Die Eppertshäuserin Daniela Anton geht für zwei Monate nach Sri Lanka, um in einem Waisenhaus zu arbeiten

Eine Reise ins Heim der Engelskinder

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Daniela Anton (25) freut sich auf die 18 Waisenmädchen in Sri Lanka. Zwei Monate wird sie dort leben und die Kinder auch unterrichten.

Eppertshausen - Der Polyglottführer Sri Lanka liegt auf dem Küchentisch. Unweit davon entfernt ist der Roman „Anne of Green Gables“ aufgeschlagen, in dem es um das rothaarige Waisenmädchen Anne geht. Von Kathrin Rosendorff

„Rothaarige Waisenkinder werde ich in Sri Lanka weniger treffen“,sagt und lacht Daniela Anton, eine quirlige junge Frau, die im schnellen Tempo spricht. Die 25-jährige Eppertshäuserin hat sich entschlossen nach ihrem ersten Staatsexamen Mitte Juni für zwei Monate nach Sri Lanka zu gehen, nicht zum faulen Rumliegen am Strand, sondern um in einem Waisenhaus zu arbeiten.

Mehr Informationen zum Kinderheim in Sri Lanka finden Sie hier.

„Ich wollte immer schon was Soziales machen. Als ich jünger war, wollte ich in unserer Kirchengemeinde St. Sebastian, die in Rumänien Waisenhäuser besucht, mitfahren. Aber da war ich zu jung“, erzählt Anton. Danach kam das Studium an der Uni Würzburg, Deutsch und Englisch auf Lehramt studiert sie dort. „Immer kam was dazwischen: Praktika, Prüfungen, acht Monate als Fremdsprachenassistentin in England und ich war auch Lokalkommitees-Präsidentin bei der größten internatinalen Studentenorganisation AIESEC“,so Anton. „Aber jetzt nach meinem ersten Staatsexamen habe ich erstmal Leerlauf und den wollte ich ausnutzen.“

Doch das richtige Waisenhaus zu finden, war alles andere als einfach. „Ursprünglich wollte ich ja nach Indien. Viele Organisationen, die ich im Internet fand, verlangten aber bis zu 2 000 Euro für die Vermittlung und dann las ich auch noch, dass die Kinder im Heim geschlagen werden“,erzählt sie. „Dort will man nicht hin, ich meine, da kann man auch gar nicht wirklich was ausrichten.“Durch Zufall landete sie auf der Seite drylands.de, ein Kinderhaus nur für Mädchen, das ein Deutscher 2005 nach dem Tsunami gegründet hat und es zusammen mit seiner Freundin leitet. Es heißt „Angel‘s Home for Children“.

„18 Mädchen wohnen da zurzeit“,so Daniela Anton. Drylands.de finanzieren sich ausschließlich aus privaten Spendengeldern. Dann erzählt sie, dass es in Sri Lanka üblich ist, dass, wenn ein Elternteil stirbt und der Witwer/Witwe neu heiratet, die Kinder „weg müssen“, also nicht in die neue Ehe mitgebracht werden dürfen. „Wenn die Kinder Glück haben, kommen sie zu ihren Großeltern, ansonsten werden sie in die überfüllten Heime gesteckt, und dort ist es gang und gäbe zu schlagen.“ Nicht so bei „Angel‘s Home for Children“ in Marawila.„Das ist 60 Kilometer nördlich von der Hauptstadt Colombo“, sagt Daniela Anton und zieht die Landkarte ihres Reiseführers hervor. Schon Wochen vorher hat sie bei Banken, Bastelläden und Schreibwarenläden Blöcke, Buntstifte, aber auch von Bekannten Zahnpasta und Duschgel für die Mädchen gesammelt. 45 Kilogramm ist das Paket jetzt schwer und wird in den nächsten Tagen losgeschickt.

„Ich werde die Mädchen in Englisch unterrichten, mit ihnen spielen, Ausflüge organsieren, aber mich auch um Behördengänge kümmern.“

Ganz allein reist sie aber nicht, ihre beste Freundin und Studienkollegin Manuela begleitet sie. „Auch die Arbeit am Computer werden wir ihnen beibringen. Die Mädchen sollen eine Chance für ihre Zukunft bekommen. In Sri Lanka sind Frauen immer noch sehr abhängig von Männern.“

Und wie findet ihre Familie, ihre Freunde ihr Engagement? „Die Meinungen sind total geteilt, viele verstehen meinen Idealismus nicht. Und sie finden Sri Lanka zu gefährlich, auch wenn nach 30 Jahren Bürgerkrieg Waffenstillstand herrscht“, sagt Anton.

„Ich werde nicht in den Norden gehen, dort ist es nämlich wirklich gefährlich und auch werde ich nicht öfter als nötig in die Hauptstadt gehen.“ Dann schließt sie an. „Meine Familie und mein Freund stehen hinter mir. Ich finde es schade, dass es in Deutschland so ein Abgehetze durchs Studium direkt rein in die Berufswelt ist und für soziales Engagement keine Zeit eingeräumt wird“, betont Daniela Anton. Und wenn mir wirklich, was passieren sollte, ich weiß, das klingt vielleicht naiv, aber dann habe ich wenigstens etwas Gutes getan.“ Und ja, sie wird zurückkommen: Sie will vor ihrem Referendariat promovieren und ihr Freund will sie auch zurück.

Quelle: op-online.de

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