Eppertshäuser Hausarzt behandelt nur noch privat

Eppertshausen - Seit vergangener Woche ist es offiziell: Eppertshausen hat bald einen Hausarzt weniger – zumindest die gesetzlich versicherten Patienten können von nun an nur noch zwischen zwei Allgemeinmedizinern wählen. Von Jasmin Frank

Die Praxis von Dr. med. Wolfgang Trausmuth wird ab Oktober nur noch privatärztlich behandeln. Als Beweggründe führt der Arzt in einer von ihm im Mitteilungsblatt der Gemeinde aufgegebenen Anzeige eine „überbordende Bürokratie“ und „sinnleere Budgetierungen“ an.

Zwar möchte der Mediziner keine Stellungnahme gegenüber unserer Zeitung abgeben, da es sich bei seinem Schritt „um eine persönliche Entscheidung“ handle, doch Karl Matthias Roth, Pressesprecher und Leiter der Abteilung Kommunikation der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, weiß um die Belange der niedergelassenen Ärzte: „Die Mediziner haben immer weniger Zeit für die eigentliche Behandlung und müssen sich zunehmend mit bürokratischen Arbeiten auseinandersetzen. Gerade seitens der Krankenkassen gibt es unendlich viele Formulare, die es auszufüllen gilt.“ Nach seinen Angaben nehmen diese Tätigkeiten nahezu ein Viertel des Arbeitsvolumens eines Hausarztes ein. Bei privatversicherten Patienten habe ein Arzt diesen Aufwand nicht.

Hinzu kommt: Ein Arzt verdient an Privatpatienten mehr als an Kassenpatienten. „Ein Drittel der Leistungen, die ein Mediziner erbringt, wird von den Krankenkassen gar nicht bezahlt“, so Roth. Seiner Meinung nach ist der immer schlechtere Verdienst der niedergelassenen Ärzte ein generelles Problem, das bei den Allgemeinmedizinern besonders sichtbar sei.

„Im Landkreis Darmstadt-Dieburg gilt es derzeit, 14 offene Hausarztstellen zu besetzten, nun kommt auch noch Eppertshausen hinzu“, sagt Roth. Doch stehen die Allgemeinmediziner wirklich finanziell so schlecht da? Glaubt man den Angaben von Focus money von Juli 2010, ist es um den Geldbeutel der Hausärzte nicht so übel bestellt: „Im Durchschnitt sind die Honorare von Hausärzten seit 2007 um rund 11,3 Prozent gestiegen. Gegenüber 2009 ergibt sich demnach ein Plus von 6,1 Prozent. Zum Vergleich: Die Bruttoeinkommen der Arbeitnehmer wuchsen in diesem Zeitraum um 1,2 Prozent.“

Auch Pressesprecher Roth meint, dass Geld alleine nicht der Abschreckungsgrund für junge Ärzte sei, sich als Hausarzt niederzulassen. Es mangele zudem an gesellschaftlicher Anerkennung und hagele von allen Seiten Kritik.

Für die Eppertshäuser Einwohner stellt sich aber ein ganz anderes Problem: Nur zehn Prozent der Versicherten sind im Schnitt Privatpatienten, so müssen nun in Eppertshausen schätzungsweise 5 400 Menschen von zwei Hausärzten versorgt werden, also 2 700 Patienten pro Arzt.

Der Schlüssel der kassenärztlichen Vereinigung sieht eine andere Verteilung vor: Pro 1 872 Einwohner sei ein Hausarzt vonnöten. Deshalb will sie auch die Stelle alsbald ausschreiben und zusätzlich die Patientenbegrenzung für die derzeit praktizierenden Ärzte aufheben.

Auch Bürgermeister Carsten Helfmann hat sich in die Problematik eingeschaltet und beruhigt: „Wir werden als Gemeinde natürlich alles für die Ansiedlung eines dritten kassenärztlichen Hausarztes tun. Es muss aber nicht zwingend sein, dass es jetzt zu einer Notlage in Eppertshausen kommt, denn im Frühjahr war urlaubs- und krankheitsbedingt zeitweise sogar nur eine Praxis geöffnet und es kam in dieser Zeit nicht zu Problemen.“ Dennoch werde er Gespräche mit den Ärzten, dem Landkreis und notfalls auch mit Sozialminister Stefan Grüttner führen. Er habe auch schon zu einer potenziellen Praxisvermieterin Kontakt aufgenommen. Zudem müsse abgeklärt werden, wie sich die Lage mittelfristig entwickele, denn für die beiden vorhandenen Arztpraxen könne sich in den nächsten Jahren ein Generationenwechsel anbahnen.

Wie sich die Situation ab Oktober in Eppertshausen darstellen wird, werden also vor allem jene merken, die es betrifft: Die Kassenpatienten, die sich einen neuen Hausarzt suchen und darauf hoffen müssen, dass sie trotz ungünstigem Verteilungsschlüssel auch noch einen freien Platz finden werden.

Quelle: op-online.de

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