Nach einer betrügerischen Verschiebung

Truck-Verleiher sitzt auf einem Millionenschaden

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Schmerzliche Lücken verzeichnet Eppertshausens Lastwagen-Center in seinem Fuhrpark.

Eppertshausen - Ein Schaden von zwei Millionen Euro für unterschlagene Lkw ist dem Betrieb entstanden und die Versicherung verweigert jede Zahlung aufgrund korrekt abgewickelter Verträge: Blöd gelaufen ist das Geschäft eines Truck-Verleih-Unternehmens mit einem Logistikbetrieb. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Im Zeitraum Juli bis Oktober 2013 mietete die Merziger Firma insgesamt 16 Lkw-Zugmaschinen mit jeweils zugehörigem Kühlauflieger an und verschaffte diese – was an sich schon gegen die allgemeinen Geschäftsbedingungen verstieß – nach Kasachstan. Dort sind die teuren Renault Magnum und Iveco Stralis seitdem verschollen. Lediglich sieben Züge konnten über ihre Navigationssysteme sicher gestellt werden, die Rückführung in den Eppertshäuser Fuhrpark scheiterte jedoch bis heute an den schier unüberwindbaren bürokratischen Hürden in Zentralasien. Wegen schleppender Zahlungen der Mietkosten war der Eppertshäuser Unternehmer irgendwann misstrauisch geworden und erstattete am 18. November letzten Jahres Anzeige. Zu spät: Da hatten alle Maschinen bereits den europäischen Boden verlassen.

Seit gestern setzt sich die 15. Strafkammer des Landgerichts Darmstadt mit diesem besonders schweren Betrug auseinander. Auf der Anklagebank: Eugen S. (28), der deutsch-russische Geschäftsführer der Merziger Firma. Ebenso verschollen wie die Trucks ist der auf der Fahndungsliste stehende Firmeninhaber Karakan L.. Ihm schiebt S. nun die ganze Schuld in die Schuhe. Über seine Verteidigerin lässt er eine einstündige Erklärung verlesen, in der er seinen kurzen Werdegang bei der Logistikfirma ausführlich darlegt. Darin heißt es sinngemäß: „Ich hatte von Anfang an kein gutes Gefühl, als ich mich von L. als Geschäftsführer anwerben ließ. Ich kann ja nicht gut deutsch und hatte von meinen Aufgaben als Chef nicht die geringste Ahnung. Trotzdem willigte ich ein, weil meine Frau das zweite Kind erwartete und wir dringend ein vernünftiges Einkommen brauchten!“

Bis dahin hatte der 2000 aus Omsk nach Schwarmstedt in Niedersachsen eingewanderte ungelernte junge Mann von verschiedenen Zeitarbeitsjobs als Pizzafahrer, Paketzusteller und zuletzt als Staplerfahrer gelebt. Unterhaltsschulden für zwei Kinder aus einer früheren Beziehung nahmen zu, und er wollte seine neue Familie allein versorgen können. Doch so naiv und unbedarft wie er dem Gericht weismachen will, scheint S. wohl nicht zu sein. In Zusammenhang mit zwei Diebstahl- und Einbruchsdelikten wurde in jüngerer Zeit sein Name bei der Polizei registriert. Ein Verfahren läuft auch gegen Vermittler M. aus Eppertshausen, der den Kontakt der Logistikfirma mit der Truck-Vermietung herstellte. Er soll noch als Zeuge aussagen. „M. ist uns aus solchen Verfahren einschlägig bekannt.“ so der Darmstädter Polizist B., der an den Hausdurchsuchungen in Merzig beteiligt war. B.: „Das Büro wirkte eher wie eine Scheinadresse.“ Für den Prozess sind zunächst fünf Verhandlungstage geplant.

Quelle: op-online.de

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