Kinder dürfen mitbestimmen

Ausgezeichnet: Kita des Jahres steht in Eppertshausen

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Spaß beim Spielen: Die Kindertagesstätte St. Sebastian hat den Deutschen Kita-Preis erhalten.

Die katholischen Kindertagesstätte St. Sebastian in der rund 6000-Seelen-Gemeinde hat den Deutschen Kita-Preis 2019 in der Kategorie „Kita des Jahres“ und damit auch 25.000 Euro gewonnen.

Eppertshausen/Berlin – Der quirlige Julius rennt mit einem blauen Baufahrzeug in der Hand durch die Kinderkrippe und ruft seine Mama. „Ich habe den blauen Bagger“, präsentiert der Zweijährige mit aufgerissenen Augen seiner Mutter das Spielauto, bevor er weiterflitzt. „Er liebt Baufahrzeuge“, sagt Vanessa Griesling. Sie ist pädagogische Fachkraft in der katholischen Kindertagesstätte St. Sebastian in Eppertshausen. Die Kita in der rund 6 000-Seelen-Gemeinde hat gestern den Deutschen Kita-Preis 2019 in der Kategorie „Kita des Jahres“ und damit auch 25 000 Euro gewonnen. In dem Ganztagskindergarten mit 30 Mitarbeitern wird viel Wert auf die Meinung der Kinder, die Einbeziehung der Eltern und die Qualifizierung der Mitarbeiter gelegt.

Rund 120 Kinder rennen in dem zweigeschossigen Haus mit großem Garten und künftig einem Kletterparcours herum, spielen, turnen oder beschäftigen sich in einem der verschiedenen Bildungsbereiche. „Die Kinder dürfen mitbestimmen“, sagt die stellvertretende Kita-Leiterin Veronique Braun. Es würden Wege gesucht, um deren Wünsche zu erfüllen. „Sie müssen aber auch lernen, dass es Grenzen gibt.“ Eng eingebunden in die pädagogische Arbeit sind auch die Eltern.

„Gute-Kita-Gesetz“ sehen die Pädagoginnen positiv

Das zum Jahresbeginn in Kraft getretene „Gute-Kita-Gesetz“ sehen die beiden Pädagoginnen positiv. Die Mittel, die von den 5,5 Milliarden Euro bis 2022 in ihrer Kita ankommen, sollen hauptsächlich in die Fortbildung und Qualifizierung der Mitarbeiter fließen. Dies auch, weil im Rahmen der Inklusion auch fünf Kinder mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen täglich in den Hort kommen. So gibt es Kooperationen mit Schulen, Institutionen im Ausland und auch mit Ärzten. In diesem Jahr bekommt die Kindertagesstätte pro Kind 100 Euro, im kommenden Jahr 250 Euro pro Kind aus dem Finanztopf.

Kindertagesstätte St. Sebastian

Gerade die Investition in die Qualität der Mitarbeiter ist wichtig, sagt Kathrin Bock-Famulla von der Bertelsmann Stiftung. „Es muss eine gute Ausbildung und es muss genügend Erzieher geben“, sagt die Expertin. „Das sind eigentlich Idealisten.“ Teils müsse Geld für die vier bis fünf Jahre dauernde Ausbildung gezahlt werden, oder es gibt keine Ausbildungsvergütung. Die Gelder des „Gute-Kita-Gesetzes“ könnten genutzt werden, um den Beruf attraktiver zu machen. Nach mehreren Szenarien fehlten in den nächsten Jahren mehrere hunderttausend Erzieher.

„Die Mittel werden nicht ausreichen“, kritisiert Bock-Famulla eine fehlende Zusage des Bundes zur dauerhaften, finanziellen Unterstützung in der frühkindlichen Bildung. Schon jetzt würde die Schere bei der Zahl der Kinder pro Betreuer in den Bundesländern stark auseinandergehen. Und manche Länder wollten die Mittel des „Gute-Kita-Gesetzes“ nicht einmal in die Qualität, sondern in die Beitragsfreiheit stecken. „Das kann irgendwann zu Entwicklungsgefährdungen bei den Kindern führen“, glaubt Bock-Famulla.

Insgesamt Preisgelder in Höhe von 130.000 Euro

Besonders gut aufgestellte Kitas und Initiativen für frühkindliche Bildung zeichnet das Bundesfamilienministerium zusammen mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung seit vergangenem Jahr aus. Beim Deutschen Kita-Preis werden insgesamt Preisgelder in Höhe von 130.000 Euro in den Kategorien „Kita des Jahres“ und „lokales Bündnis für frühe Bildung des Jahres“ vergeben. Kriterien sind hierbei unter anderem die Einbindung der Kinder und Eltern, Kooperationen mit anderen Einrichtungen und ein ständiger Prozess, um Lerninhalte weiterzuentwickeln.

Kindertagesstätte St. Sebastian

Insgesamt gab es in diesem Jahr für beide Kategorien 1 600 Bewerber. Als „Kita des Jahres“ war 2018 das Familienzentrum Ludwig-Uhland-Straße in Maintal-Bischofsheim ausgewählt worden. Die Kita müsse auch als Bildungsort gesehen werden, meint Veronique Braun. „Es muss in der Gesellschaft ankommen, dass wir viel mehr leisten als weithin bekannt.“ Es gebe immer noch das Denken, Erzieher würden den ganzen Tag mit den Kindern spielen. „Das ist ein Denken, dass in manchen Köpfen drin ist. Dieses Rollendenken muss durchbrochen werden“, sagt Vanessa Griesling. Was mit den 25.000 Euro in Eppertshausen finanziert werden soll, will die Kita-Leitung nicht alleine entscheiden. Auch hier würden wieder die Eltern und die Kinder mit ins Boot geholt.

Julius hat indes seinen blauen Bagger weggelegt und eilt einem heulenden Spielpartner mit einem Spielzeug-Erste-Hilfe-Kasten zur Seite. Mit der Finanzspritze könnte aber bald auch ein neues Mini-Baufahrzeug für ihn im Regal stehen.

VON OLIVER PIETSCHMANN (dpa)

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