Im langen Rechtsstreit gegen Sanierer vergleichsbereit

Legionellen und kein Ende

+
Dunkle Wolken über der immer noch nicht von Legionellen befreiten Sporthalle: Die Gemeinde streitet schon lange vor Gericht gegen das Ingenieurbüro, das die Sanierung leitete.

Eppertshausen - Ein zusätzlicher Tagesordnungspunkt beschäftigte die Gemeindevertreter am Donnerstagabend zur letzten Sitzung vor der Sommerpause: ein Vergleich im Gerichtsverfahren gegen das Ingebieurbüro, das für die wenig erfolgreiche Sanierung der Halle am Sportzentrum verantwortlich zeichnet. Von Thomas Meier 

Immer noch gibt es dort Legionellen, weswegen seit 2008 zahlreiche Maßnahmen angeordnet wurden. Und solange der Rechtsstreit währt, darf die Gemeinde nicht neu sanieren.
Der Tagesordnungspunkt wurde nötig, weil das Gericht jetzt bei einem Gütetermin einen Vergleich der Parteien angeregt hatte. In nichtöffentlicher Sitzung beschlossen die Gemeindevertreter, einen Vergleich zu akzeptieren. Zu welchen Bedingungen, wollte Bürgermeister Carsten Helfmann nicht verraten, da die rechtliche Angelegenheit ja noch in der Schwebe ist und sich die Gemeinde nicht in die Karten schauen lässt, zu welchen Konditionen sie vergleichsbereit sein wird.

Doch Helfmann verdeutlichte die Misere, in der die Kommune steckt. Um den Betrieb in der großen Sporthalle aufrecht erhalten zu können, muss Eppertshausen viel Geld in die Hand nehmen und die sie nutzenden Vereine haben viele Unannehmlichkeiten. So steht beispielsweise noch immer nur ein Teil der Duschen für die Sportler zu Verfügung. Und deren Betrieb ist nur möglich, weil sie über eine Filteranlage laufen. Der ständig nötige Austausch der Filter kostet die Gemeinde 1000 Euro pro Monat.

Bilder: US-Car-Treffen auf der Thomashütte

Mit den 2008 entdeckten Legionellen fing alles an. Kleine stabförmige Bakterien, die vor allem in Warmwasseraufbereitungen, den Lüftungs- und Klimaanlagen und in Wassertanks vorkommen. Sie sind die Erreger der Legionärskrankheit. Bei Personen mit geschwächtem Immunsystem kann sie zu einer ernsthaften Gesundheitsgefährdung führen.

Sofortiges Handeln war damals notwendig. Mit thermischer und chemischer Desinfektion wurde versucht, die Bakterien dauerhaft abzutöten. Dies gelang nur kurzzeitig, schnell waren die Grenzwerte wieder überschritten. Um Zeit für die Auswahl der richtigen Maßnahmen zu gewinnen und den Sportbetrieb in der Halle aufrecht zu halten, wurden an den Duschen spezielle Duschpatronen eingesetzt.

Die Sporthalle steht seit 1983 und wird seither für den Schul- und Vereinssport genutzt. An etlichen Gewerken waren zum Zeitpunkt des Legionellenbefalls bereits Reparaturen und Modernisierungen erforderlich. Eine umfangreiche Sanierung schien angebracht. 2009 wurde für rund eine halbe Million Euro saniert. Doch die Freude am erneuerten Bau währte nicht lange, schnell keimte die Gefahr durch Legionellen wieder auf.

Wie oft wechseln Sie eigentlich Klobürste, Putzlappen & Co.?

Ende 2015 brachte Bürgermeister Helfmann den Sachstand erneut ins Parlament. Schon, weil alle 30 Tage die hohen Filteraustauschkosten anstanden, aber auch, um Gewährleistungsansprüche geltend zu machen. Ein von der Gemeinde beauftragter Rechtsanwalt empfahl, Klage gegen das ausführende Ingenieurbüro zu erheben. Der Streitwert lag bei rund 230.000 Euro. Wegen des erneut anstehenden, umfangreichen Sanierungsbedarfs und der Planungsfehler sah die Verwaltung vor zwei Jahren keine andere Möglichkeit, als den Klageweg zu beschreiten. Die Gemeindevertretung folgte dem Ansinnen per Beschluss.

Nun jedoch muss sie wieder rechnen. Die Kosten laufen weiter. Und wie lange der Rechtsstreit ohne Einigung noch währen könnte, vermag niemand zu prognostizieren. „Zu bestimmten Konditionen sind wir vergleichsbereit“, sagt Helfmann, wie alle Parlamentarier sichtlich genervt von der Situation.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare