Katharina Euler legt deutschlandweit beste Theorieprüfung ab

Hörakustikerin mit bester Perspektive

Katharina Euler bei der Arbeit mit einem Injektor zum Nehmen von Abdrücken des Gehörgangs und der Gehörmuschel – an einer besonderen Kundin: Auch ihre Mutter Dagmar Euler hat Hörakustik Beier in Urberach schon aufgesucht. -  Foto: Dörr

Eppertshausen - Intelligent, lernwillig, fleißig, zuverlässig und sympathisch: Mehr als jenes Paket, mit dem Katharina Euler ihre Chefin begeistert hat, kann ein junger Mensch kaum in seine Ausbildung einbringen. Von Jens Dörr 

Die Eppertshäuserin legte kürzlich die bundesweit beste Theorieprüfung ab. „Katharina ist ein Segen“, sagt Andrea Beier, Inhaberin von Hörakustik Beier in Urberach. Seit zehn Jahren bildet Beiers Fachgeschäft aus, doch zum ersten Mal zog mit Euler ein Azubi die dreijährige Herausforderung auch bis zum Ende durch. Mehr noch: Die 20-jährige Eppertshäuserin schloss überragend ab. Unter den 900 Auszubildenden aus ganz Deutschland absolvierte sie die beste Theorieprüfung des vergangenen Jahrgangs. Lohn sind ein unbefristeter Vertrag und glänzende berufliche Perspektiven.

„Gute Lehrlinge, die mit Spaß bei der Sache sind, sind schwer zu finden“, sagt Beier aus eigener und mitunter leidvoller Erfahrung. Bei Euler, die parallel zu ihrem Abitur bereits ein freiwilliges Praktikum im Geschäft gemacht habe, sei es hingegen „Liebe auf den ersten Blick“ gewesen, wie sie lächelnd erzählt. Man müsse einfach konstatieren: In der Hörakustik könne nicht jeder arbeiten. „Da ist viel Sozialkompetenz gefragt, auch Geduld, und der Wille, oft mit alten Menschen umzugehen.“ Von den fachlichen Voraussetzungen erst gar nicht im Detail anzufangen. Nur so viel: Englisch, Physik, Chemie, Mathe, Kenntnisse auch in Anatomie – all das werde in der Ausbildung ebenfalls gefordert. Wobei Euler als Abiturientin, die einst sogar die dritte Klasse übersprungen hatte, schon eine breitere Wissensbasis als andere Lehrlinge mitgebracht habe, wie Beier meint. „Für einen 16-Jährigen mit Realschulabschluss sind die Herausforderungen sehr hoch“, weiß sie.

Für Euler sollte sich die Theorie nicht als zu hoch erweisen, auch wegen ihres Wissensdurstes: „Es gab keine von mir vorgeschlagene Fortbildungsmaßnahme, die sie ausgeschlagen hat“, lobt Beier die weit überdurchschnittliche Motivation für ihre Ausbildung und ihren künftigen Beruf, den die Eppertshäuserin (deren Eltern Dagmar und Klemens Euler, Vorsitzender des Eine-Welt-Vereins, in der Gemeinde ebenfalls recht bekannt sind) an den Tag gelegt habe. Die acht Blöcke à vier Wochen in der Fachschule in Lübeck meisterte die 20-Jährige dann auch bestens, holte in der Prüfung mit 91,5 Prozent ein Resultat heraus, wie es sieben Jahre lang niemand mehr erzielt habe.

Nun darf sie sich Hörakustikerin nennen, was früher „Hörgeräteakustikerin“ hieß. Die neue Bezeichnung findet Geschäftsinhaberin Beier sinnvoll: „Wir verkaufen ja keine Geräte, sondern Systeme.“ Ihre außergewöhnlich talentierte und engagierte Mitarbeiterin („Zusammen mit unserer dritten Mitarbeiterin Simone Beckert herrscht bei uns absolute Frauenpower“) belohnte Beier dann auch prompt: Sie übernahm Euler nach dem Ende ihrer Ausbildung nicht „nur“ in ihren Betrieb, sondern tat dies gleich mit einem unbefristeten Vertrag. „Normal ist erst einmal eine Befristung“, stellt die Unternehmerin heraus. Doch mit Katharina Euler sei sie fachlich und menschlich derart einverstanden, dass sie sogar noch weitergehe: Beier habe der Eppertshäuserin die Perspektive aufgezeigt, nach einer längeren Praxisphase wie sie selbst Meisterin des Fachs zu werden – und die anfallenden Kosten in Höhe von 15 000 Euro über ihr Geschäft zu übernehmen.

Das drückt dann zugleich auch das Vertrauen in die Zukunft der eigenen Branche aus. „Es gibt keine arbeitslosen Hörakustiker“, sagt Beier frei heraus. Aufgrund des demografischen Wandels wachse der Kundenstamm ständig. Derzeit nutzen laut „Fördergemeinschaft Gutes Hören“ in Deutschland bereits 3,5 Millionen Menschen Hörsysteme, Tendenz steigend. Zu Beier, Beckert und Euler kämen meist „Menschen ab 50, die merken, dass sie Probleme haben“. Vorangegangen sei oft „Ärger auf der heimischen Couch“, weil das TV-Gerät zu laut laufe. Auch Tinnitus-Patienten suchten Hörakustiker auf, viele Leute schicke zudem der Hals-Nasen-Ohren-Arzt, wohin mancher bei Schwierigkeiten zuerst gehe.

Wie werde ich Hörakustiker/in?

Katharina Euler betreut diese Menschen dann wie ihre erfahrenen Kolleginnen, von denen sie sich weiterhin einiges abschauen will. „Der Beruf ist sehr vielseitig“, erläutert die frisch gebackene Hörakustikerin.

„Ganz wichtig ist die individuelle Kundenberatung. An das erste Gespräch schließt sich oft ein Hörtest an, später womöglich auch die Abdrucknahme zur Fertigung individueller Ohrstücke.“ Bei den späteren Systemen seien auffällige Geräte wie früher passé, manchem falle gar nicht mehr auf, dass sein Gegenüber eine Hilfe zum Hören verwende.

Ganz wichtig sei: „Der Kunde muss viel mitarbeiten, damit wir mit ihm sein Hören verbessern können.“ Mit Hörsystemen lasse sich das akustische Wahrnehmen wieder darstellen und damit auch vermeiden, dass eine allzu weit fortgeschrittene Hörminderung auch andere Fähigkeiten wie das kreative Denken oder die Entscheidungsfähigkeit beeinflusse. Was Andrea Beier derweil ganz wichtig zu sagen ist: „Hören ist eine Sache des Kurzzeitgedächtnisses, und das lässt mit dem Alter nach. Je länger man bei Problemen mit dem Hören wartet, desto schwieriger ist es, es wieder herzustellen.“ Unter dem Verweis auf Studien stellt die Meisterin gar heraus: „Wer hörgeschädigt ist und nichts dagegen tut, wird tendenziell früher dement.“

Daran zu arbeiten, dass auch diese zusätzlichen Beeinträchtigungen seltener werden, ist künftig noch stärker als während der Ausbildungszeit die Aufgabe auch von Katharina Euler. Die berufliche Aufgabe, sollte man einschränken. Denn bei allem Herzblut für den Job gibt es auch für sie noch ein Privatleben. Dann fertigt sie aus Perlen tierische Kunstwerke, bringt sich als Jugendleiterin in den OWK ein, spielt dort im Mandolinenorchester und tanzt in der Volkstanz-Gruppe.

Quelle: op-online.de

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