„Ehrenamt in Gefahr“

Eppertshausen ‐ Die Bürokratie macht derzeit dem Vorsitzenden des Gesundheits- und Kampfsportvereins (GKV) Lotus Eppertshausen Ernes Erko Kalac zu schaffen. Er bemängelt gleichfalls das geringe Interesse der Gemeinde am Verein. Von Christina Schäfer

Für Zuschüsse zur Jugendarbeit soll GKV Lotus „eine Liste mit Namen und Adressen der in Eppertshausen wohnhaften Jugendlichen“ vorlegen, so fordert es ein Schreiben der Gemeinde. Für Ernes Erko Kalac kein leichter Fall: Er sieht darin einen Verstoß gegen den Datenschutz und unnötigen Aufwand.

Der Gemeinde hingegen ist daran gelegen, nur Eppertshäuser Jugendliche, die in den Eppertshäuser Vereinen trainieren, durch die Finanzspritze zu unterstützen. Nicht ausgeschüttete Gelder des 3000 Euro hohen Etats für investive Maßnahmen von Vereinen sollen nun den Jugendlichen der sporttreibenden Vereine zugutekommen. Aus dem 3000 Euro-Fördertopf bezahle die Gemeinde Eppertshausen jährlich 800 Euro für eine Veranstalterhaftpflicht, so Bürgermeister Carsten Helfmann auf Anfrage. Weiter werden davon zehn Prozent Zuschuss für Investitionen von langlebigen Wirtschaftsgütern gewährt. Der Restbetrag fließt an die sporttreibenden Vereine in Form des Jugendzuschusses. Kostenfrei stellt die Gemeinde zudem den Vereinen die Räume der Mehrzweckhalle, Sporthalle, des Sportzentrums sowie des Haus der Vereine zur Verfügung.

„Alle Vereine werden gleich behandelt“

Ernes Erko Kalac scheinen die Hände gebunden. Er könne der Forderung nach Listen mit Namen und Adressen nicht nachkommen. „Ich habe mich bei der Datenschutzbeauftragten des Regierungspräsidiums Darmstadt informiert. Damit ich die Daten weitergeben darf, muss es in der Satzung geregelt sein. In unserer Satzung steht es aber nicht“, erklärt Kalac. Bei der Mitgliederversammlung im Dezember stand das Thema ebenfalls auf der Tagesordnung. Die Meinung der Mitglieder sei eindeutig gewesen, sie wollten das nicht, so Kalac. Zudem schätzt der Lotus-Vorsitzende den Aufwand zur nachträglichen Einholung der Genehmigung zu hoch ein. Dieser würde in keinem Verhältnis zu den Zuschüssen stehen, so Kalac. Zudem sei die Zuschusshöhe ja unbekannt. Etwa 500 Mitglieder zähle der Eppertshäuser Verein, über 50 Prozent kämen auch aus der Gemeinde, erklärt Kalac weiter. „500 Mitglieder bedeuten 500 Briefe à drei Seiten mit der Hand adressiert“, rechnet Kalac vor. Der GKV-Vorsitzende fühlt sich ungerecht behandelt.

Anders die Aussage der Gemeinde Eppertshausen. Eine Nachfrage beim Landkreis Darmstadt-Dieburg hat einen vergleichbaren Fall aus Babenhausen ans Tageslicht gebracht. Die Abfrage von Daten zur Überprüfung der Richtigkeit der Vereinsangaben wie Mitgliederlisten dürften von Behörden angefordert werden. „Damals gab es keine datenschutzrechtlichen Bedenken“, so Carsten Helfmann.

Auf einen Kompromiss mit der Gemeinde Eppertshausen hofft derzeit Kalac: „Das ist doppelte Bürokratie und bringt den Verein schnell in Armut und das Ehrenamt in Gefahr“, sagt Kalac nachdenklich. „Wir machen die Sache für die Eppertshäuser und würden uns wünschen, dass uns die Gemeinde dabei unterstützt und nicht noch mehr Arbeit macht.“

„Alle Vereine werden gleich behandelt“, betont Carsten Helfmann. Insgesamt sechs Vereine haben das Schreiben mit der Aufforderung erhalten, eine Antwort bleib nur Lotus schuldig. Nun soll der Betrag vorerst eingefroren werden, so der Rathauschef.

Quelle: op-online.de

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