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Kita St. Sebastian: Gerlinde Ries-Schemainda in Ruhestand verabschiedet

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Kita-Leiterin Gerlinde Ries-Schemainda (Zweite von links) ist von Pfarrgemeinderatsmitglied Michael Roth (links) sowie Pfarrer Harald Christian Röper verabschiedet worden. Ihre Nachfolgerin ist ihre bisherige Stellvertreterin: Veronique Braun

Mit dem deutschen Kita-Preis erreichte der Kindergarten St. Sebastian vor wenigen Wochen Bekanntheit in ganz Deutschland. Über Tage waren das Team und seine Schützlinge von Zeitungen, Radio und TV gefragt.

Eppertshausen – Für Leiterin Gerlinde Ries-Schemainda gab es unzählige Einladungen und Gelegenheiten, den Titel zu feiern, was sich manchmal auch als anstrengend offenbarte. Fortan wird die Zeit für die 63-Jährige ruhiger, denn nun wartet der Ruhestand.

Dafür standen einen Tag lang gleich mehrere Termine an: Morgens kamen die Kinder zu ihrem Recht, am Nachmittag wurde im Kreis der Erzieher „Ade“ gesagt und auf den neuen Lebensabschnitt angestoßen. Darauf folgte noch ein offizieller Teil, bei der die scheidende Leiterin, neben dem Dank des katholischen Trägers auch jenen von der Gemeinde erhielt. Erster Beigeordneter Lutz Murmann trat in Vertretung von Bürgermeister Carsten Helfmann auf.

Ries-Schemainda blickt auf sage und schreibe 41 Jahre im Kindergarten St. Sebastian. Die Münsterin machte ihre Ausbildung zur Erzieherin von 1972 bis 1974 an der katholischen Fachschule für Sozialpädagogik „Schwestern der Göttlichen Vorsehung“ in Oberursel. Das Berufspraktikum fand zwei Jahre in einem Kindergarten in Nieder-Roden statt. Am 1. August 1975 schloss sich die erste Anstellung als Erzieherin in der Gemeinde-Kita „Im Rüssel“ in Münster an. Schon gleich war sie stellvertretende Leiterin. Zum 1. März 1978 wurde nach Eppertshausen gewechselt. Nach Vermittlung des Dieburger Pfarrers Manfred Gärtner sprach sie damals dessen Eppertshäuser Kollege Harald Christian Röper direkt an, ob die Leitung von St. Sebastian nicht eine Perspektive wäre. Die beiden Herren hatten damals schnell erkannt, welches Potenzial in der jungen Erzieherin steckt. Ries-Schemainda sagte zu.

Im August 1992 fand in der Kurt-Schumacher-Straße eine bedeutende Veränderung mit dem Wandel zur Tageseinrichtung statt. Fortan wurden 20 Ganztagskinder betreut. Für den Erfolg 2019, sich beste Kita Deutschlands nennen zu dürfen, wurden die Wurzeln schon früh gelegt: Von 2000 bis 2003 war St. Sebastian eine von 17 Modelleinrichtungen im Teilprojekt „Qualität im Situationsansatz“, das als Qualitätsinitiative vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) beauftragt wurde. Nach Ablauf blieb man Modelleinrichtung: Von 2004 bis 2009 schloss sich das Evaluieren von Bildungs- und Lerngeschichten an. Dahinter stand ebenfalls das BMFSFJ. Hier galt es, Bildungsprozesse in früher Kindheit zu beobachten, zu dokumentieren und zu unterstützen. Ab August 2006 nahm St. Sebastian zum ersten Mal zweijährige Kindern auf. Für diese entstand 2008 ein Krippenhaus. Wurde zunächst noch gemischt betreut, lag ab 2013 ein komplett selbstständiger Bereich mit zwei Gruppen à zehn Kindern im Alter von elf Monaten bis drei Jahren vor.

Im August 2018 wurde die Bewerbung für den Deutschen Kita-Preis 2019 abgeschickt und jetzt mit dem Titel gekrönt.

Gerlinde Ries-Schemainda verfolgte von Anfang an die Pädagogik des „Situationsansatz“ und entwickelte das Konzept in der Praxis mit ihren Kolleginnen kontinuierlich weiter. Dass sie auf diesem Gebiet Expertin ist, belegen neben den absolvierten Fortbildungen auch eine ganze Reihe von Veröffentlichungen in diversen Fachzeitschriften. 2007 gab sie ihr erstes Buch zum Thema heraus. Der Leitfaden für Erzieherinnen beschäftigt sich damit, wie diese erkunden können was Kinder wissen, was sie lernen wollen und welches Lebensthema sie bewegt. Mit einer Fortbildungskollegin aus Hainburg entstanden zusammen vier weitere Bücher. Seit 15 Jahren ist Ries-Schemainda Mitglied des Praxisbeirates der Fachschule für Sozialpädagogik in Dieburg, 2016 wurde sie in den Redaktionsbeirat der katholischen Fachzeitschrift „WdK - Welt des Kindes“ mit Sitz in Freiburg berufen.

Mit dem Eintritt in den Ruhestand blickt die 63-Jährige auf ein Berufsleben, in dem sich im Erziehungsbereich viel bewegt hat und in dem sie selbst viel bewegte. Ihre Nachfolgerin heißt Veronique Braun. Ab 1. August übernimmt sie offiziell die Leitung. Bisher war Braun stellvertretende Leiterin. Jene Aufgabe kommt nun Vanessa Griesling zu. Beide kommen aus dem bestehenden Team und sind mit den Konzepten und Abläufen der Kita bestens vertraut.

Der Abschied war nicht von großer Traurigkeit geprägt, was auch nicht zu Ries-Schemainda gepasst hätte. Stattdessen überwog die Freude auf einen neuen Lebensabschnitt Ohnehin bleibt sie dem Thema als freie Dozentin für Fort- und Weiterbildung verbunden. „Ansonsten verbringe ich mehr Zeit mit meiner Familie, werde reisen, nach langer Zeit mal wieder Stricken und mich mit Freundinnen treffen. Das kam bisher alles zu kurz“, sagt sie.

VON MICHAEL JUST

Quelle: op-online.de

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