Nicht nur wegen demografischem Wandel...

Nur ein einziger will Bäcker werden: Darmstadt-Dieburg fehlt Nachwuchs    

Ein eingespieltes Team (Gesellin, Azubi, Bäckerei-Helferin) knetet und rollt Teig für Brot-Spezialitäten; Meister Jürgen Kreher (hinten) schaut zu, Landrat Klaus Peter Schellhaas (rechts) unterstützt, soweit es ihm möglich ist. Foto: Panknin

Von immer mehr Ortschaften wird berichtet, dass der letzte Bäcker oder der letzte Metzger seinen Laden endgültig schließt. Als Grund dafür wird oft genannt, es gäbe keinen Nachwuchs für Handwerksberufe. 

Eppertshausen - Um sich ein besseres Bild von den Gegebenheiten in handwerklichen Betrieben zu machen, hatte Landrat Klaus Peter Schellhaas anlässlich eines zufälligen Treffens bei einer Veranstaltung in Altheim – dort gibt es weder Bäcker noch Metzger – mit Bäckermeister Jürgen Kreher, der sein Geschäft im benachbarten Eppertshausen betreibt, einen Besuch in dessen Backstube verabredet.

Darmstadt-Dieburg: Nur einer will Bäcker werden

Zu nachtschlafender Zeit um 2.30 Uhr, traf der Landrat kürzlich in der Backstube ein. Kein PR-Gag, um zu beweisen, dass auch ein beamteter Verwaltungschef früh aufstehen kann, sondern Informationsbeschaffung aus erster Hand vor Ort. Selbst wenn er, nach eigenen Worten „öfter im Weg stand als produktiv tätig zu sein“ griff Schellhaas durchaus zu, wenn es ums Abwiegen von Brotteig oder das Einritzen der Laibe vor dem Backen ging.

In erster Linie nutzte er seine Zeit in der Backstube und später auch im Verkaufsraum, um selbst Eindrücke vom Handwerk und den damit bei der Ausübung desselben verbundenen Probleme zu gewinnen. Die Kunden haben einen hohen Anspruch an Lebensmittel und erwarten erstklassige Qualität beim Kauf, aber zahlen wollen die meisten so wenig wie möglich. 

Dass Qualität aber ihren Preis hat, wird oft ebenso ignoriert wie die Tatsache, dass zur Produktion solcher Waren auch eine gute Ausbildung benötigt wird. Nach Abitur und wissenschaftlich orientiertem Studium kann man vielleicht gut begründet erklären, was ein gutes Brot ausmacht – man kann es deswegen aber noch lange nicht gut selbst backen.

Bäcker und Metzger: Viele Schließungen 

An qualifizierten Fachkräften fehlt es aber mehr und mehr, nicht nur durch demografischen Wandel verursacht. Im Ausbildungsjahrgang 2019/2020 starten aus den Landkreisen Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau und der Stadt Darmstadt zusammen genommen lediglich ein einziger Auszubildender Bäcker und fünf Bäckerei-Fachverkäuferinnen ihren Ausbildungsweg. 

Einmal geschlossene Betriebe können auch nicht so ohne Weiteres neu eröffnet werden. Auch in Mühlheim hat vor Kurzem eine Bäckerei geschlossen. Neben hohen Investitionskosten bei einer Neueröffnung sind auch behördliche Auflagen zu beachten, von denen unsere Eltern oder Großeltern verschont geblieben sind.

Landrat Klaus Peter Schellhaas gelangte zu dem Schluss, dass für das Bäckerhandwerk – und andere Handwerke selbstverständlich auch – mehr geworben werden müsse. Auf Kreisebene kann dies durch partnerschaftliche Zusammenarbeit von Handwerk und Schulen geschehen, auf kommunaler Ebene durch weitere Verbesserungen in dem Zusammenwirken von Ämtern und Betrieben.  Von Peter Panknin

 

Quelle: op-online.de

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