Waldwirtschaftsplan

Dem Eppertshäuser Wald geht's schlecht: Sturm und Trockenheit lassen Bäume sterben

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Die schlechte Nachricht überbrachte Thomas Schmalenberg (rechts) vom Dieburger Forstamt den Eppertshäuser Gemeindevertretern. 

Als Thomas Schmalenberg und Lothar Seipp im vergangenen Jahr den Eppertshäuser Gemeindevertretern den Waldwirtschaftsplan (WWP) vorstellten, war ihnen die Verzweiflung deutlich anzumerken.

Eppertshausen – Als Thomas Schmalenberg und Lothar Seipp im vergangenen Jahr den Eppertshäuser Gemeindevertretern den Waldwirtschaftsplan (WWP) vorstellten, war ihnen die Verzweiflung deutlich anzumerken. Der Sturm mit dem unschuldigen Namen „Fabienne“ hatte erst wenige Wochen zuvor gewütet und einen stark geschädigten Wald hinterlassen. Bei der diesjährigen Vorstellung des WWP hatte sich der emotionale Sturm zwar wieder gelegt. Die Prognose für das kommende Jahr fiel jedoch ziemlich düster aus.

Waldwirtschaftsplan Eppertshausen: Hitze und Sturm setzt dem Wald zu 

„Wir legen Ihnen heute eine recht pessimistische Berechnung vor, aber wir können vor der Realität auch nicht die Augen verschließen“, sagte Schmalenberg den Gemeindevertretern zu Beginn ihrer Sitzung am Donnerstagabend. Und tatsächlich weist der Wirtschaftsplan für 2020 erstmals einen negativen Betrag aus. Wer sich die reinen Zahlen betrachtete, dürfte überrascht gewesen sein. War doch der Wald stets eine sichere Einnahmequelle.

Nach den Erläuterungen der Experten vom Forstamt Dieburg wurde schnell klar: Der Zustand des Waldes schließt einen wirtschaftlichen Ertrag praktisch aus. Zum einen hatte der nur 15 Minuten dauernde Sturm Schäden verursacht, die Waldbesitzer, Forstleute und Kommunen noch über Jahre hinweg beschäftigen werden. Zum anderen haben lang dauernde Hitzeperioden und extreme Trockenheit den Wald stark beansprucht.

Waldwirtschaftsplan Eppertshausen: Bäume krank - Zu wenig Regen und Schädlinge 

Zwei Sommer in Folge hat es viel zu wenig geregnet, weshalb die Bäume großem Stress ausgesetzt sind. Bis zu 200 Liter pro Quadratmeter Regen fehlten. Vor allem Buchen und Kiefern verkraften den Wassermangel nur schlecht. Im benachbarten Babenhäuser Wald sei jede vierte Kiefer bereits abgestorben oder „abgängig“, wie die Förster einen sterbenden Baum nennen.

„Wenn Bäume krank oder geschwächt sind, haben es Schädlinge leicht“, erklärte Schmalenberg. Pilze könnten die schwachen Bäume leicht befallen, ebenso wie der Borkenkäfer, der seit einiger Zeit beste Bedingungen vorfinde. Allein Sturm „Fabienne“ habe 70 .000 Kubikmeter Schadholz verursacht. Den Rest besorgten die Schädlinge. „Wir hatten also kurzfristig eine deutlich höhere Holzernte als üblich. Besonders in den wertvollen Baumbeständen gab es eine erhebliche Übernutzung.“

Waldwirtschaftsplan Eppertshausen: Forstamt berechnet Verlust

Das Prinzip der Marktwirtschaft gilt auch in der Waldwirtschaft, weshalb das Überangebot an Holz zu einem enormen Preisverfall geführt habe. „Manche Sägewerke würden das Holz bestimmter Baumarten nicht mal mehr nehmen, wenn wir es verschenkten“, sagte Schmalenberg. Dem gegenüber steht ein Mehraufwand, der durch die Beseitigung des Schadholzes und der Beförsterungsarbeiten entstanden. Für 2020 berechnete das Dieburger Forstamt deshalb einen Verlust von 9 800 Euro.

„In diesem Jahr konnten wir dagegen 40. 000 Euro erwirtschaften. Prognostiziert hatten wir nur 28 .000 Euro“, erklärte Lothar Seipp. Die Extremwetter ließen genaue Vorhersagen nicht mehr zu. Einen kleinen Lichtblick konnten die Forstleute aber auch bieten. „Wir können beobachten, dass sich der Wald an vielen Stellen natürlich selbst verjüngt. Besonders die Eichen hatten ein gutes Jahr, sodass wir jetzt viele junge Bäumchen sehen, die schon 30 bis 40 Zentimeter hoch sind“, sagte Eppertshausens Revierförster.

Waldwirtschaftsplan Eppertshausen: Wald mit Baumarten anreichern

Die natürliche Waldverjüngung sei immer vorteilhaft gegenüber der Pflanzung neuer Bäume durch den Menschen. Sämlinge seien robuster und perspektivisch widerstandfähiger und langlebiger. In anderen Bereichen werden die Förster jedoch nachhelfen. „Punktuell werden wir den Wald mit anderen Baumarten anreichern. Das können Roteiche, Atlaszeder oder Küstentanne sein“, sagte Schmalenberg. 

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zeta

Quelle: op-online.de

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