Einmal für „Geo“ oder „Guardian“ schreiben

21-jährige Eppertshäuserin Alisia Klöckner will Journalistin werden

Alisia Klöckner aus Eppertshausen möchte Journalistin werden.
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Alisia Klöckner aus Eppertshausen möchte Journalistin werden.

Die Erfahrung aus dem Berufsalltag fehlt ihr noch, doch eins hat sich zu Alisia Klöckner schon rumgesprochen: „Journalismus macht man aus Leidenschaft, denn verdienen kann man damit nichts.“

Eppertshausen – Ganz so prekär sind die Arbeitsverhältnisse in der Medienbranche hierzulande zwar nicht, doch reich werden kann man woanders in der Tat leichter. Von ihrem Weg zur Journalistin bringt diese Erkenntnis die 21-jährige Eppertshäuserin freilich nicht ab. Und obwohl Medienschaffende auch in Deutschland immer öfter Anfeindungen, Aggressionen und Bedrohungen ausgesetzt sind, strebt sie ihrem Ziel als Studierende des Fachs Online-Journalismus (siehe Infokasten) am Campus Dieburg der Hochschule Darmstadt (HDA) entgegen.

Einen beruflichen Traum hat Klöckner auch: einmal für „Geo“ oder für „The Guardian“ schreiben. Das deutsche Wissenschaftsmagazin und die britische Tageszeitung stehen für die junge Frau genau für das, was sie nach ihrer praxisorientierten Hochschul-Ausbildung in Dieburg einmal selbst leisten möchte: „Ich will als Journalistin Dinge rausfinden, die es anderen Menschen ermöglichen, ihren Blick zu erweitern. Sie sollen etwas Neues erfahren, neu über die Dinge nachdenken.“ Weitere Motivation: „Ich möchte mit meiner Arbeit auch den Schwächeren eine Stimme geben.“

Das geht nicht von heute auf morgen. Zwar ist „Journalist“ in Deutschland kein geschützter Begriff, denn im Grunde darf sich jeder so nennen, der wo und wie auch immer Inhalte jeglicher Art in Form von Texten, Fotos, Videos, Audios sowie diversen digitalen Spielarten produziert und veröffentlicht. Doch mit dem Zusatz „Bachelor of Arts“, den Klöckner an der HDA nach sieben Semestern erworben haben will, wird in fachlicher Hinsicht eine weiterreichende Kompetenz belegt. Schließlich ist auch der Journalismus vor allem ein Handwerk, das es zu lernen und gewissenhaft anzuwenden gilt – ab und an gewürzt mit einer Prise künstlerischer Entfaltung.

Die drückte sich bei Alisia Klöckner bereits seit vielen Jahren aus, „ich bin kreativ verankert, habe schon früher gern Geschichten geschrieben, wusste immer, dass ich irgendwas mit Zeichnen, Malen oder Schreiben machen wollte“. Ohne das geschriebene Wort geht es auch in immer stärker crossmedial ausgerichteten Zeiten nicht, „und Journalismus ist zugleich was Praxisnahes“. Auf dem Weg zum Abitur, das die Eppertshäuserin 2017 an der Dieburger Alfred-Delp-Schule abschloss, waren Deutsch und Biologie ihre Leistungskurse. „Dass man in Dieburg Online-Journalismus studieren kann, war natürlich perfekt“, sagt sie. „Ich hätte zwar kein Problem damit, daheim auszuziehen, aber ein bisschen Geld will man ja auch haben.“ So wohnt sie weiter daheim, jobbt neben dem Studium in der Logistik und schmiedet Pläne.

Gerade hat für die Studentin das dritte Semester begonnen, nach einem coronageprägten zweiten Semester im Home-Office und einem klassischen ersten Semester mit „viel Präsenz auf dem gemütlichen, familiären Campus Dieburg“. Der gefällt ihr gerade deshalb so gut, weil dort nur 3 000 Studenten – angehende Medienschaffende und Betriebswirte – lernen und auch davon meist nur ein Teil vor Ort ist.

Im vierten Semester stehen 18 rein den Berufsalltag simulierende Wochen in einem Medienbetrieb an: Klöckner würde das Praxissemester gern in England absolvieren, dabei die Fremdsprache verbessern und sich später am liebsten in den internationalen Journalismus vertiefen. Immer in der Ahnung, dass es ein hartes Brot werden könnte und eine ordentliche Portion Idealismus nicht fehlen darf. Klöckner weiß unter anderem, „dass viele Journalisten nebenbei in der PR arbeiten, weil Journalismus nicht so doll bezahlt ist“.

Trotzdem, ihr Fokus bleibt: „Nach dem Abi habe ich erstmal ein bisschen gejobbt und dabei festgestellt, dass es ganz wichtig ist, dass man an seiner Arbeit Spaß hat. Denn mit ihr verbringt man schließlich so viele Stunden des Lebens ...“ Zum schwieriger werdenden Rahmen in Deutschland, das für Medienvertreter im Vergleich mit den meisten Ländern des Globus’ allerdings noch immer ein gutes Arbeitsumfeld bietet, sagt sie: „Ich glaube, eine Ablehnung einiger Menschen gegen Journalisten und bestimmte andere Beurfsgruppen gab es schon immer. Sie steht heute einfach mehr im Fokus und durch das Internet ist es halt einfacher geworden, jemanden zu beleidigen oder zu bedrohen.“ Auch liege es in der Natur der Sache, dass gerade jene viel Reibung erführen, die viel Kontakt zu anderen hätten.

Klöckner schreckt das nicht ab, und eines Tages könnte sie Beiträge wie diesen selbst unter die Leserschaft bringen. Schließlich findet sie auch den Lokaljournalismus interessant und wichtig, „und Themen wie Politik und Umwelt“. (Von Jens Dörr)

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