Urnenbestattung

Am Ende mit der Natur vereint

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Bürgermeister Carsten Helfmann (l.) bespricht mit Fachbereichsleiter Jürgen Geist noch letzte Einzelheiten in der Abteiruhe.

Eppertshausen - Die letzte Stätte muss nicht immer prunkvoll sein. In der Abteiruhe werden Verstorbene mitten im Wald beerdigt. Von Corinna Hiss 

Friedlich ist es im Wald. Von Ferne ist ganz leise das Rauschen der Autos auf der Landstraße zu hören, Vögel zwitschern hoch oben im Geäst der altehrwürdigen Buchen, sonst herrscht Stille. Das Laub, bereits braun und trocken, raschelt bei jedem Schritt. Dort, inmitten von Natur, kann ab sofort die letzte Ruhestätte der Eppertshäuser sein. „Vergangene Woche kam die Genehmigung der Naturschutzbehörde“, berichtet Jürgen Geist, Leiter des Fachbereichs drei für Bau und Umwelt der Gemeinde, auf Anfrage unserer Zeitung. Bereits am Haupteingang des Waldfriedhofs weist ein Wegweiser auf die neue Abteiruhe hin, bei der ab sofort Urnenbestattungen vorgenommen werden können. Anders als bei einem Grab auf dem Friedhof steht dort alles im Zeichen der Unberührtheit: Es gibt keinen Stein, keine Kränze oder Kerzen. Einzig eine Plakette in Form eines Buchenblattes gibt Hinweise darauf, dass neben dem Baum ein Verstorbener seinen Platz gefunden hat.

Kosten für Grabpflege fallen weg

„Mit der Abteiruhe liegen wir im Trend heutiger Beerdigungsverfahren“, sagt Bürgermeister Carsten Helfmann. Der Kult um den toten Körper sei nicht mehr so groß wie früher einmal. Lieber wollten die Angehörigen oder die Verstorbenen selbst eine Urnenbestattung. Bis jetzt gab es dafür zwei Möglichkeiten: entweder klassisch im Grab oder an der Urnenwand zusammen mit vielen anderen. Durch die Abteiruhe ist nun eine dritte Möglichkeit dazugekommen, die wesentlich günstiger ist.

„Grabpflege bedeutet, dass viel Geld ausgegeben werden muss“, resümiert Geist. Die Anschaffungskosten sind in der Abteiruhe zwar mehr oder weniger identisch mit denen einer traditionellen Urnenbestattung – schließlich muss auch hier rund 80 Zentimeter tief gegraben werden. Über die Jahre hinweg fällt aber der finanzielle und reelle Aufwand für die Pflege weg. Grabschmuck ist unerwünscht, alles soll naturbelassen sein.

Rund 6500 Quadratmeter groß ist das Areal, in dem künftig Angehörige einen Ort zum Trauern und Festhalten finden. Ursprünglich war angedacht, die naturnahe Bestattung auf dem vorhandenen Gelände hinter den Gräbern zu ermöglichen. „Die Bäume stehen dort aber zu dicht und hätten gefällt und in größeren Abständen neu gepflanzt werden müssen“, erläutert Geist. Abgesehen von den hohen Kosten um die 120.000 Euro wurde diese Möglichkeit schnell verworfen. „Die Abteiruhe soll dort sein, wo alte Bäume eine gewisse Würde ausstrahlen“, findet Helfmann. Die Alternative stellte sich also als die bessere Lösung dar: Etwa 100 Meter vom Friedhof entfernt stehen alte Buchen, die hoch in den Himmel ragen. Ihr Abstand ist groß genug, um dazwischen Urnen zu begraben, ohne zu fällen.

Platz für über 900 Urnen

Damit die Angehörigen mühelos zur Ruhestätte kommen, wurde ein breiter, geschotterter Weg angelegt. Die Natur unberührt lassen – das war immer oberstes Gebot. So wurde die Fläche von der Werkstatt für Behindertenhilfe Dieburg mit Holz eingezäunt. Die Kosten haben sich so nur auf rund 63.000 Euro belaufen.

39 Buchen stehen in der Abteiruhe, an jeder können in zwei Ringen rund herum jeweils zwölf Urnen bestattet werden. Die Trauernden müssen sich die Bäume also immer mit anderen Angehörigen teilen, aber das ist auch der Gemeinschaftsgedanke bei dieser Bestattungsart.

Einige haben sich schon einen Platz gesichert, sogar aus der Nachbarkommune gibt es Interessenten. Platzmangel wird aber nicht aufkommen, schließlich ist in der Abteiruhe Raum für über 900 Urnen. Im Moment aber sind Vögel und Kleingetier noch die einzigen Lebewesen, die in der Waldidylle hausen.

Quelle: op-online.de

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