Ehrenamt wider das Vergessen

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Die Opfer des Nationalsozialismus sollen nicht in Vergessenheit geraten. Das haben sich Cordula Brandt (von links), Pfarrer Johannes Opfermann (Evangelische Friedensgemeinde), Sueli Küpper-Tetzel und Gisela Anders zur Aufgabe gemacht.

Eppertshausen ‐ An einem Tag im Jahr gedenkt Deutschland den Opfern des Nationalsozialismus – am 27. Januar. Doch damit dieser nicht nur ein Eintrag im Kalender bleibt, organisiert der Ökumenische Arbeitskreis eine Gedenkstunde und ergänzt sie durch Aktionen und Ausstellungen zum Thema. Von Christina Schäfer

 Anlässlich des 65. Jahrestags der Befreiung von Auschwitz lenkt das engagierte Team des Arbeitskreises den Blick unter dem Titel „Wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt“ auf Karl Plagge, der als Offizier der deutschen Wehrmacht die Leitung des Heeres-Kraftfahrparks in Wilna inne hatte (wir berichteten). Aufgrund seines Einsatzes überlebten zahlreiche Juden und Litauer. Eine Ausstellung im Rathaus-Foyer beleuchtet noch bis zum 3. Februar – während der Öffnungszeiten des Rathauses – das Leben eines mutigen Mannes. Aber: „Wir wollen nicht einen Helden in den Vordergrund stellen, sondern über den Helden an die Opfer erinnern“, sagt Cordula Brandt, die neben Gisela Anders und Sueli Küpper-Tetzel dem Ökumenischen Arbeitskreis zum Gedenktag angehört.

Die drei Frauen kennen sich mit dem Thema aus. Wo andere Gedanken verdrängen, arbeiten sie daran, die Erinnerungen wach zu halten – das Thema dem Vergessen zu entreißen. Und das gleich in vielfältiger Weise: durch Theaterstücke, Lesungen, Musik oder auch Pantomime. So war 2001 das Theaterlabor Darmstadt zu Gast, 2003 stellten Schüler der Nell-Breuning-Schule aus Rödermark ein Projekt über Auschwitz vor und unterstützte 2005 das Mandolinenorchester aus der Gemeinde die Arbeit des Ökumenischen Arbeitskreises.

Unterstützung von der Friedensgemeinde

Viele Stunden stecken die engagierten Frauen in die ehrenamtliche Arbeit – vor allem wenn es ab dem Sommer konkret wird und das Thema der jährlichen Gedenkveranstaltung feststeht. „Das ist schon fast mit einem Halbtagsjob zu vergleichen“, sagt Cordula Brandt. Dann sammelt das Team Informationen, liest viel, tauscht sich mit anderen Gruppen aus, die sich ebenfalls mit dem Thema Nationalsozialismus auseinander setzen, und überlegt, wie sich das Thema transportieren lässt.

Unterstützung bekommen Brandt, Anders und Küpper-Tetzel von Pfarrer Johannes Opfermann von der Evangelischen Friedensgemeinde und Pfarrer Harald Christian Röper von der Pfarrgemeinde St. Sebastian. Seit einigen Jahren ist auch Bürgermeister Carsten Helfmann im Team. Die Shoa-Gedenkveranstaltung wird gemeinsam vom Ökumenischen Arbeitskreis und der Gemeinde Eppertshausen auf die Beine gestellt. Es seien nur wenige Kommunen im Landkreis Darmstadt-Dieburg, die sich diesem Gedenktag mit speziellen Veranstaltungen und Gedenkstunden widmen, ist von Bürgermeister Carsten Helfmann zu erfahren.

Dabei ist die Organisation der Veranstaltung oftmals ein Balanceakt zwischen Nachdenklichkeit und Heiterkeit: „Man ist zu dieser Zeit immer mit Fastnacht konfrontiert“, erklärt Sueli Küpper-Tetzel.

Der Ökumenische Arbeitskreis und die Gemeinde Eppertshausen laden für Mittwoch, 27. Januar, 19.30 Uhr, zur Gedenkveranstaltung in den Rathaussaal ein. Referenten sind Hannelore Skroblies und Christoph Jetter.

Ihre Arbeit zeigt Erfolg: Heute kommen bis zu 80 Besucher zu den Gedenkveranstaltungen. Das sei nicht immer so gewesen, erinnern sich die drei Frauen an einen Rundgang durch den Ort, der vom Gedenkstein in der Schulstraße gegenüber der ehemaligen Synagoge bis nach Münster führte. „Damals waren wir nur fünf bis zehn Personen“, so Brandt. Von diesem Zeitpunkt an, hat sich das Projekt Shoa-Gedenktag im Ökumenischen Arbeitskreis entwickelt. Dabei widmet sich der Ökumenische Arbeitskreis in unterschiedlichen Gruppierungen unter anderem auch den Themen Weltgebetstag für Frauen, Seniorenarbeit, Friedensgebet, Bibelwoche und „Wochen für das Leben“.

Das Engagement von Cordula Brandt, Gisela Anders und Sueli Küpper-Tetzel ist groß, die drei Frauen sind mit viel Herzblut bei der Sache und zeigen dabei Kontinuität und Intensität. Auch wenn das Thema nicht einfach zu verarbeiten ist. Großen Wert legt das Team darauf, dass der Shoa-Gedenktag an alle Opfer des Nationalsozialismus erinnert – nicht nur an jüdische. Warum es auch heute noch wichtig ist, nicht zu vergessen? „Wenn man sich in der Welt umsieht, wiederholt sich vieles“, sagt Cordula Brandt. Die drei Frauen sind sich einig, das darf sich nicht noch einmal wiederholen.

Quelle: op-online.de

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