„Tiny Steps“-Initiative soll Kinder sensibilisieren

„Tiny Steps“-Initiative soll Kinder sensibilisieren: Sinne für die Umwelt schärfen

+
Wer futtert wie viel Pflanzen? Die Kinder mussten den Anteil der Menschen, Wildtiere und der weit vorn liegenden Nutztiere anhand von unterschiedlich hoch mit Sand befüllten Schüsseln erraten. 

Seit ein paar Monaten gehen die Eppertshäuserinnen Alexandra Grimm und Nadine Feiler von „Tiny Steps“ (auf Deutsch „Kleine Schritte“) an die Öffentlichkeit.

Eppertshausen – Erste sichtbare Zeichen der privaten Initiative, die umweltfreundliches Denken und eine nachhaltige Lebensart auf lokaler Ebene ins Bewusstsein rücken möchte, waren Müllsammelaktionen im Ortsgebiet, die nach der Sommerpause fortgesetzt werden. Nun hielten die zwei Frauen in der Stephan-Gruber-Schule vor 50 Schülern der Ferienbetreuung einen Vortrag über Nachhaltigkeit.

Dafür hatten Grimm und Feiler das Thema in einer Präsentation kindgerecht aufbereitet, zeigten Fotos und Videos und ließen vor allem die Grundschüler selbst zu Wort kommen. Und die beteiligten sich in enormem Maß: Fast jedes der Kinder meldete sich im Verlauf des mehr als einstündigen theoretischen Parts des Vormittags zu Wort; teils mussten die „Tiny Steps“-Initiatorinnen darauf achtgeben, überhaupt zum nächsten inhaltlichen Aspekt des Austauschs voranzukommen. Denn die Kinder wussten zu Umweltthemen erstaunlich viel beizutragen.

Dies bezog sich nicht allein darauf, dass viele bereits ein gutes Gespür dafür haben, dass man beispielsweise Plastikmüll vermeiden und Getränke vor allem aus Glasflaschen beziehen sollte. „Ohne die Bäume hätten wir keinen Sauerstoff und könnten nicht existieren.“ „Wir machen hier manchmal Wettessen – und in Afrika haben die Menschen nicht genug.“ „Ich finde es schlecht, dass wir für die Gelatine in Gummibärchen Tiere töten.“ Derlei Aussagen kamen von einigen Schülern bereits erstaunlich reflektiert. Selbst das Wissen, dass Kohle ein dreckiger Energielieferant ist und zu viel Kohlendioxid in der Atmosphäre zur Erwärmung der Temperaturen auf der Erde führt, war bei einigen Kindern bereits vorhanden.

Daneben lagen die meisten allerdings, als Grimm und Feiler sie vor ein Rätsel stellten: Sie ließen die Gruber-Schüler drei Schüsseln mit unterschiedlichen Mengen Sand begutachten. Der Sand symbolisierte den Anteil der weltweiten Pflanzenernte mit Blick auf den Verzehr durch den Menschen, durch Wildtiere und durch Nutztiere. Dass Nutztiere den weitaus größten Anteil wegfuttern, damit die Menschen anschließend eben diese Tiere verspeisen können, war kaum einem Kind bewusst gewesen.

Lerneffekt: Die Sinne dafür schärfen, dass weniger Fleisch-, Wurst- und Milchkonsum einen positiven Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leistet. Der vorherige Einspieler mit den pupsenden Zeichentrick-Kühen hatte unter den Kids naturgemäß Gelächter erzeugt. Am Beispiel der stärker vegetarisch oder gar vegan geprägten Ernährungsweise verdeutlichten Grimm und Feiler den Kindern auch, dass ein geringerer Anbau von Pflanzen für Nutztiere und stattdessen für direkt für menschliche Mägen einen Beitrag zur Versorgung von derzeit schon mehr als sieben Milliarden Menschen auf dem Planeten schaffen würde.

Neben großen Fragen - was ist Kohlendioxid, wie funktioniert der Klimawandel, was sind Rohstoffe - gaben das „Tiny Steps“-Duo den Kindern auch Tipps mit, die sie schon am selben Abend vielleicht am heimischen Esstisch angesprochen haben: Altkleider kann man dem kleinen Geschwisterchen vermachen oder auf einer Kleiderparty mit Freunden tauschen, anstatt sie wegzuwerfen; Brot kann man zum Frischhalten in ein Küchentuch einwickeln, anstatt in eine Papier- oder Plastiktüte zu legen. „Wenn wir kleine Dinge im Alltag ändern, können wir schon viel für die Erde tun“, fasste es Alexandra Grimm zusammen. „Denn allein in Deutschland sind wir ja schon 80 Millionen.“

Ein bisschen was für Eppertshausen taten die Kinder im Anschluss an den Vortrag unmittelbar: Sie strömten in Gruppen aus, um rund um die Stephan-Gruber-Schule Müll aufzusammeln.

Von Jens Dörr

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare