Eine Wissenschaft für sich

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Fit für den Winterdienst sind die Mitarbeiter des Eppertshäuser Bauhofs. Mit Streusalz, Schneebesen- und schieber stehen sie bereit, wenn Eis und Kälte die Gemeinde auf Trab halten. Die neuen einheitlichen Funktionsjacken – Weste, Jacke und Überjacke – nach gültiger Norm für den öffentlichen Straßenbereich, die die Gemeinde Ende des Jahres gekauft hat, halten schön warm. „Die Jacken sorgen für ein einheitliches Erscheinungsbild und sind auch mit dem jeweiligen Namen des Mitarbeiters versehen“, erklärt Eppertshausens Bürgermeister Carsten Helfmann.

Eppertshausen/Münster ‐ „Wir nehmen es ganz cool“, erklärt Richard Ries, Münsterer Bauhof-Leiter, mit Blick auf das von den Wetterfröschen der Republik prophezeite Schneegestöber am Wochenende. Von Christina Schäfer und Jenny Westphal

Das ist eine wirklich gute Truppe. Jeder weiß, was er zu tun hat“, sagt Ries. Das hält seine Sorgen – zumindest fürs Wochenende – in Grenzen. Mit den im Bauhof gelagerten Salzvorräten werden sie der angekündigten Schneestürme schon Herr, ist er sich sicher. Lange vor dem Winter hatte er die Salzvorräte geordert. „Dabei gehe ich nach üblichen Schnitt der vergangenen zehn Jahren“, erklärt der Bauhof-Leiter. Nur ist dieses Kontingent inzwischen längst ausgeschöpft. „Es gab ja auch lange keinen solchen Winter mehr.“

Was das Wochenende betrifft, ist auch sein Eppertshäuser Kollege Herbert Müller, zuversichtlich: Das Salz reicht. Vor ein paar Tagen hat der Bauhof-Leiter noch einmal Streugut nachbestellt. Doch auch beim Lieferanten gibt es Engpässe, so baut Müller zumindest auf 50 Prozent der bestellten Ware. „Ich hoffe, dass wir nächste Woche noch zwei bis drei Tonnen bekommen – über‘s Wochenende kommen wir.“ Sechs Tonnen lagern derzeit noch in den Hallen des Bauhofs, etwa zehn bis zwölf Tonnen Streusalz benötigen die Eppertshäuser Bauhofmitarbeiter für den Winterdienst in einer Saison. Sollte es zum Engpass kommen, hat sich Herbert Müller schon mal umgehört: Bei einem anderen Lieferanten könnte er vielleicht Streusalz als lose Schüttung bekommen. Das hat aber den Nachteil, dass es in dieser Wintersaison aufgebraucht werden müsste. Die Streusalzsäcke könne man dagegen schon besser lagern.

Um 5.30 Uhr geht‘s los mit den Räumarbeiten

Wie ein Damoklesschwert schwebt der drohende Engpass schwebt auch über dem Münsterer Bauhof. „Fürs Wochenende reichen unsere Vorräte auf jeden Fall noch“, versichert Bauhof-Leiter Richard Ries. Eng wird es allerdings, wenn das Schneetreiben über die nächste Woche andauert. Bereits Anfang Dezember hatte er nachbestellt, die Lieferung wurde ihm aber erst für Anfang bis Mitte Februar zugesagt. „Wenn uns das Salz ausgeht und es weiter schneit, behelfen wir uns mit Splitt“, bleibt Ries gelassen.

Sobald der Eppertshäuser Kolonnenleiter – Herbert Müller oder Günter Murmann – bei seinem morgendlichen Rundgang durch die Gemeinde um fünf Uhr den Winterdienst für erforderlich halten, werden die Männer der Kolonne angerufen. Um 5.30 Uhr geht‘s los mit den Räumarbeiten, die Eppertshäuser Bauhofmitarbeiter haben in zwei Kolonnen je vier Mann abwechselnd Dienst. „Es ist eine Wissenschaft für sich“, erklärt Herbert Müller das allmorgendliche Ritual des Wettertests. Es komme auch auf die Konsistenz des Schnees an, ob der Schnee mit Schild oder Besen beseitigt werde und auch je nach Materialien könne die Glätte auf den Straßen sowie Rad- und Gehwegen variieren.

Wer als erstes vor Ort ist, kümmert sich drum

Im sogenannten Streubuch, welches täglich in der Zeit des Winterdiensts geführt wird, sind Angaben zu Temperaturen, Glätte und Winterdienst vermerkt. Mit drei Fahrzeugen – zwei Kleinschlepper und einem Kleinlieferwagen für die Handtrupps – rücken die Eppertshäuser aus, um die Straßen, Wege und Plätze der Gemeinde frei vom Schnee zu bekommen. Mit dem Kastenstreuer am Kleinschlepper lässt sich das Salz in 1,20 Meter Breite verteilen. Probleme würden den Bauhofmitarbeitern bei ihrer Arbeit oftmals auf den Radwegen parkende Autos bereiten, so Müller.

Gemeinsam ans Werk machen sich Eppertshausen und Münster in Sachen Fuß- und Radweg, der zwischen den beiden Gemeinden liegt und gleichzeitig auch Schulweg ist. Es sei eine Art ungeschriebenes Gesetz, eine Kooperation, wer als erstes vor Ort ist, kümmert sich drum, sagt Müller.

Vier Zweier-Teams, die per Hand streuen

Allein 30 Kilometer Straße müssen die 17 Mitarbeiter des Münsterer Winterdienstes bei jedem Einsatz von Schnee und Eis befreien. Dazu noch gemeindeeigene Gehwege und Grundstücke. Drei bis vier Stunden dauert ein üblicher Winterdienst. „Es ist natürlich abhängig davon, wie viel Schnee wir wegschieben müssen. Dann dauert‘s auch mal länger“, ergänzt der Münsterer Bauhof-Chef. Einen großen Unimog für die Straßen, drei Fahrzeuge für die Gehwege und vier Zweier-Teams, die per Hand streuen, fährt der Bauhof für den Winterdienst auf. Um halb fünf begibt sich der Diensthabende – „also mein Stellvertreter oder ich“ – in den kalten Monaten Morgen für Morgen auf Kontrollfahrt. Liegt Schnee oder sind die Straße zugefroren, trommelt er seine Mannschaft zusammen. „Spätestens um halb sechs rücken wir aus“, sagt Ries. „Am Wochenende auch schon mal eine Stunde später“, ergänzt er. Für den Winterdienst unterteilt der Bauhof Münster samt Altheim und Breitefeld in drei Streurouten. Zur ersten Kategorie zählen die Hauptverkehrsstraßen, in die zweite fallen die weniger wichtigen Straßen. Zur dritten Kategorien zählen die reinen Wohnstraßen, die im Kreuzungsbereich gestreut werden.

Doch auch wenn der Winterdienst die Mitarbeiter der Bauhöfe vor besondere Her ausforderungen bei Wind und Kälte stellt, auch andere Arbeiten sind zu erledigen. „Das Tagesgeschäft muss trotzdem weitergehen. Die gemeindeeigene Weihnachtsdekoration musste dieser Tage abmontiert werden und auch die Weihnachtsbäume warten auf ihren Abtransport“, sagt Müller.

Quelle: op-online.de

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