Einer in Not und viele Bürger helfen

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David Baier mit Mutter Brigitta, Bürgermeister Carsten Helfmann und Reinhard Kraus von Andre + Oestreicher.

Eppertshausen ‐ Brigitta Baier wohnt mit ihrem an Spinaler Muskelatrophie erkranktem Sohn David in einem kleinen Häuschen in Eppertshausen, in dem nur eine schmale Treppe ins Obergeschoss zum Zimmer des Jungen führt. „Ich trage ihn täglich hinauf und hinunter. Von Jasmin Frank

Dabei spielt sein Gewicht von etwa 20 Kilogramm weniger eine Rolle, als seine Größe von 1,50 Metern, denn ich muss ihn ausgestreckt tragen, weil er einen Titanstab im Rücken hat“, so die zupackende Mutter.

Die blonde Frau und ihr an Muskelschwund leidender zwölfjähriger Sohn strahlen trotz zahlreicher Schicksalsschläge eine große Lebensfreude aus. Erst vor zwei Jahren ist Davids Vater überraschend an einem Herzinfarkt verstorben, so dass der Versorger der Familie weg fiel. Trotzdem schmieden die beiden Pläne für die Zukunft und lassen sich nicht unterkriegen.

„Das Wichtigste für uns ist jetzt, dass David ein ebenerdiges Zimmer und ein behindertengerechtes Bad bekommt. Wenn ein Junge älter wird, will er nicht dauernd auf seine Mutter angewiesen sein“, schmunzelt die Mutter verständnisvoll. Deshalb entsteht im Garten der Baiers nun ein kleiner Anbau, der auch ein Zimmer für die Pflegeassistenz vorsieht, die später für David sorgen soll.

Unterstützung von Familie, Freunden und Freikirche

Doch zunächst gilt es, den kleinen Anbau zu finanzieren. „Wir haben schon viel Zuspruch erhalten, viele Handwerker vor Ort haben mitgeholfen und für uns die ein oder andere Dienstleistung günstiger oder sogar kostenlos durchgeführt“, freuen sich Mutter uns Sohn. So wurden beispielsweise die Steine von der Firma Ytong zur Verfügung gestellt, die Bauleitung übernahm der ortsansässige Architekt Michael Kramer und die Firma Gerüstbau Rügemer stellte das Baugerüst auf. Viele weitere Handwerker packten mit an, dennoch bleiben noch einige Arbeiten offen.

„Wir haben noch niemanden gefunden, der für uns verputzen könnte“, meinte die gelernte Kinderkrankenschwester, die auf weitere Hilfe hofft. Zudem wurde vieles in Eigenleistung mit Unterstützung von Familie, Freunden und der evangelischen Freikirche in Ober-Roden erledigt. Doch allein die Baustoffe haben ihren Preis.

Fernseher, Playstation, Computer und viele Wrestlingposter

Deshalb hatte Bürgermeister Carsten Helfmann die Idee, den Geschäftsführer des Babenhäuser Baumarkts Andre + Oestreicher anzusprechen und um eine Spende für das Projekt zu bitten. „Ich kannte den Chef ohnehin schon von offiziellen Treffen, da war er für mich einfach ein naheliegender Ansprechpartner“, so der Rathauschef. Geschäftsführer Reinhard Kraus freut sich über den Hinweis des Bürgermeister aus Eppertshausen und meinte jetzt bei der Übergabe: „Wir spenden ohnehin im Jahr etwa 7.500 Euro. Entweder geht das Geld an gemeinnützige Initiativen wie das Deutsche Rote Kreuz oder an Ärzte ohne Grenzen, oder aber wir geben es für Projekte in der Region aus. Eppertshausen ist für uns ein wichtiger Standort und bei dieser Gelegenheit hier sehen wir genau, was mit unseren Baustoffen gemacht wird. Deshalb überreichen wir heute eine Sachspende im Wert von 2.500 Euro.“

Und auch David plant schon konkret, was er in seinem Zimmer unterbringen möchte: „Einen Fernseher, eine Playstation, einen Computer und viele Wrestlingposter.“ Alles typische Wünsche für einen Jungen seines Alters.

Ein Spendenkonto „David“ gibt es bei der Volksbank Eppertshausen, Nummer 100032603.

David besucht wann immer möglich die Regelschule in Münster, allerdings nur in erkältungsfreien Zeiten, denn krank werden darf er nicht, weil er nicht richtig husten und sich nicht schnäuzen kann. Ist die Ansteckungsgefahr zu groß, wird David zu Hause unterrichtet. Einen großen Wunsch hat der Gymnasiast aber noch: „Ich will meinen Geburtstag im September mit meinen Freunden schon in meinem neuen Zimmer feiern können, deshalb hoffe ich, dass es bis dahin soweit fertig ist.“ Dafür stehen die Zeichen gut, wenn weiterhin alle so fleißig und uneigennützig mit anpacken.

Quelle: op-online.de

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