Kreatives Kunstprojekt

Farbe in den Wald bringen

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Stolz präsentieren die Kinder ihre Kunst: Sie befestigten Filzstückchen an Ästen.

Eppertshausen - Die Hände von Chayenne sind türkis-grün. Fast sieht es aus, als hätte die Zehnjährige sie in einen Farbeimer getaucht. Das Strahlen in ihrem Gesicht beweist, dass sie Farben und Buntes liebt. Von Michael Just

Diese Woche war die Schülerin der Mira-Lobe-Schule (MLS) drei Tage lang Künstlerin – und das nicht in einem Klassenzimmer, sondern im Wald.

In die Wege geleitet hat das Waldkunstprojekt MLS-Lehrerin Ulla Voltz. Sie wusste um den Darmstädter Waldkunstpfad. „Wir haben uns den Pfad im vergangenen Jahr angeschaut und hatten dann die Idee, so etwas mal selbst zu machen“, erzählte Voltz. Hinter dem Pfad steht der Verein für Internationale Waldkunst, der neben seinen Ausstellungen auch eine Reihe von Projekten für Erwachsene, Kinder- und Schulklassen anbietet. Die MLS bewarb sich und wurde ausgewählt.

Normalerweise in Darmstadt

Normalerweise finden die Projekte in Darmstadt statt. Da die meisten Sprachheilschüler bereits morgens mit dem Bus aus dem gesamten Ostkreis zur Schule kommen, wollte man ihnen nicht noch mehr Busfahren zumuten. So wurde das Projekt in ein kleines Waldstück hinter dem Neubaugebiet Bayerswiese verlegt.

Bunter Baumstamm: Vier Schüler neben ihrem kreativen Werk in einem kleinen Waldstück hinter dem Neubaugebiet Bayerswiese.

Revierförster Lothar Seipp stellte den Schülern ein Areal zur Verfügung, wo sie kreativ mit allem werkeln durften, was der Wald hergibt. Sogar ganze Baumstämme lagen bereit, die angemalt oder mit einem Beitel bearbeitet wurden. Mit einer Motorsäge schnitt Seipp zudem Holzplatten von einem besonders dicken Stamm ab, die später als Installationen mit Schnüren von den Bäumen hingen. Auch an den Bau von Stühlen und Bänken wagten sich die Schüler.

„Erst wollte ich mit den Ästen ein Geweih machen. Dann ist aber ein Lampenfisch draus geworden“, erzählte die zehnjährige Lena, die dafür einen Ast abschnitt und Filzstückchen daran aufhängte. Fertig war das Mobile. „Das sind die Lichter“, sagte die Schülerin. „Die Schnur zum Aufhängen haben wir ebenfalls angemalt“, ergänzte Freundin Chayenne.

Gekostet haben die drei Tage die MLS nichts, da der Verein für Waldkunst mit Sponsoren wie Fraport arbeitet. Dazu ist auch Hessen Forst beteiligt. Deren Waldpädagogen, allen voran der Darmstädter Peter Fischer, rückten neben dem künstlerischen Aspekt auch das Kennenlernen des Naturraums Wald in den Vordergrund. Fischer war in Eppertshausen ebenso dabei wie Marius Stühlinger, der bei Hessen Forst seinen ökologischen Bundesfreiwilligendienst macht.

Sensibilisierung für Naturraum Wald

Das Waldkunstzentrum stellte den Schülern einen Kasten mit Werkzeug zur Verfügung. Da diese ein Verletzungsrisiko darstellen, waren bis zu acht Lehrer, Mitarbeiter vom Waldkunst-Zentrum oder Hessen Forst anwesend. Nahmen Schüler die Axt in die Hand, wurde besonders genau hingeschaut. Für die MLS soll das handwerkliche Arbeiten gepaart mit den Sinneserfahrungen in der Natur die Sprachheilung fördern. Für Hessen Forst geht es um die Sensibilisierung für den Naturraum Wald, während das Waldkunstzentrum vor allem die künstlerischen Möglichkeiten im Freien den Schülern vermitteln will.

So flossen zahlreiche Ansätze im Waldkunstprojekt zusammen. Lehrer wie Schüler zogen am Ende ein positives Fazit. „Im Wald gibt es so viel Freiraum. Überall liegen Äste, mit denen man was bauen kann“, sagte Nachwuchs-Künstlerin Lena. „Die Kinder haben konzentriert gearbeitet. Verletzungen sind zum Glück ausgeblieben“, bilanzierte Ulla Voltz. In Zukunft wolle sie öfter herkommen. Nachhaltigkeit klang als Zauberwort an. „Vielleicht gelingt es uns sogar, die Bevölkerung zu animieren, einmal unsere Kunst anzuschauen“, gab die Kunstlehrerin ihrer Hoffnung Ausdruck.

Quelle: op-online.de

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