Allgemeinmediziner Matthias Röckel könnte vielfaches seiner Dosen verimpfen

Im Wettstreit mit den Impfzentren

Hausarzt Dr. Matthias Röckel (Foto) ist überzeugt: „Wir hätten schon locker ganz Eppertshausen impfen können.“ Die Impfzentren hält er für überflüssig. Er selbst darf derzeit maximal 40 bis 50 Dosen pro Woche verabreichen.
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Hausarzt Dr. Matthias Röckel ist überzeugt: „Wir hätten schon locker ganz Eppertshausen impfen können.“ Die Impfzentren hält er für überflüssig.

Seit ein paar Wochen und dem Start der Corona-Impfungen in den Hausarzt-Praxen nehmen auch die Allgemeinmediziner in Eppertshausen diese zusätzliche Aufgabe wahr.

Eppertshausen – Sowohl Dr. Matthias Röckel im Sandweg als auch Dr. Christine Schwinn in der Bahnhofstraße verzeichnen eine große Nachfrage der Bevölkerung nach den Corona-Impfdosen, seit auch Hausärzte diese an die Bevölkerung verimpfen dürfen. Vor allem Röckel könnte jedoch deutlich mehr leisten – wenn er die Dosen denn bekäme. Dass dem nicht so ist, liegt seiner Ansicht an der unsinnigen Verteilung des Impfstoffs.

„Es gibt eine Art Wettstreit zwischen den Hausärzten und den Impfzentren“, sagt Röckel und verbindet dies – wie auch die Kassenärztliche Vereinigung – mit Kritik am Bundesgesundheitsministerium. Nicht nur, dass der seit dreieinhalb Jahren in Eppertshausen praktizierende Facharzt für Allgemeinmedizin für die jetzige Verlagerung des Impfstoffs von den Impfzentren in die Hausarzt-Praxen plädiert. Röckel geht noch weiter: „Man hätte sich die Impfzentren ganz sparen können.“

Dr. Matthias Röckel: Kritik an Impfzentren

Denn in den Praxen sei „der Dokumentationsaufwand gegenüber den Impfzentren deutlich reduziert, weil wir unsere Patienten kennen“. Entsprechend größer sei in der Praxis deshalb auch das Vertrauensverhältnis zwischen Mediziner und Impfling, entsprechend schneller und flexibler könne man handeln. Vom organisatorischen Durcheinander, wenn Patienten sowohl beim Hausarzt als auch im Impfzentrum einen Termin vereinbart haben, ganz zu schweigen.

Warum aber speist der Staat als Verteiler des Impfstoffs die Praxen nach wie vor mit relativ wenigen Dosen ab, während in den Impfzentren zusehends höhere Tageszahlen erreicht werden? „Es krankt daran, dass unser Gesundheitsministerium alles vorgeben und kontrollieren will“, kritisiert Röckel und sieht im Tun von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gar „planwirtschaftliche“ Züge. „Leider spielt auch der Wahlkampf eine Rolle“, sagt der Eppertshäuser Hausarzt, der betont, selbst „politisch nicht engagiert“ zu sein. Sein Vorwurf: „Da geht es auch um Profilierung.“

Allgemeinarztpraxis Eppertshausen: Zusätzlicher Impftag wäre möglich

Im Ergebnis komme es nach wie vor zu einer ungleichen und falschen Verteilung des Impfstoffs. Auch wenn die an Deutschland gelieferte Menge noch begrenzt sei, ist Röckel der Ansicht: „Hätte man den kompletten Impfstoff an die Hausärzte gegeben, hätten wir schon locker ganz Eppertshausen impfen können.“

Dies konkretisiert er an aktuellen Zahlen. „In der dritten April-Woche hat meine Praxis 16 Dosen bekommen, in der vierten April-Woche 40. Jetzt sollen es 50 pro Woche werden, wobei ich immer montags für die Folgewoche bestelle und man sich bisher nicht darauf verlassen konnte, dass das Bestellte auch geliefert wurde.“ Derzeit sei zu konstatieren: „Der Boost bleibt aus. Wir könnten schon seit Wochen 80 Personen pro Woche impfen. Wenn wir zuverlässig wüssten, dass wir 200 Dosen pro Woche kriegen, könnten wir auch noch einen zusätzlichen Impftag machen und würden selbst diese Zahl schaffen.“ Sein Team – drei Medizinische Fachangestellte und er – seien „dafür offen“.

Hausarzt Dr. Matthias Röckel darf derzeit maximal 40 bis 50 Dosen pro Woche verabreichen: Hier impft die Medizinische Fachangestellte Bohumila Lange (links) Patient Klaus Schallmayer.

In Eppertshausens zweiter Hausarzt-Praxis impfen Christine Schwinn und ihre vier Medizinischen Fachangestellten seit Anfang April, wobei die Fachärztin für Allgemeinmedizin die Aufklärungsgespräche führt und die Angestellten die Spritze setzen. Zu Beginn des vergangenen Monats habe man mit den Hausbesuchs-Patienten begonnen, „jene, die gar nicht mehr in die Praxis kommen können“. Inzwischen geht es auch in der Praxis los, „in der letzten April-Woche waren es 30 Dosen“, sagt Schwinn.

Sie registriert „sehr großes Interesse“ an den Impfungen. Anders als Röckel sieht sie jedoch keinen großen Spielraum für mehr Impfungen, „viel mehr als die 30 könnten wir derzeit nicht durchführen“. Wobei man sicher noch etwas umdisponieren könnte, wenn tatsächlich deutlich mehr Dosen zur Verfügung stünden, ergänzt Schwinn. Sie ist da verhalten optimistisch: „Da man die Impfzentren nicht ewig betreiben will, wird sich da was in die Praxen verlagern.“

Corona-Impfung bei Christine Schwinn: 20 Seiten lange Warteliste

Bedarf sei jedenfalls da, auch wenn derzeit „viele Personen, auch ältere, Astrazeneca nur ungern nehmen“: Die Warteliste für eine Corona-Impfung ist in der Praxis von Christine Schwinn momentan 20 DIN-A4-Seiten lang. Zum vollständigen Bild gehört aber auch: Selbst einzelne Hausbesuchs-Patienten hätten keine Impfung gewollt – teils aus genereller Ablehnung heraus, teils mit der Begründung, dass sie das Haus sowieso nicht mehr verließen. (Von Jens Dörr)

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