Lebensgeschichte von August Murmann

Eppertshäuser Eulenspiegel

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Norbert Anton schaut in sein Buch über August Murmann. An dem Sammelsurium aus Geschichten zum Schmunzeln, Lachen und Staunen hat er ein Jahr lang gearbeitet.

Eppertshausen - Der Vorsitzende des Odenwaldklubs hat die Lebensgeschichte von August Murmann zusammengetragen. Von Michael Just

Der „Raubacher Jockel“ gilt als der Till Eulenspiegel des Odenwalds. Als Norbert Anton, Vorsitzender des Odenwaldklubs, eine Broschüre über seine besten Anekdoten und Geschichten sah, war er fast ein wenig konsterniert, was da über den Mann aus dem Ort Raubach südlich von Erbach zusammengetragen wurde. „Zog man die Werbung ab, blieb von dem Büchlein gar nicht mehr viel übrig. Da kann ich das Doppelte und Dreifache an Geschichten über unseren August Murmann liefern“, lautete seine Antwort.

Da war für Anton klar, dass es nun der richtige Zeitpunkt ist, ein Buch mit Geschichten über das Eppertshäuser Original zu schreiben, das 2006 im Alter von 72 Jahren starb und das in diesem Herbst 80 Jahre alt geworden wäre. August Murmann hat über drei Jahrzehnte das Mandolinenorchester des OWK dirigiert. Danach wurde er zum Ehrendirigenten ernannt. Dazu war er Wanderwart und brachte sich viele Jahre im Vorstand ein. Auch als Musiker, Heimatdichter, Naturfreund, Fotograf und zu guter letzt Kerbvadder, der seine Reden gekonnt verfasste, war er bekannt. „Wir reden über einen, der Verein und Ehrenamt gelebt hat.

Jede Woche eine Geschichte

Auf die heutige Zeit bezogen ist er eine absolute Ausnahmeerscheinung“, stellt Anton klar. Doch der Anstoß zum Buch war weit weniger Murmanns großes, ehrenamtliches Engagement sondern vielmehr die Art, mit der er auftrat. „Dem hat der Schalk im Nacken gessen. Der ist sogar morgens mit dem festen Willen aufgestanden, die Leute heute an der Nase herumzuführen“, erzählt der Autor. Dazu passt auch der Titel des Buches: „Wo bitte geht‘s nach Seckmauern?“ „Als Murmannn diese Frage stellte war ihm schon vorher klar, dass sie niemand beantworten kann“, so Anton.

Die Anekdoten über die Eppertshäuser Persönlichkeit, der als Elektrofeinmechaniker arbeitete, hat der Medienvertreter größtenteils am Kneipentisch gesammelt. Dann brachte er innerhalb eines Jahres die gesammelten Erzählungen zeitnah zu Papier. Jede Woche wurden eins, zwei Geschichten geschrieben. Ein befreundeter Redakteur hat die Manuskripte redigiert. Die verwendeten Fotos stammen aus dem Archiv des Odenwadklubs und der Witwe Murmanns. Dazu konnte Norbert Anton aus seinem eigenen Privatarchiv reichlich Aufnahmen verwenden.

Nun ist das Buch, das ein Stück Heimatgeschichte darstellt, fertig. Es hat 100 Seiten und wird bei einer Auflage von 400 Stück neun Euro kosten. In seinem Werk weiß Norbert Anton nicht nur was er schreibt, sondern vor allem über wen. Vier Jahrzehnte hat er Murmann als wichtigen Dreh- und Angelpunkt des OWK erlebt und immer wieder selbst an den genialen Allüren und Streichen teilhaben dürfen. „Der Humor war gut gemacht. Und vor allem: nie verletzend“, sagt Anton. Zu den Lieblingsabschnitten im Buch des OWK-Vorsitzenden gehört die Geschichte über die letzte Sodbrennerei, die er einem Journalisten auftischte oder die Ausführungen über eine Holzschuhgießerei. Einer Dame machte er weiß, er stecke gerade japanische Rennbohnen in den Boden seines Gartens. An gleicher Stelle setzte er dann große, vorgezogene Bohnenpflanzen, um wenige Tage später ihr völlig verdutztes Gesicht zu sehen.

Bald sind die Alten weg

Bei seinen Recherchen hat Norbert Anton, der selbst den trockenen Humor liebt, noch zahlreiche andere Geschichten aus Eppertshausen mitbekommen, die nur indirekt etwas mit August Murmann zu tun haben. Die sind ebenfalls mit ins Buch gewandert. „Die zu vergessen, wäre viel zu schade“, sagt der Autor. Das Buch „Wo bitte geht‘s nach Seckmauern?“ ist nicht sein erstes Werk. Vor zwei Jahren trat er bereits mit dem Titel „Die Portefeuiller und Babbscher in Eppertshausen“ in Erscheinung. Dazu hat er an anderen Büchern, wie an einer Chronik über Eppertshausen, mitgearbeitet.

Sein zweites Werk hat ihn auf den Geschmack gebracht: „Ich möchte in dieser Richtung weiterarbeiten“, sagt er. Es gebe noch viele Geschichten aus dem Ort, die es vor dem Vergessen zu bewahren gilt. So biete die Eppertshäuser Kerb einen großen Fundus, für die reichlich historisches Material vorliegt. Hinzu kämen ungewöhnliche Zeitgenossen, wie man sie nicht alle Tage trifft. Damit sind unter anderem die „Eppertshäuser Doktoren“ gemeint. „Die sind, ohne wirklich Arzt zu sein, damals in den Odenwald gefahren und haben die Leute behandelt“, weiß Anton über zum Teil unglaubliche Geschehnisse. „Wenn ich Kindern und Jugendlichen aus meinem Fundus erzähle, meinen die immer Käpt"n Blaubär sitzt vor ihnen“, ergänzt er. Der Eppertshäuser weiß von vielen Originalen im Ort und er weiß auch, dass zum Aufschreiben die Zeit pressiert: „Ich muss bald Gas geben, sonst sind die Alten, die noch um die Geschichten wissen, weg.“

Die Präsentation des Buches über August Murmann findet am 15. September im Haus der Vereine an. Der Beginn ist um 19 Uhr. An dem Abend mit Musik werden auch die beiden Söhne Murmanns anwesend sein und aus dem Buch rezitieren.

Quelle: op-online.de

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