Feldarbeit mit OWK

Gut Pommes wollen Weile haben

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Ungewöhnliche Jugendarbeit: Beim OWK wurden nun Kartoffel gepflanzt.

Eppertshausen - Eine Saison mit dem OWK einen Acker bestellen: Die Kinder sind mit Freude bei der Feldarbeit. Von Michael Just 

Auf dem kleinen Feldabschnitt neben der Urberacher Straße herrscht regen Treiben: Über 30 Kinder und Erwachsene des Odenwaldklubs haben Hacke oder Rechen in der Hand und beackern den Boden. „Was machen die da? Suchen die was?“, fragen sich Passanten. Die Antwort lässt sich mit Blick auf zwei große Kartoffelsäcke, die in einem Schubkarren liegen, erahnen: Hier werden Kartoffeln gesetzt.

Doch warum tut sich jemand diese Mühe im großen Stil an, wo es doch in jedem Supermarkt für wenig Geld die Knollen zu kaufen gibt? Die Antwort weiß OWK-Vorsitzender Norbert Anton, der mit seiner Enkelin im Garten Kartoffel pflanzte – und dabei in ein hellauf begeistertes Kindergesicht blickte. „So etwas könnten wir doch auch mal im Verein machen“, reifte der Entschluss. Mit dem Kartoffelstecken sieht Anton weit mehr als nur den späteren Ertrag sowie den Spaß, den die jüngsten OWK-ler als Jungbauern haben: „Die Kinder sollen vor allem lernen, dass ihre Pommes nicht im Supermarkt um die Ecke wachsen.“

Der bestellte Acker gehört einer Eppertshäuser Firma, wird aber seit ein paar Jahren nicht mehr genutzt. Um die Grundlagen zu schaffen, musste das zugewachsene Areal erstmal gemäht, gepflügt und gefräst werden. Zusammen mit einem Landwirt erledigte Anton die drei Schritte. „Das war viel stärker zugewachsen als geglaubt“, berichtete der OWK-Mann. So trafen die Kinder mit ihren Eltern – trotz der geleisteten Vorarbeit – immer wieder auf widerspenstiges Wurzelwerk im Boden. Mit vereinten Kräften wurde dieses entfernt, um genügend Platz für die Setzkartoffeln und deren Vermehrung zu schaffen.

In den nächsten Wochen steht Wässern und Häufeln auf dem Plan

Wer die Kinder beobachtete, sah schnell, dass das Hantieren mit der Scholle mächtig Spaß bereitete. Ausgemachte Wurzelballen wurden wie Trophäen weggeschleppt, einige Kinder wühlten im Boden, als wär’s der Sandstrand. „Es ist überraschend, wie schnell und wie groß sich der Spaß an dieser Sache einstellt“, so Anton.

„Ich bin gespannt, was wir ernten werden“, sagte Maja (5), während ihre Freundin Nijah (6) vor allem die Arbeit in der großen Gruppe genoss. Mit ihrer Schmutz- und Regenhose erwies sie sich als perfekt gekleidet. Ein kleiner Junge fiel durch seinen Kinder-Bauarbeiterhelm auf. Der Dreikäsehoch rechnete beim Kartoffelsetzen wohl mit weiterführenden Tiefbauarbeiten. Bei den Eltern ließ sich ein durchweg positives Echo über die Aktion ausmachen: „Es ist super, wenn die Kinder sehen, wie Lebensmittel produziert werden“, sagte Frank Pretscherno. Laut dem 42-Jährigen hat sein Vater noch Landwirtschaft, so dass seine Kinder durchaus über die Herkunft von Lebensmitteln Bescheid wüssten. Bei vielen Kindern aus der Stadt sei das aber nicht der Fall.

Die Setzkartoffeln bekam der OWK von der Eppertshäuser Firma Tüncher gespendet. Deren Wachstum werden die Kinder in den nächsten Wochen begleiten. Damit sind auch weitere Aufgaben verbunden, wie etwa das Lesen von Kartoffelkäfern, das Wässern und Häufeln.

Zusammen mit der Ernte im Herbst ist ein großes Kartoffelfest geplant, bei dem Traditionsgerichte rund um die Knolle aufgetischt werden sollen. „Das könnten Pellkartoffeln mit Hausmacher Wurst sein“, sagt Anton. Da die 18 Kartoffelreihen zwecks Pflege unter den Kindern aufgeteilt wurden, dürfen die sich auf ein weiteres Ereignis freuen: Bei der Ernte werden die Ergebnisse gewogen und anschließend der Kartoffel-König gekürt.

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Quelle: op-online.de

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