600 Trauungen. Wenn ihm das Brautpaar zu nervös erschien, griff er zu einem probaten Hilfsmittel: „Dann bin ich vom Hochdeutsch ins Hessische gewechselt. Das hat die Sache enorm aufgelockert“, sagt er. Insgesamt erlebte Hüllmandel sechs Bürgermeister und unzählige Verwaltungskollegen. Im Personalrat oder als Personalsachbearbeiter im Hauptamt stand er seinen Mitarbeitern stets nahe. So hat der Urberacher an seiner Arbeit vor allem den Umgang mit den Menschen geschätzt.

Ein neuer Lebensabschnitt

Mit dem Ruhestand beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt. Wer Hüllmandel kennt, der weiß, dass diese Zeit nicht allzu beschaulich wird. Dafür organisiert, koordiniert und „macht“ er viel zu gerne. Nach fast 20 Jahren Vorsitz im Urberacher Ballsportclubs ist er jetzt im fünften Jahr Vorsitzender des Vereinsrings Rödermark. Die Organisation der Kerb als Kommissions-Sprecher ist Ausdruck für die Liebe zu seinem „Orwisch“. Mit seinem Freund Peter Müller hat er zudem die „Orwischer Woigass“ ins Leben gerufen, die 2014 bereits zum 14. Mal stattfand. Als wäre das nicht genug, ist Hüllmandel im Eppertshäuser Rathaus immer noch zugegen. Als Honorarkraft hilft er montags im Rahmen einer Sprechstunde Bürgern bei Fragen rund um die Rentenversicherung.

Derzeit darf man sicher sein, dass der Urberacher seinen Elan noch weiter in Eppertshausen und seiner Heimatgemeinde einsetzt. Zumindest von einer größeren Reise und dem Bedürfnis, mit der Rente erstmal „weg zu sein“, hat er noch nichts erzählt. In seiner typischen Art führt Dieter Hüllmandel an, dass er allenfalls in Ober-Roden die Buckel und die Unterführung „ruff und erunner“ fährt. Damit meint er im Sommer den Besuch im Sommergarten der Turnerschaft und an den anderen Tagen im Jahr der Kontakt mit den 80 Vereinen des Vereinsrings.

Quelle: op-online.de

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