106 Teilnehmer jagen Prämierungen

Auf dem Weg zum Boxer-Champion

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Wertungsrichter Roland Bebber begutachtet einen Boxer-Kopf.

Eppertshausen - Brust, Beine, Ohren, Zähne – bei der Spezial-Rassehunde-Ausstellung des Boxer-Klubs Dieburg-Eppertshausen schauten sich die Preisrichter den Körperbau der Hunde ganz genau an. Von Michael Just 

Obwohl auch einige Teilnehmer aus dem Ausland angereist waren, gehörten gleich mehrere Vereinsmitglieder zu den Bestplatzierten. Wenn Roland Bebber von einem „Gebäude“ redet, ist kein Haus gemeint. Vielmehr geht es um den Körperbau von Boxern, die im Idealfall von „quadratischer Statur“ sind. Der 67-Jährige legte den weiten Weg von Bitterfeld nach Eppertshausen zurück, um bei der Spezial-Rassehunde-Ausstellung des Boxer-Klubs Dieburg-Eppertshausen als Wertungsrichter zu fungieren. Während er die Rüden beurteilte, übernahm dies bei den Hündinnen Beate Spelsberg aus Lüdenscheid.

„Die Rassehunde-Ausstellung haben wir alle zwei Jahre“, berichtete Vereinsvorsitzende Barbara Allmann. Dabei rückt ausschließlich die Schönheit der Tiere in den Vordergrund. Positiv bewertet werden unter anderem eine tiefe Brust, gut gewinkelte Beine, wohlgeformte Ohren und schöne Zähne, das heißt keinen Überbiss.

Die Veranstaltung zog Teilnehmer aus ganz Deutschland und sogar den Nachbarländern – darunter Frankreich, Luxemburg oder Österreich – an. Der Teilnehmer mit dem weitesten Weg kam aus Portugal. Das hängt vor allem damit zusammen, dass es diverse Prämierungen – im Fachjargon „Anwaltschaften“ – benötigt, um eine finale Auszeichnung als „Champion“ zu erhalten. Auf der Jagd nach diesem Zertifikat reisen viele Hundebesitzer von Ausstellung zu Ausstellung. In Eppertshausen lagen insgesamt 106 Anmeldungen vor. Gestartet wurde in mehreren Klassen, die in Geschlecht, Alter und Farbe unterteilt waren.

Wie es für Rassehunde üblich ist, traten Vierbeiner mit äußerst ungewöhnlichen Namen an. Darunter befanden sich Picasso von der Goldstadt, Amboss von Rhönsturm, Xenon vom Eulenhorst oder Vicky von der Erlenweide. Die Namen haben stets eine doppelte Bedeutung: Am Anfangsbuchstaben der Vornamen lässt sich die Zahl der Würfe erkennen, die ein Züchter bereits vorweist. Fangen die Welpennamen mit „A“ an, ist es der erste Wurf. Beim 24. Wurf beginnen zum Beispiel alle mit „X“, was dann, etwa mit Xenon, richtig viel Fantasie bedarf. Nach dem „von“ folgt der Zwingername des Züchters.

Bei „Noodles Bencaryan“ rührt der Name von einem anderen, nicht minder interessanten Hintergrund. „Er stammt aus einem GangsterFilm mit Al Pacino“, wie Besitzer Fernand Stoltz erklärte. Allerdings sei „Noodles“ zu schwach als Rufname, weshalb man sich für „Maddox“ entschieden hat. Gerade einmal neun Monate alt, startete der Vierbeiner in der Jugendklasse „Rüden gelb“. Sein Herrchen kommt aus Luxemburg. Laut Stoltz sind Boxer-Ausstellungen in dem Benelux-Staat nicht verbreitet. Deshalb mache man sich bis zu sechs Mal im Jahr nach Deutschland auf. Insgesamt besitzt er drei Boxer, darunter auch die Mutter von Maddox. Der Vater stammt von einem Züchter in Paris. Dessen Einsatz beim Decken schlug mit 500 Euro zu Buche.

Huhn, Katze und Co.: Tiere als Co-Therapeuten

Momentan zählt der Boxer-Club Dieburg-Eppertshausen rund 90 Mitglieder. „30 kommen wöchentlich aufs Gelände. Viele sind jung und überaus engagiert“, weiß Vorsitzende Allmann. „Zur Zeit sind wir eine echt schöne Clique. Alles ist so, wie es bei einem kleinen Verein sein soll“, ergänzte die Dieburgerin. Für die Ausstellung waren rund 20 Helfer auf dem Hundeplatz neben dem Park 45 im Einsatz.

Am Ende des Tages ging von den Teilnehmern ein dickes Lob an die Ausrichter. Zudem gehörten mehrere Vereinsmitglieder zu den Bestplatzierten, darunter Frank Windischmann. Der 51-Jährige stellte zwei Hunde aus: Mit Attila von der Katzenhecke präsentierte er in der Altersklasse „Veteranen“ einen zehnjährigen Rüden. Auf dem einjährigen Zentagon von Donnerschwee ruhen die Hoffnungen für die Zukunft. Ob es Zentagon irgendwann zum Champion schafft, wird sich zeigen. Diesbezüglich kann sich Preisrichter Bebber, der seit 40 Jahren Boxer züchtet, beruhigt zurücklehnen: Unter seinen vier Hunden zuhause befindet sich der Europa-Sieger von 2016.

Quelle: op-online.de

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