Ein Engel für Turnnachwuchs

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Seine Jugendmannschaft will Sebastian Engel (links) nicht mehr hergeben.

Eppertshausen ‐ „Wir turnen so gerne beim Seppl, er ist super“, rufen die acht Jungen, die sich um Sebastian Engel scharen. „Er ist überhaupt nicht streng und hat noch nie mit uns geschrien“, fügt Lukas Busch hinzu. Stolz blickt Sebastian Engel auf seine Schützlinge und schickt sie zurück an ihre Übungen - Reck und Sprung. Von Jasmin Frank

Ich trainiere diese Gruppe schon seit vier Jahren. Natürlich wächst man in so einer langen Zeit zusammen“, erzählt der sportliche junge Mann. Er selbst turnt in der ersten Mannschaft des TAV, am liebsten Boden, Reck, Ringe und Barren. Sein Trainer Klaus Caps war es auch, der die Idee hatte, dass Sebastian nach dem Schulabschluss seinen Zivildienst bei seinem Verein absolvieren sollte. „Wir wollen den Nachwuchs mehr fördern, denn zwischen meiner eigenen Mannschaft und den Jungs, die ich trainiere, klafft eine Alterslücke. Deshalb müssen wir noch etwa vier Jahre durchhalten, bis die Kleinen soweit sind wie wir. Und das erfordert viel Training“, erläutert Engel.

Er kümmert sich um Homepage und Öffentlichkeitsarbeit

Aus dem Zivildienst wurde nichts: Er kann nur bei einem Verein mit einer Behindertensparte absolviert werden. Ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ) war dagegen unproblematisch und nach kurzem Abwägen entschied sich Engel dafür: „Ein FSJ hat zwar ein paar Nachteile, so dauert es drei Monate länger als der Zivildienst und ich bekomme weniger Geld, aber es hat auch Vorzüge: Ich kann hier in Eppertshausen aktiv sein und muss nicht täglich irgendwohin fahren, zudem sind die Arbeitszeiten gut und ich mache das, was ich am liebsten tue – nämlich Turnen.“ Doch ganz so einseitig sind seine Aufgaben nicht, neben den zahlreichen Trainingsstunden, die er leitet oder unterstützt, hilft er in der TAV-Geschäftsstelle aus, kümmert sich um die Homepage und macht Öffentlichkeitsarbeit. Zusätzlich ist er an die Münsterer Schule auf der Aue ausgeliehen. Dort hilft er in der Teestube und leitet eine Fitness-AG.

Dass der begeisterte Turner diese Möglichkeit bekommen hat, ist neben dem örtlichen Verein auch der Sportjugend Hessen zu verdanken, die als Träger unter anderem die Krankenversicherung des Eppertshäuser übernimmt. Die Stelle, die zum 1. September neu eingerichtet wurde, hat sich bereits vollauf bewährt und soll auch in Zukunft beibehalten werden. Doch bislang haben sich noch keine Kandidaten gefunden, die über die gewünschten Kenntnisse des Turnsports verfügen. Eine so enge Bindung, wie sie Sebastian Engel zu seiner Mannschaft pflegt, erwartet der Verein dagegen nicht.

Wohin es nach dem FSJ gehen soll, weiß Engel bereits: „Nach dem Jahr will ich etwas im Bereich Technik oder Physik studieren. Aber meine Gruppe trainiere ich auf jeden Fall weiter. Die gebe ich nie wieder her.

Quelle: op-online.de

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