Disput um Sendemast

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Bürgermeister Carsten Helfmann und interessierte Bürger nahmen den Standort des Sendemastes ins Visier.

Eppertshausen ‐ Ein Mobilfunksendemast ist ein heikles Thema, will doch jeder mit seinem Handy überall telefonieren können, aber keinen der strahlenden Maste in seiner Nähe haben.  Von Jasmin Frank

Doch da die Grundversorgung in Eppertshausen weitestgehend durch eine Anlage in der Urberacher Straße abgedeckt ist, stellte sich für den Bauausschuss der Gemeinde und für zahlreiche interessierte Bürger am Dienstagabend nun die Frage, ob ein weiterer Sender im östlichen Teil der Kommune benötigt wird, den ein Mobilfunkbetreiber errichten möchte. „Wir haben im Gebiet des Bauhofs und der Kläranlage schlechten bis gar keinen Empfang der Netze E-Plus und D1“, so Bürgermeister Carsten Helfmann. Das Ehepaar Steffes, das ganz in der Nähe wohnt, kann das nicht bestätigen: „Wir haben auch D1 und kommen damit bestens zurecht. Für uns stellt sich durchaus die Frage, ob wegen eines so kleinen Bereichs, indem ja auch andere Netze empfangbar sind, alle Anwohner die Folgen eines Sendemastes tragen müssen. Außerdem wollen wir uns heute über die Vor- und Nachteile überhaupt informieren.“

Über gesundheitliche Beeinträchtigungen durch die elektromagnetischen Strahlungen der Masten gibt es laut Helfmann zahlreiche Studien. Einige halten sie für unbedenklich, eine Vielzahl listet die verschiedensten Auswirkungen auf. Vor allem die Angst vor Krebserkrankungen trieb die Bürger auf der Sitzung um, aber auch die Frage des Landschaftsbildes wurde erörtert. Schließlich wird der Mast gut 40 Meter hoch und auf der idyllischen Wiese hinter dem Sportzentrum am Waldrand die Baumkronen um mindestens zehn Meter überragen.

„Wir haben diesen Standort, den wir am Samstag auch auf der Waldbegehung vorgestellt haben, nach über fünf Jahren Suche ausgewählt, weil wir keinen Sendemast innerhalb der Bebauung haben wollten“, informierte der Bürgermeister, der die rege Teilnahme der Anwohner zwar begrüßte, sich aber doch wunderte, dass in der langen Zeit der Planung noch niemand Interesse an dem Projekt gezeigt habe.

Im Bauausschuss wurde trotz der zahlreichen Einwände der Besucher seitens der CDU die Zustimmung zum Sendemast mit drei zu zwei Stimmen erteilt, die SPD stellte sich spontan auf die Seite der Bürger und stimmte dagegen. Somit wurde der Bau befürwortet, obwohl noch einige Fragen offen waren, denn ob der Sendemast im freien Feld viel höhere Grenzwerte haben darf, als in der Bebauung, welche Leistung er haben wird, wie sich die Überlappung der Strahlung dann gleich zweier Masten auswirkt und ob auch dafür bestimmte Obergrenzen vorhanden sind, konnte von den Entscheidern nicht geklärt werden. Die Beantwortung dieser und anderer wichtiger Kriterien soll in der Gemeindevertretersitzung am Donnerstag, 1. Juli, um 20 Uhr erfolgen, in der dann auch die endgültige Entscheidung fallen soll.

Ob die Bürger den Beschluss noch abwenden könnten, bleibt offen, laut Carsten Helfmann bliebe ihnen nur die Möglichkeit, einen Bürgerentscheid einzureichen, während der SPD-Vorsitzende Manfred Hechler der Meinung war, es gäbe noch andere Wege, da ja gemeindeeigener Grund verpachtet werden solle. Sollte der Entschluss der Gemeindevertretung negativ ausfallen, könnte der Betreiber versuchen eine Privatperson zu finden, die einen Mast auf ihrem Haus aufstellen lassen würde, was aber nach Meinung informierter Besucher schwer realisierbar sei, da dieser im Falle von Erkrankungen in der Umgebung durchaus haftbar gemacht werden könne. Es bleibt also abzuwarten, welche Entscheidung die Gemeinde nach einer Nutzen-Schaden-Abwägung treffen wird.

Quelle: op-online.de

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