Tierwohl im Blick

Projektteam stellt den „Lebenshof Anam Cara“ vor

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Catharina Gärtner vom Projektteam „Lebenshofs Anam Cara“ stellt den Zuhörern die vom Team betreuten Tiere individuell vor.

„Tiere l(i)eben – ein Lebenshof in Zeiten der Massentierhaltung“, so lautete der Titel einer Veranstaltung, zu der das Evangelische Dekanat Vorderer Odenwald in das Gemeindehaus der Friedensgemeinde Eppertshausen eingeladen hatte.

Eppertshausen – Gut ein Dutzend Interessierter hatte sich eingefunden, um Näheres über das Projekt „Lebenshofs Anam Cara“ zu erfahren.

Bei der Begrüßung durch Tatjana Gingerich vom Dekanat Vorderer Odenwald wurde aus einem von dem Theologen und Arzt Albert Schweitzer verfassten Buch zitiert: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will“. Er brachte mit dieser Aussage seine Ehrfurcht vor dem Leben zum Ausdruck, verbunden mit der bereits biblischen Forderung „Du sollst nicht töten“.

Meike Willner, Initiatorin des Projekts „Lebenshof“, das vor den Toren von Eppertshausen eine Bleibe für die von ihm betreuten Tiere gefunden hat, griff den Faden auf und schilderte die Gründe, die sie bewogen hat eine derartige Initiative ins Leben zu rufen. Waren es zunächst verschiedene Kleintiere, wie sie wohl in vielen Haushalten vorkommen, schlichen sich bald auch Ponys und sogar Schweine in ihren Interessenkreis. Diese Tiere lassen sich aber nicht so ohne weiteres im heimischen Umfeld versorgen, dafür braucht es Platz und viel Zeit, um sich um die Tiere zu kümmern. Auch ausreichend Futter für die hungrigen Mägen der Vierbeiner galt und gilt es zu besorgen. Bevor ihre eigene Belastungsgrenze erreicht war, schaute sich Willner nach gleichgesinnten Menschen um und wurde auch fündig.

Zusammenlaben abseits von Massentierhaltung

Vier Mitglieder des inzwischen auf zehn Personen angewachsenen Projektteams, das kein Verein ist und daher auch keinerlei Spendenquittungen ausstellen darf, begleiteten Willner ins Gemeindehaus, um mit bewegenden Worten ihre Schützlinge vorzustellen. Unterstützt wurden sie dabei von selbst gefertigten Fotos und kleinen Steckbriefen, die die individuellen Seiten der einzelnen Tiere erläuterten. Alle Vortragenden betonten dabei, dass sie mit ihrem Engagement nicht den Zeigefinger erheben und zu veganer Ernährung bekehren wollen, sondern vielmehr zeigen möchten, wie sich ein Zusammenleben von Mensch und Tier auch abseits von Massentierhaltung gestalten kann.

Die sich an die Präsentation des Projekts anschließende Diskussion zeigte auf, dass wir in der heutigen Zeit ein gespaltenes Verhältnis nicht nur zum Klima und dessen Wandel haben, sondern auch über das Verhältnis zwischen Mensch und Tier zu wenig nachgedacht wird. Ethik ist ein Teilgebiet der Philosophie, das sich mit dem „rechten“ menschlichen Handeln befasst. Die Ethik und der Gedanke von Schweitzer: „Schütze alles, was Leben hat“ ist dabei anscheinend auf der Strecke geblieben, denn mit zunehmendem Abstand zwischen häuslicher Nähe von Mensch und Tier, wie sie in vergangenen Zeiten durchaus üblich war, ist heute aus dem Tier ein industriell gefertigtes Glied der Nahrungskette des Menschen, das möglichst „wirtschaftlich“ und in gewinnorientierter Stückzahl „ zu produzieren“ ist, geworden.

Hoffnung geben allerdings Veranstaltungen, wie sie, wenn auch im kleinen Kreis, in Eppertshausen stattgefunden haben. Die Zahl der Interessierten nimmt zu, wie auch die wachsenden Diskussionen um das Thema „Tierwohl“ beweisen.

Peter Panknin

Quelle: op-online.de

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