Eppertshäuser Karateka im August in Tokio

Wael Shueb ist fit für Olympia

In der Kata (Formenlauf) der Männer tritt Wael Shueb am 5. und 6. August in Tokio an. Bei den Olympischen Spielen muss er wie alle ausländischen Sportler auf den eigenen Anhang verzichten.
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In der Kata (Formenlauf) der Männer tritt Wael Shueb am 5. und 6. August in Tokio an. Bei den Olympischen Spielen muss er wie alle ausländischen Sportler auf den eigenen Anhang verzichten.

Karateka Wael Shueb vom GKV Lotus Eppertshausen muss bei den Olympischen Spielen in Tokio vor leeren Rängen antreten – und sogar auf die Unterstützung seiner Freundin verzichten.

Eppertshausen – Der Ausschluss ausländischer Zuschauer bei den Olympischen Spielen in Tokio (23. Juli bis 8. August) ist nach der Verschiebung des Großereignisses von 2020 auf 2021 der nächste harte Corona-Schlag für die Sportler. „Olympia ohne Zuschauer hat uns alle getroffen“, sagt auch Wael Shueb. Der aus Syrien stammende Karateka vom GKV Lotus Eppertshausen, der als Teil des IOC-Flüchtlingsteams für die am 5. und 6. August geplante Kata (Formenlauf gegen imaginäre Gegner) der Männer qualifiziert ist, muss in Fernost sogar auf die Unterstützung seiner Freundin verzichten. Zugleich gibt es aber auch gute Neuigkeiten.

Wael Shueb: Vor Flucht Mitglied des syrischen Nationalteams

„Dass Olympia ohne ausländische Zuschauer stattfindet, ist traurig“, sagt Shueb sechs Jahre nach seiner Ankunft im Rhein-Main-Gebiet in fast perfektem Deutsch. Der 32-Jährige, vor seiner Flucht vor dem Bürgerkrieg Mitglied des syrischen Nationalteams, bedauert dies, „weil mich die Leute pushen und es einem noch mehr Motivation gibt, wenn sie dabei sind“. Ursprünglich wollte ihn nicht nur seine Freundin, mit der er in Urberach wohnt, ins Karate-Mutterland Japan begleiten: „Auch einige Leute aus dem Verein wollten hinfliegen“, sagt Shueb. Allen voran Ernes Erko Kalac, Vorsitzender des GKV Lotus Eppertshausen, bestens vernetzter Sportfunktionär und für Shueb von Beginn an ein Mentor.

Letzterer könnte vielleicht noch eine Akkreditierung ergattern, „ich muss warten, ob mich das IOC als Teil der Delegation des Flüchtlingsteams nominiert“, blickt Kalac voraus. Wenn es für ihn nicht klappt, weiß er seinen Schützling in Tokio dennoch gut betreut: Shuebs Trainer Mohammed Abu Wahib, dessen Dojo sich in Höchst (Odenwald) befindet, wird auf alle Fälle mit von der Partie sein. Zudem erhält Shueb reichlich Zeit zur Akklimatisierung und für den allerletzten Schliff: „Wael wird schon einen Monat vor seinem Wettkampf dort sein, um mit den japanischen Nationalteam zu trainieren.“

Eppertshäuser Karateka: Besser trainiert dank Corona-Pause

Überhaupt sei der Karateka „gut drauf“, hat Kalac beobachtet, „durch den Corona-Lockdown konnte er mehr trainieren und ist in eine supergute Form gekommen“. Auch der Sportler selbst, dem in finanzieller Hinsicht besonders der Groß-Zimmerner Unternehmer Maximilian Michael Prinz von Anhalt (Michael Killer) als Sponsor den teuren Olympia-Traum ermöglicht, gibt sich kämpferisch: „Es heißt jetzt, auch ohne die Unterstützung der Zuschauer durchzuhalten und durchzuziehen. Ich gebe mein Bestes!“

Die Rahmenbedingungen für die restliche Vorbereitungszeit haben sich für Wael Shueb im Übrigen verbessert. Im vergangenen Jahr schloss er seine Ausbildung zum Fitnesskaufmann – die ihm ebenfalls Michael Killer in seinem Eppertshäuser Sportstudio ermöglicht hatte – mit guten Noten ab. Und fand danach eine Anstellung: Der Eppertshäuser Gesundheits- und Kampfsportverein, in dem der Syrer schon vorher ehrenamtlich gecoacht hatte, verpflichtete ihn fest als Trainer.

Es freut mich, dass ich mein Hobby zum Beruf machen kann!

Wael Shueb

Dies hat der Verein nicht nur wegen Shuebs athletischen Fähigkeiten und seiner erfolgreichen Ausbildung beschlossen, sondern auch wegen der ausgeglichenen Art des Kampfkünstlers, der unter anderem bei den Kindern und Jugendlichen des Vereins gut ankommt. Dazu hat sich der mehrfach prämierte Eppertshäuser Verein ausdrücklich der Integration und Inklusion von Menschen aller gesellschaftlichen Gruppen verschrieben, denen Wael Shueb mit seiner persönlichen Aufsteigergeschichte als perfektes Vorbild mit „Stallgeruch“ dienen kann.

Was in Eppertshausen und speziell beim GKV Lotus los wäre, wenn aus dem längst integrierten Bürgerkriegs-Flüchtling in Tokio auch noch ein Medaillengewinner würde, kann sich jeder ausmalen. Für den Karateka fühlt sich schon der neue Job ein bisschen an wie Gold: „Es freut mich, dass ich mein Hobby zum Beruf machen kann!“ (Von Jens Dörr)

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