„Einen Tag können Eltern überbrücken“

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Die Schar der Eppertshäuser Racker, die auf den Betreuungs-Notdienst angewiesen waren, war überschaubar – Eltern und Bürgermeister Carsten Helfmann (links) kümmerten sich um den Nachwuchs.

Eppertshausen - Waltraud Nierula genießt die entspannte Atmosphäre, die an diesem Dienstag in der Eppertshäuser Kindertagesstätte Sonnenschein herrscht: Nur etwa zehn Kinder tummeln sich in den Räumen, die sonst von bis zu 125 genutzt werden. Von Jasmin Frank

Der Grund: Zum ersten Mal haben die Erzieherinnen der kommunalen Betreuungseinrichtung die Arbeit niedergelegt. Damit wollen sie eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen erreichen.

Waltraud Nierula, „Erzieherin im ‚Unruhestand’“, wie sich beschreibt, unterstützt an diesem ersten Premieren-Streiktag die freiwilligen Helfer in der Einrichtung fachlich, sie kann die demonstrierenden Kolleginnen gut verstehen. Gerade durch ihre langjährige Arbeit weiß sie, wie sehr sich die Bedingungen in der Arbeit mit Kindern verschlechtert haben und stimmt mit den Streikenden darin überein, dass die physische und psychische Belastung immer intensiver geworden ist.

Doch an diesem Tag ist bei den Anwesenden die Laune gut, vor allem die Kinder nutzen das unverhoffte Platzangebot aus. Jannis Gollwitzer, sechs Jahre alt, meint: „Es ist schön, aber auch komisch, dass so wenige Kinder da sind.“ Seine Erzieherinnen vermisst der Steppke nicht: „Einen Tag kann ich das aushalten“, meint er tapfer.

Seine um ein Jahr jüngere Schwester Maja findet es vor allem toll, dass ihre Mutter Kristina mit von der Partie ist und bei der Betreuung hilft. Diese steht zwar hinter den streikenden Kindergärtnerinnen, kann aber auch den Unmut der Eltern verstehen, die dringend auf das Betreuungsangebot für ihre Kinder angewiesen sind.

Die gleiche Meinung vertritt Claudia Sonn, Gesamtelternbeiratsvorsitzende, die an der Organisation des Notdienstes federführend beteiligt war. Sie hat von Seiten der Eltern wenig negative Resonanz auf den Streiktag bekommen und auch der Notdienst wurde von den meisten Eltern nicht in Anspruch genommen. Die Mutter von drei Kindern beurteilt die Lage so: „Einen Tag können die meisten berufstätigen Eltern schon mal überbrücken, aber je länger so ein Streik dauert, desto schwieriger wird es.“ Ein weiterer Streiktag sei derzeit aber nicht geplant. „Ob noch weitere kommen, kann aber niemand vorhersagen“, meint Claudia Sonn.

Ein weiterer „Not-Kindergärtner“ an diesem Tag ist Bürgermeister Carsten Helfmann, der der Arbeitgeber der Erzieherinnen ist. Er sieht die Aktion mit gemischten Gefühlen, da er auf der einen Seite eine bestmögliche Obhut der Kinder ermöglichen will, andererseits aber in seiner Kindertagesstätte schon viele Verbesserungen umgesetzt sieht. Als Beispiel verweist er darauf, dass in Eppertshausen für die Erzieherinnen auf deren Wunsch hin rückenschonende Stühle angeschafft wurden, denn gerade die kleinen Sitzmöbel wurden in den allgemeinen Streiks oft als besonders gesundheitsschädlich angeführt.

Für ihn und seine Verwaltungsmitarbeiterin Sabine Herget ist dieser Vormittag aber eine angenehme Abwechslung von der Büroroutine, die der begeisterte Feuerwehrmann noch zu einem gemeinsamen Ausflug mit den Kindern ins nahe Feuerwehrhaus nutzt. Insgesamt geht der Eppertshäuser Streiktag also ohne große Aufregung über die Bühne, aber die Betroffenen hoffen, dass keine weiteren Aktionen folgen.

Quelle: op-online.de

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