Einzelhandel im Wandel:

Neue Funktion für alte Leerstände

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Derzeit keinen Leerstand verzeichnet der Franz-Gruber-Platz in Eppertshausen. Auch die lange leer stehenden Räumlichkeiten des einstigen Schlecker-Marktes fanden einen neuen Betreiber. Dort gibt es sogar zentrumsnah Lebensmittel zu kaufen.

Eppertshausen -  Der Einzelhandel im Landkreis Darmstadt-Dieburg verändert sich ständig. Neue Geschäfte eröffnen, andere ziehen um oder schließen. Dies wird meistens nur punktuell von den Menschen wahrgenommen, die vor Ort in diesen Geschäften einkaufen. Von Thomas Meier 

Doch wie verändert sich die Struktur des Einzelhandels im Landkreis insgesamt? Um das herauszufinden wurden bereits 2007 und 2012 Untersuchungen zum Einzelhandel im Kreis durchgeführt. Nun gibt es neue Erkenntnisse. Um die Veränderungen in allen 23 kreisangehörigen Städten und Gemeinden kontinuierlich zu dokumentieren, wurde 2017 eine erneute Kartierung des Einzelhandels initiiert. Diesmal standen die Entwicklungen in den Ortsmitten und die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung im Mittelpunkt.

Für Eppertshausen spiegelt die jüngste Analyse zwiespältige Entwicklungswerte. Was die Leerstandquote angeht, zeichnet sich zwar ein Wandel zum Guten ab, doch gehört die sogenannte „Ortsmitte“ der Kommune – gemeint ist hier die Hauptstraße – im Vergleich mit den Zentren der kreisangehörigen Städte und Gemeinden zu den problematischsten.

Von den 34 im Jahr 2012 in der Ortsmitte von Eppertshausen kartierten Geschäften bestanden auch 2017 noch 26 in gleicher Nutzung, immerhin 76 Prozent. Die Zahl von 21 Einzelhandelsgeschäften blieb gleich, es ergaben sich aber innerhalb der Branchenzusammensetzung Verschiebungen.

Bei den einzelhandelsnahen Dienstleistungen gab es einen leichten Zuwachs: Es gibt heute mehr Geschäfte im Segment Körper und Wellness. Die Zahl der Leerstände insgesamt sank von 14 auf acht ab, vier blieben aus 2012 auch noch 2017, vier kamen neu hinzu. In vier der ehemaligen ungenutzten Gewerbebetriebe wurde ein neues Geschäft oder eine Gastronomie eröffnet und sechs Geschäfte werden mittlerweile in ganz anderer Funktion verwendet, beispielsweise als Fahrschule, Krankenpflegeservice oder aber auch Wohnraum.

Bürgermeister Carsten Helfmann hat eine Erklärung für die Entwicklung an der Hauptstraße: Viele familiengeleitete Geschäfte gibt es nicht mehr, weil die Nachkommen fehlten oder keine Lust hatte, den Betrieb der Eltern fortzuführen. Oftmals wandelten die Erben die Geschäfte der Eltern dann um in Wohnraum oder ähnliches. Da haben wir als Gemeinde auch keine Handhabe.“

Am oftmals wegen seiner leeren Schaufenster in die Schlagzeilen geratenen Franz-Gruber-Platz hat sich die Situation verbessert. Dort fielen nur noch drei Flächen auf, von denen eine der bereits 2010 geschlossene Schlecker-Markt war. Mittlerweile ist dort jedoch auch wieder Betrieb, ein Lebensmittelmarkt hat sich zwischenzeitlich dort eingemietet. Und auch hierzu weiß Helfmann etwas zu berichten: „Beim Franz-Gruber-Platz kennen wir die Eigentümer, können Interessenten an Geschäftsräumen vermitteln.“ Derzeit gebe es nicht einen Leerstand am Platz, auch, weil die Lokalpolitik richtig gehandelt habe. „Öfter wurden wir gefragt, ob wir bei einem leer stehenden Geschäft nicht einwilligen könnten, wenn dort Geschäftsraum zu seniorengerechtem Wohnraum umgewidmet würde“, sagt der Bürgermeister, doch die Politik poche auf dem Bebauungsplan, der im Erdgeschoss der Gebäude am Platz Geschäfte vorsehe. Das zahle sich aus.

Die Quote an Leerständen in der Ortsmitte war in beiden Untersuchungsjahren ziemlich hoch. Sie lag 2012 bei 29 Prozent und 2017 mit 24 Prozent nur etwas niedriger. In beiden Jahren war die Leerstandsquote damit unter den höchsten Werten im Vergleich mit den Ortsmitten der Kreiskommunen.

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In der angenommenen Ortsmitte Eppertshausens gehören Lebensmittel zur am häufigsten vertretenen Branche. Darunter waren zwei Metzgereien, zwei Bäckereien, eine Getränkehandel und der Weltladen. Während sich die Zahl der Metzgereien um eine erhöht hat, schloss eine der drei 2012 aufgenommenen Bäckereien. Ebenfalls geschlossen wurden ein Reisebüro und ein alteingessesenes Haushaltswarengeschäft. Zudem bestanden einige Geschäfte mit mittelfristigem Bedarf, darunter Bekleidung, Schuhe, Schmuck, Möbel, Fahrräder und Elektrogeräte.

An der Hauptstraße gibt es immer weniger Geschäfte. Viele Gewerbeflächen wurden im Straßenzug bereits umgewandelt.

Ein altes Problem war und bleibt die Zerrissenheit des Ortes. Die Ortsmitte ist locker mit Geschäften besetzt, die ihren Sitz vor allem an der Hauptstraße haben. Etwas ab davon Richtung Wohngebiet liegt der Gruber-Platz mit seinem Rathaus an der Stirnseite. In der Kreisanalyse heißt es dazu: „Durch die auseinander liegenden Bereiche mit Läden war die Wahrscheinlichkeit von nicht geplanten Gelegenheitseinkäufen durch Passan-ten für alle innerörtlichen Geschäfte eher gering.“ Und die Analysten erkannten: „Dies wurde außerdem dadurch gefördert, dass sich die beiden vorhandenen Lebensmittelmärkte im Gewerbegebiet am Ortsrand befanden.“

Zum Abschluss heißt es in der Untersuchung über Eppertshausen: „Außerhalb der Ortsmitte gab es einige weitere Geschäfte in Eppertshausen, die vor allem im weiteren Verlauf der Hauptstraße und Nieder-Röder-Straße sowie vereinzelt in den sonstigen Wohngebieten zu finden waren. Ein Beispiel hierfür war der kleine Tante-Emma-Laden im Baugebiet Im Failisch am östlichen Ortsrand.“

Quelle: op-online.de

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