Germania-Konzert „Let’s sing together“

Über die Musik verbunden

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Die Jugendtanzgruppe der griechischen Gemeinde Offenbach führte alte Tänze aus dem Mittelmeerraum auf.

Eppertshausen - Die kleinen, bunt gemischten Nationalfahnen auf den Tischen spiegelten bereits beim Betreten der Bürgerhalle die Intention des Abends wieder: Über die Musik können sich alle Menschen dieser Welt, egal welcher Herkunft, verbinden. Von Michael Just 

Die Sänger der Germania traten mit ihrem Konzert für die Völkerverständigung ein.

Die Idee für das Konzert, das mit internationalen Volksliedern begeistern sollte, rührt nicht zuletzt von der momentanen Situation in Deutschland. „Ich verstehe unter Integration, auf Leute zuzugehen und gemeinsam etwas zu machen“, hob Hans Dieter Müller, Chorleiter der Germania, hervor. Dem kam er nach: Als weitere Mitwirkende traten das Darmstädter Saz-Orchester und die Jugendtanzgruppe der griechischen Gemeinde Offenbach auf. Dem Saz-Orchester gehören türkische Musiker und Sänger an, die mit ihren Stimmen und Instrumenten die musikalischen Traditionen rund um den Bosporus pflegen. Gleiches gilt für die griechische Jugendtanzgruppe aus Offenbach: Ihre Tänze sind mehrere Jahrhunderte alt. Dass auf der Bühne getanzt wird, hatten nicht alle Besucher erwartet. Für Müller kein Problem: „Für mich besteht Musik schon immer aus drei Komponenten: Das sind neben dem Instrumentalbereich noch Gesang und Tanz“, sagt der Musikdirektor, der seinen Titel vom Fachverband Deutscher Berufschorleiter verliehen bekam.

Den Abend eröffnete der Männerchor der Germania sinnbildlich für das von ihm vertretene Eine-Welt-Motto: In der Zulu-Sprache wurden zwei ergreifende Stücke aus Südafrika gesungen. Auch danach zeigten sich die Sänger äußerst sprachgewandt: In kroatisch gab man „Plovi, plovi“ von Rado Simoniti, auf Französisch „Les plaisirs sont doux“ von Gianni Malatesta und auf Englisch „The earth is my mother“ von Lorenz Maierhofer zum Besten. Damit die Besucher die Inhalte verstehen, sang man einzelne Strophen auf Deutsch oder projizierte die Übersetzung an die Bühnenwand. Aufseiten der Germania traten sowohl der Männerchor als auch das Ensemble Musica auf. Letztere Gruppe bildet eine Seitenformation des Hauptchores, die aus 16 überaus motivierten Choristen besteht.

Die Vorbereitungen für „Let‘s sing together“ begannen bereits im März. Das Konzert wurde als Projekt aufgezogen und damit in einer Form, mit der die Germania bisher noch nicht in Erscheinung getreten ist. Neben dem Blick auf das zu lernende Liedgut machte man sich auch daran, neue Sänger zu werben. „Dafür standen wir vor Einkaufsmärkten und haben an Haustüren Klinken geputzt“, weiß Vorsitzender Hans Müller. Am Ende zahlte sich die investierte Zeit aus. Fünf Personen haben sie damit gewonnen, von denen vier auf der Bühne standen. Insgesamt wirkten 35 Sänger mit. Krankheitsbedingt erreichte man nicht ganz die anvisierte Stärke von 41 Stimmen, was aber mit der Gesangs- und Ausdruckskraft der anderen Sänger kompensiert wurde. Laut dem Chorleiter könne man davon ausgehen, dass die Neugeworbenen beim Chor bleiben. „Das ist uns wichtig. Hier teilen wir nicht ganz die Auffassung derzeitiger Projektchöre, dass sich nach dem Auftritt wieder alles verläuft“, sagt er.

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Mit ihrem zweieinhalbstündigen Chor- und Orchesterkonzert zeigte die Germania, was motivierte Gesangvereine zu leisten imstande sind. Zur Begeisterung für Gesang und Musik trat die Veranstaltung für Völkerverständigung ein. Auch die Bedeutung der Natur vergaß man für eine friedliche Koexistenz auf der Erde nicht, was mit dem Lied „The earth is my mother“ Ausdruck fand. Das Saz-Orchester hatte ein ähnliches Stück in petto. Am Ende war den Sängern und Bühnenakteuren ein lange anhaltender Schlussapplaus sicher. Vor allem verliehen sie traditionellen Volksliedern, deren Inhalte immer wieder unterschätzt und belächelt werden, eine neue Ausdruckskraft. Viele der darin vermittelten Botschaften sind aktueller denn je.

Quelle: op-online.de

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