Zehn Jahre mit Codigoro

Platz der Partnerschaft

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Seit dem Wochenende verfügt Eppertshausen über einen Codigoro-Platz. Das Schild auf dem Vorplatz der Bürgerhalle wurde am Samstag feierlich enthüllt.

Eppertshausen - Wenn Eppertshausen und Codigoro zusammen kommen, fällt beim offiziellen Teil immer die große Schärpe von Bürgermeisterin Rita Cinti Luciani ins Auge. Von Michael Just

In den italienischen Landesfarben gehalten ist sie ein leuchtender Blickfang und ergänzt in wunderbarer Weise das ohnehin schon sehr elegante und stets modische Auftreten der Südeuropäerin. Als Rita Cinti Luciani am Wochenende erneut dies schmucke Band anlegte, dachten nicht wenige Eppertshäuser, dass es in Deutschland so etwas in Schwarz-Rot-Gold doch auch geben sollte.

Der Anlass zum Anlegen der Schleppe war ein durchaus würdiger: Die Verschwisterung zwischen Codigoro und Eppertshausen besteht seit nunmehr zehn Jahren. Nachdem bereits 2012 die Dekade der Freundschaft in Oberitalien begangen wurde, erinnerte man nun 1 000 Kilometer weiter nördlich an die europäische Bande auf kommunaler Ebene.

Rita Cinti Luciani mit Schärpe am Mikrofon: Die italienische Bürgermeisterin erinnerte an die Anfänge der Partnerschaft.

Am Samstag war ein akademischer Nachmittag in der Bürgerhalle angesagt, danach folgte ein Abend mit Live-Musik und italienischen Spezialitäten. „Eine Partnerschaft zwischen zwei Kommunen wird von den politischen Gremien beschlossen. Es sind aber die Bürger, die die Freundschaft ausmachen“, hob Bürgermeister Carsten Helfmann in seiner Rede heraus. Hier zeige man sich auf beiden Seiten äußerst rührig: So komme seit 2003 eine Abordnung aus Codigoro zu den Weihnachtsmärkten nach Eppertshausen. Umgekehrt würden die Fiera di Santa Croce besucht. Die Fußballvereine hätten sich ebenso getroffen wie die Feuerwehren, dazu seien die Eppertshäuser Sänger und die Tischtennisspieler in Sachen Freundschaft über den Brenner gefahren. Nicht zu vergessen sei das Mandolinenorchester des Odenwaldklubs, dem die Verschwisterung überhaupt erst zu verdanken ist. Denn dessen Austausch mit dem Club Mandolinico Codigorese sorgte einst dafür, dass wenig später auch die Gemeinden zusammen fanden und die damaligen Bürgermeister Herbert Weber und Ennea Pandolfi ihre Unterschriften unter die Dokumente setzten. Beide Bürgermeister a.D. waren am Wochenende ebenfalls zugegen.

Hessische Sänger beweisen Sprachgewandtheit

Beim akademischen Nachmittag spielte das Mandolinenorchester des OWK auf. Dazu erhoben sowohl der Gesangverein Liederkranz-Frohsinn als auch die Germania ihre Stimmen. Zu Stücken in italienischer Sprache staunten die Gäste aus dem Delta des Po nicht schlecht über die Sprachgewandtheit der hessischen Sänger.

Volle Hände hatten die Offiziellen beim Austausch der Geschenke zur zehnjährigen Verschwisterung von Eppertshausen und Codigoro. Von links: Ewald Gillner, Carsten Helfmann, Rita Cinti Luciani, Graziella Ferretti, Ennea Pandolfi und Herbert Weber.

Die Grußworte der Gäste kamen von Bürgermeisterin Rita Cinti Luciani sowie Graziella Ferretti vom Parterschaftskomitee Codigoro. Die Bürgermeisterin zeigte sich als überzeugte Europäerin. „Ich glaube nicht nur an den monetären Charakter der Union. Frieden, Justiz oder Gleichheit sind Werte und fundamentale Prinzipien, auf die wir nicht verzichten können“, sagte sie. Die derzeitige Euro-Krise könne man nur Seite an Seite überwinden. „Ich bin gerne bereit, von den Deutschen zu lernen“, hob die Politikerin hervor. Die Verschwisterung sieht sie aufgrund der kulturellen Unterschiede als Bereicherung.

Ewald Gillner, der Vorsitzende des Eppertshäuser Partnerschaftsvereins, erinnerte an die Skepsis vor zehn Jahren im Ort, neben Chaource eine weitere Partnergemeinde zu suchen. Auch hätte es Überlegungen für mögliche Kontakte nach Osteuropa gegeben. „Die Bedingung der Gemeinde, einen Partnerschaftsverein für Codigoro zu gründen, haben wir sehr schnell erfüllt“, sagte Gillner. 30 Mitglieder hätte man damals schon gehabt, heute seien es 90.

Die angekündigte Rede des Europaabgeordneten Michael Gahler musste krankheitsbedingt entfallen. Das war nicht nur deshalb zu verschmerzen, da sich der akademische Nachmittag, der mit der italienischen und der deutschen Nationalhymne ausklang, ohnehin schon mit den Übersetzungen als sehr lang zeigte.

Viel Programm für italienische Gäste

Die Gäste aus Italien waren mit dem Bus in einer Stärke von 50 Personen angereist. Vier Tage weilten sie in der Gemeinde. Am Freitagabend wartete ein lockerer Grillabend, während es am Samstagmorgen zu einer historischen Stadtrundfahrt nach Frankfurt ging. Der akademische Teil folgte am Nachmittag. Der Sonntag wurde in Miltenberg, unter anderem bei einer Schifffahrt auf dem Main, verbracht. Insgesamt erlebten die Gäste eine kurzweilige Zeit mit vielen Gelegenheiten, das Glas auf die Freundschaft zu erheben.

Das wurde auch bei der Enthüllung des neuen Codigoro-Platz getan. Der befindet sich mit einem eigenen Schild fortan vor der Bürgerhalle. Die Überraschung zeigte sich als gelungen, als sich Gäste wie Einheimische hinter dem Schild für ein großes Gruppenbild zusammen drängten.

Natürlich fehlte der Austausch von Geschenken nicht. Dass Bella Italia mit Wein, Schinken, Oliven und anderen Köstlichkeiten hier leichtes Spiel hatte, versteht sich von selbst. Mit Gemälden aus der einzigartigen Landschaft der Po-Region wurde ebenfalls gepunktet. Auf Eppertshäuser Seite sieht es mit den Geschenken nicht ganz so einfach aus. „Wir wissen, dass unsere regionale Spezialität mit dem Äppelwoi dem italienischen Gaumen nicht ganz so mundet“, sagte Helfmann. Mit einer Sekt-Sonderabfüllung, die von der Gemeinde mit entsprechendem Etikett in Auftrag gegeben wurde, warte man laut dem Verwaltungschef aber mit einem ansprechenden und zugleich wohlschmeckenden Geschenk auf.

Quelle: op-online.de

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