100. Geburtstag des FV Eppertshausen

Kinder brillieren mit Sitzung in der Sitzung beim närrischen Jubiläum

Kinder an die Macht: Bei der Sitzung in der Sitzung las Finn Kreher ein Kurzprotokoll – und den Erwachsenen die Leviten.
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Kinder an die Macht: Bei der Sitzung in der Sitzung las Finn Kreher ein Kurzprotokoll – und den Erwachsenen die Leviten.

Zum 100. Geburtstag des FV Eppertshausen hat sich der FVCA als Carnevalsabteilung des Fußball-Vereins allerlei Besonderes einfallen lassen – und am Freitag und Samstag in zwei ausverkauften Sitzungen in der Bürgerhalle insgesamt fast 1 000 Zuschauern präsentiert.

Eppertshausen – Die ersten fünf Nummern des Abends sind rum, da geraten Sitzungspräsident Jörg Helfmann und der Elferrat des FVCA plötzlich aus dem Konzept. Zwei Dutzend Kids entern die Bühne und machen schnell klar, was sie wollen: eine eigene Kindersitzung in der Sitzung! „Die Leute haben Eintritt bezahlt, ihr kriegt nächstes Jahr eine eigene Sitzung“, versucht der Präsi abzuwiegeln. Zum Glück vergeblich, denn in den nächsten Minuten brilliert der Nachwuchs und reißt das Publikum von den Sitzen.

Für den FVCA als Carnevalsabteilung des Fußball-Vereins sind die närrischen Jubiläen fast noch wichtiger als der „Runde“ des gesamten Klubs in diesem Jahr. Zum 100. Geburtstag des FVE haben sich freilich auch die Fastnachter Besonderes für ihre Sitzungen einfallen lassen – so eben die Sitzung in der Sitzung.

In zweimal elf Minuten, so das Versprechen, würden sie eine eigene Sitzung in der Sitzung auf die Beine stellen, verspricht Anna Sticht. Sie ergreift als Chefin eines Dreierrats das Regiment, dann fackeln die Jungs und Mädels nicht lange: Finn Kreher liest ein prägnantes Protokoll und den Erwachsenen die Leviten. Die FVCA-Gesangsgruppe Los Crachos (die, einst von Willi Trux aus der Taufe gehoben, später noch in der Originalversion zum 22. Mal auf der Bühne stehen werden) gibt es plötzlich auch in der Mini-Version; und auch eine Playback-Show, wie sie in Halbzeit zwei der Elferrat zeigt, haben die Kids drauf. Einer hat das „Helau“ sowieso mit der Muttermilch aufgenommen: Marc Sperl, der bei seinen Witzvortrag im Schnelldurchlauf selbst mächtig schmunzeln muss und bei den Gästen extrem weit oben in der Gunst steht. Wette gewonnen, Mission erfüllt!

Als Indianerinnen tanzte die Gruppe „Knackfrisch“, die sich einen Cowboy angelte. 

In anderen Programmpunkten des Abends kann es der FVCA-Nachwuchs freilich auch: Ob Colin Murmann mit deftigen Gags als Messdiener, der er auch im wirklich-wahren Leben ist, die Tanzgruppe „Funnys“ (die diesmal ihr eigenes „High School Musical“ performen, obwohl sie noch im Grundschulalter sind), die rockenden Teenies von „one 2 step“ und – eine Premiere – die im vergangenen Sommer neu gegründete Kinder- und Jugendgarde. Aus den neun Jugendlichen haben die Trainerinnen Katrin Kahle, Laura Winkler und Viktoria Murmann binnen sechs Monate eine sitzungsreife Truppe geformt. Zwei der Coachs haben beim Debüt ihrer Tänzerinnen schon den eigenen Gardetanz aus Hälfte eins in den Beinen.

Überhaupt: Tanz ist bei acht FVCA-Gruppen mal wieder ein Eppertshäuser Narrentrumpf. „Knackfrisch“ haben die meiste Erfahrung und zerren als Indianerinnen sogar einen bemitleidenswerten Cowboy über die Bühne. Das Damenballett entführt aufs Kreuzfahrtschiff, das Männerballett in den Dschungel und die Showtanzgruppe zum „Tag der Toten“ nach Mexiko. Was nicht heißt, dass es traurig zuging an den beiden Abenden.

Denn selbst dem Tod entlocken gerade die Redner, die auf den FVCA-Sitzungen eine relativ kleine Rolle einnehmen, heitere Seiten. Als ziemlich tot bezeichnet Protokoller Hans Müller auch den Eppertshäuser Franz-Gruber-Platz, schlägt für dort einen Hundefriedhof vor, schimpft die Münsterer unter anderem für ihr Geschwätz über die mäßig attraktive Eppertshäuser Hauptstraße. Und konstatiert, dass sich Schlagerstar Helene Fischer natürlich einen „Eppertshaiser“ und kein „Minsderer Riwwelgesicht“ geangelt habe.

Hinhören und hingucken lohnt es sich nicht nur beim „Bosse-Hans“, sondern auch bei Solist Lutz Murmann, der als „Mariechen“ die Lacher auf seiner Seite hat. Jochen Ries und Rainer Sperl liefern sich neben ihren Zwiegespräch-Gags später auch noch eine Kostümschlacht. Nicht umziehen, aber in schneller Folge neuen Gassenhauern widmen müssen sich hingegen die Sänger der „44er“. Sie hauchen auch die Zuneigung zu ihrer aller Jubilar in die Mikros: „FVE, meine Liebe und mein Verein ...“.

VON JENS DÖRR

Quelle: op-online.de

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