Ruhe für Franz-Gruber-Platz

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Zusammengeräumt und abgesperrt präsentiert sich Eppertshausens Biergarten am Gruber-Platz. Die Gäste sind sauer.

Eppertshausen - Endlich zeigt sich der Sommer mal von seiner schönen Seite, und dann ist der Biergarten zu. Amtlich geschlossen. So geschehen vor zwei Tagen in Eppertshausen auf dem Franz-Gruber-Platz. Von Thomas Meier

Ein Trassierband umzäunt das Areal vor der Gaststätte Ciao Italia, wo sich vormals die Gäste labten. Dies führt zu Unmut hauptsächlich bei den Besuchern, doch auch die Wirtsleute können den Entscheid kaum nachvollziehen.

„Hiermit kündigen wir den Pachtvertrag vom 26.04.2012 für das Außengelände Ciao Italia gemäß § 3 des Pachtvertrages mit sofortiger Wirkung.“ So steht es geschrieben im Brief der Gemeinde Eppertshausen vom 16. August, den Pächterin Concettina Duganhodzic am Mittwoch, 22. August, per Post zugestellt bekam. Umgehend wurde der Biergartenbetrieb eingestellt. Weil einige Gäste an einen bösen Scherz glaubten, sich setzten und trotz Nichtbedienung nicht zu gehen beabsichtigten, ließ die Pächterin am Donnerstag die knapp 150 Stühle und Tische stapeln und sperrte mit weißrotem Flatterband unterm noch blauen Himmel den Biergarten ab.

Gestern klingelte in der Redaktion das Telefon heiß, wurde in ersten Mails der „endgültige Tod des Franz-Gruber-Platzes“ angekündigt.

Im November werden es elf Jahre sein, in denen Ciao Italia Leben an und im Sommer auch auf den sonst mittlerweile sehr verwaisten Platz bringt. Bis vor drei Jahren lief auch das Biergartengeschäft ohne jede Beanstandung, sagt Duganhodzic, was Bürgermeister Carsten Helfmann auf Nachfrage auch bestätigen kann. Doch mit den ersten Beschwerden von Nachbarn seit dieser Zeit verschärfte sich die Situation, die in der Schließung nun ihren Höhepunkt erreicht.

Jahrelang habe man den Platz vor der Gaststätte kostenfrei zur Verfügung gestellt, um ihn zu beleben, sagt Helfmann. Doch weil er zum Schluss im Sommer bei schönem Wetter bis Mitternacht und später „belebt“ worden sei, habe man einen Riegel davor schieben müssen. Seitdem gebe es „einen Pachtvertrag gegen ein geringes Entgeld“, in dem 22 Uhr als Sperrzeit für den Biergarten festgeschrieben worden sei. Zudem stehe im Vertrag, dass der Pächter verantwortlich dafür ist, dass sich nach 22 Uhr niemand mehr auf dem Gelände aufhalte.

Fünf Ordnungswidrigkeitsvergehen

Zwei Jahre habe dies auch funktioniert, nun aber lägen der Verwaltung fünf Ordnungswidrigkeitsvergehen aus dem Juli auf dem Tisch, man habe handeln müssen.

Nicht nur, dass die fristlose Kündigung kam: „Nach § 5 des Pachtvertrages entfällt im Falle einer außerordentlichen Kündigung die von Ihnen geleistete Kaution in Höhe von 1000 Euro“, heißt es im vom Bürgermeister unterzeichneten Schreiben, das die Wirtin in mehreren Kopien ans rotweiße Absperrband pinnte. Auf dass sich jeder empörte Gast sein eigenes Bild mache. Und weiter steht im Amtsschreiben: „Bezüglich der weiteren Vorgehensweise (Räumung der Fläche, Rückbau der Beschattungsanlage) dürfen wir Sie bitten, sich kurzfristig mit uns in Verbindung zu setzen.“

Was nicht darin steht, aber von beiden Parteien eingeräumt wird: Die Gemeinde unterbreitete das Angebot, einen neuen Pachtvertrag zu neuen Konditionen aufzusetzen, der dann allerdings unter anderem zur Bedingung habe, den Biergarten bereits um 21 Uhr komplett zu schließen und für Ruhe auf dem Gruber-Platz zu sorgen.

„Unannehmbar!“, ist die knappe Antwort der Wirtsleute. „Dann kommt doch kein Mensch mehr, wenn er schon um 21 Uhr wieder heim geschickt wird,“ sagt Concettina Duganhodzic. Die meisten Leute gingen am Wochenende erst um neun Uhr abends weg. Und Personal vorhalten für eine Zeit, in der noch nichts los ist, rechne sich nicht. Man werde Tisch und Bänke wegräumen und die Halterungen für die Sonnenschirme entfernen.

Siehe auch Notizbuch.

Quelle: op-online.de

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