Zwei Jungstörche mit Identitätsnachweisen am jeweils linken Bein versehen

Bei der Beringung in Totenstarre

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Klaus Hillerich beim Beringen von Jungstörchen in Münster. Er versieht diese Arbeit schon seit weit über 50 Jahren.

Eppertshausen - Die Gemeinde, die den Storch im Wappen trägt, musste lange Zeit ohne echten Adebar-Besuch auskommen. Seit einigen Jahren jedoch nutzt ein Brutpaar die vom Odenwaldklub spendierte Nisthilfe im Biotop vor den Toren der Gemeinde.

Dort wurde der Nachwuchs jetzt beringt. Das Biotop „In den Stöcken“ ist etwa ein Hektar groß. Angelegt hatte es 1994 die Naturschutzgruppe des Odenwaldklubs Eppertshausen, der dem Areal gen Münster 2003 einen Mast mit einer Storchennisthilfe setzte. Doch dauerte es weitere zehn Jahre, bis der Mast auch von den Störchen angenommen wurde. Nilgänse machten es den Ankömmlingen nicht leicht. Das aggressive Federvieh aus Afrika pocht vor allem während der Brutzeit auf viel eigenen Platz.

Das erste Storchenpaar, das sich seit langen Zeiten wieder mal in Eppertshausen niederließ, zog 2013 drei Jungstörche auf. 2014 wurde dieses Paar von anderen Störche vertrieben und ein neues, laut klapperndes Brutpaar zog auf dem Horst zwei Jungstörche auf. Diese Eltern zogen bisher inklusive 2017 insgesamt acht Jungstörche im Horst groß.

Diese beiden Adebar-Jungvögel sind Eppertshausens ganzer Stolz. Sie tragen jetzt beide Ringe mit ihren Herkunftsdaten.

Jetzt sollten drei prächtig entwickelte Jungstörche zur Beringung im Biotop „In den Stöcken“ anstehen. Ein Termin war bereits vereinbart, da verstarb am 24. Mai noch ein Jungvogel im Nest. „Der Kadaver lag zwei Tage am Rand des Horstes“, wissen die Naturbeobachter zu berichten, „und war dann nicht mehr zu sehen“. Ein Grund für das Ableben konnte nicht gefunden werden. Auch die Suche nach dem toten Küken erfolglos. Vermutlich haben sich Aasfresser wie der Fuchs oder ein Greifvogel die leichte Beute geholt. So waren nur noch zwei Jungstörche zu beringen.

Frühmorgens um 8 Uhr trafen Klaus Hillerich – als ehrenamtlicher Beringer der Vogelwarte Helgoland versieht der 74-Jährige diesen Job seit bald 60 Jahren – und Wolfgang Kleinheinz, Nabu-Mann und Storchenexperte aus Münster sowie Fahrer des Hubfahrzeuges mit Arbeitskorb, am Radweg Eppertshausen-Münster auf Höhe des Biotopes ein. Als die kleine Gruppe mit dem Fahrzeug in die Nähe des Storchenmastes kam, erhob sich ein Elternstorch, der mit den beiden Jungvögeln bisher dem Treiben vom Horst aus zugesehen hatte, in die Luft und beobachtete das weitere Geschehen aus luftiger Höhe und sicherem Abstand.

Adebars Nachwuchs im Nest stellte sich instinktiv tot. Dieses Verhalten nennt man Akinese und die hält bei jungen Störchen die ersten sechs Lebenswochen an. Da lagen sie also im Horst „wie geschossen“ und rührten sich nicht mehr. Jetzt konnte der Beringer aus dem Arbeitskorb heraus den ersten Vogel greifen und ihm sein zukünftiges Kennzeichen, einen schwarzen Kunststoffring mit weißer Buchstaben- und Zahlenkombination am linken Bein anlegen. Da der Ring noch offen ist und damit der Storch ihn nicht verliert, wird er schließlich untrennbar durch einen Klickverschluss mit dem Storch verbunden. Das tut dem Tier nicht weh und behindert ihn auch nicht. Das linke Stelzbein ist der Jahreszahl geschuldet: In ungeraden Jahren werden die Jungstörche links beringt, in geraden rechts.

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Nachdem die Prozedur beim ersten Jung-Adebar beendet war, wurde der zweite Storch mit seiner neuen Identität versehen. Zwischenzeitlich überflog der Elternstorch immer wieder den Horst in sicherer Höhe.

Nachdem sich der Hubwagen wieder entfernt hatte, kehrte der Altstorch umfliegend auf seinen Horst zurück und gab Entwarnung für die Familie. Schnell waren auch die frisch Beringten wieder aktiv und putzmunter.

Der Beringer meldet der zuständigen Vogelwarte nun die Ringnummer, Ortsdaten und das Geburtsjahr der derart geschmückten Störche. Diese Informationen wandern in eine Datenbank. Bei zukünftigen Ablesungen und Meldung an die Vogelwarte können so der augenblickliche Standort der Ablesung, Alter und Geburtsort des Storches ermittelt werden, es entsteht eine Art Lebenslauf des katalogisierten Neu-Adebars.

Schon in ein paar Tagen, Mitte Juni, werden die Jungstörche flügge und können ihren ersten Ausflug in die Umgebung machen, sofern sie gesund bleiben, was die Naturschützer des Odenwaldklubs und alle Storchenfreunde hoffen. (tm)

Quelle: op-online.de

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