Abwanderung der Kreativen

Hobbykünstler-Markt profitiert vom Aus in Münster

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35 Aussteller verzeichneten die Hobby-Künstler Eppertshausen am Wochenende bei ihrer Schau mit Verkauf in der Bürgerhalle.

Eppertshausen -  Die Ausstellung von Hobbykünstlern in der Bürgerhalle soll wegen des Jubiläums 2018 noch größer werden. Doch schon jetzt ist sicher: Die Aussteller profitieren vom Wegfall der Münsterer Kunstschau. Von Jens Dörr 

Seit 24 Jahren gibt es den Verein der Hobby-Künstler Eppertshausen, die einmal im Jahr zur großen Ausstellung mit Verkauf (einst in der TAV-Halle, inzwischen in der Bürgerhalle) einladen. Was heißt, dass der Verein 2018 sein 25-jähriges Bestehen feiert - und dafür Großes vorhat. Doch schon an diesem Wochenende erhielt die beliebte, aus Eppertshausens Veranstaltungskalender nicht mehr wegzudenkende Veranstaltung weiteren Schub. Dies hatte auch mit dem Aus für das ähnlich gelagerte Ereignis „Kunst in Münster“ (wir berichteten) zu tun. Drei neue Kreative, die sich erstmals in Eppertshausen mit einem Stand beteiligten und dies vor allem deshalb taten, weil sie diese Möglichkeit in Münster nicht mehr haben, verzeichnete Heidelinde Hennek, die Vorsitzende des gastgebenden Vereins.

Eine von ihnen war Sabine Janietz, die Modeschmuck wie Ketten oder Ohrschmuck mit Süßwasser-Perlen aus chinesischen Flüssen und teurere Stücke mit Tahiti-Perlen zeigte und verkaufte. „Weil es ,Kunst in Münster’ nicht mehr gibt, habe ich mich nun erstmals nach Eppertshausen orientiert“, berichtete sie am Wochenende. Das Ende der Veranstaltung in Münster bedaure sie sehr: „Wir waren 42 Aussteller, die einfach hinauskomplimentiert wurden. Wir hatten viele Anfragen, warum das ausgefallen ist. Die Aussage des Bürgermeisters, dass die Künstler unzufrieden mit dem Zuspruch waren, stimmt so nicht. Einmal war es etwas schlechter – aber auch da nicht so schlecht, wie es dargestellt wurde.“

Aus Münsters Rathaus, wo „Kunst in Münster“ vor allem aus finanziellen Gründen in der bisherigen Form nicht mehr unterstützt werden sollte, war dabei ein Vorschlag für die Verlegung der Schau ins Heimatmuseum an der Gersprenz gemacht worden. Der war aus Janietz’ Sicht aber indiskutabel, nicht nur wegen der in ihren Augen ungeeigneten Räumlichkeiten: „Dort hätten wir nicht die Möglichkeit haben sollen, unsere Kunst während der Ausstellung zu verkaufen.“ Das gehöre aber dazu, würde auch von den Besuchern so erwartet, sagte Janietz, die auch die Kunst des Edelsteinschleifens auch von Berufswegen her gelernt und perfektioniert hat.

Einige Meter weiter zu finden war am Samstag und Sonntag der Stand von Monika Böhm, die bereits zum zweiten Mal in Eppertshausen mitmachte und nach einer Pause im Vorjahr wieder mit ihren Patchworken-Arbeiten – Tiere, Kissen, kleine Taschen – zu Gast war. „Ich bin schon seit 40 Jahren bei der Fastnacht dabei“, sagte die Dieburgerin. „So habe ich viele Kostüme genäht.“ Vor einigen Jahren intensivierte sie die Patchwork-Kunst, nimmt jährlich an vier, fünf Märkten – etwa dem Dieburger Martinsmarkt und dem Babenhäuser Weihnachtsmarkt – teil. Die Sache sei ein bloßes Hobby, der Verkauf einiger Werke aber auch „Anerkennung“. An der Ausstellung in Eppertshausen gefalle ihr die „familiäre“ Atmosphäre, Austausch mit anderen Kreativen inklusive.

Weil ihr die Ausstellung der Hobby-Künstler zusage, sei sie nun auch in den Verein eingetreten, erzählte Böhm. Damit ist sie Nummer 23. Zwei, drei weitere hätten ebenfalls ihren Beitritt angekündigt, sagte Vorsitzende Hennek am Wochenende: „Wir wachsen.“ Nichtmitglieder müssten bei der Ausstellung nach drei Jahren pausieren, Mitglieder hätten hingegen ihre Teilnahme sicher. Am Samstag und Sonntag waren es derer 35, gleich zehn mehr als im Vorjahr, als aber auch drei Beschicker krankheitsbedingt hatten passen müssen. Deshalb nahmen die Hobby-Künstler diesmal auch das Foyer als Ausstellungsraum hinzu. Was 2018, anlässlich des 25-jährigen Vereinsbestehens, noch einmal andere Dimensionen erreichen soll: „Dann ist unsere Ausstellung noch größer geplant“, kündigte Hennek an. „Wir wollen dann auch den kleinen Saal noch hinzunehmen.“

Differenzen wie in Münster hätten die Hobby-Künstler in Eppertshausen mit dem Rathaus Hennek zufolge keine, im Gegenteil: Die Zusammenarbeit klappe gut, die Ausstellung sei weiterhin willkommen. Wie alle Eppertshäuser Vereine dürfen die organisierten Kreativen mit ihrer Schau die Bürgerhalle mietfrei beziehen, zahlen lediglich einen (mittleren zweistelligen) Beitrag für die Reinigung.

Quelle: op-online.de

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