Konkurrenz belebt fairen Handel

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Viele Gäste informierten sich am Tag des Weltladens über die Entwicklung des fairen Handels.

Eppertshausen (mj) - Was hat die bevorstehende Fußball-Europameisterschaft mit dem Weltladen zu tun? Mehr als man zuerst glaubt: „Ab Juni haben wir für die Nation vor dem Fernseher auch Chips“, erzählt Klemens Euler, der Vorsitzende des Trägervereins.

Am Samstagmorgen war beim offiziellen Tag des Weltladens ein guter Überblick bezüglich des Angebots am Franz-Gruber-Platz möglich. Darüber hinaus lud die Einrichtung zum Frühstück ein. Es gab Kaffee, Muffins und eine Vielzahl leckerer und exotischer Brotaufstriche zu probieren. Alles war fair gehandelt, das heißt, mit Preisen für die Erzeuger, die sich gegen deren Ausbeutung in der Dritten Welt richten.

Nur das Wetter zeigte sich zum Draußensitzen als etwas frisch, so dass sich einige Besucher die Temperaturen wünschten, die in den Ländern der Weltladen-Produkte vorherrschen. „Naja, wir sind schon froh, dass es nicht regnet. Und zu schwül wäre auch nichts“, entgegnete Euler schmunzelnd.

Meiste Umsatz wird am Kaffee gemacht

Für ihn ist es kaum zu glauben, dass die Initiative zum Weltladen in Eppertshausen schon fast 20 Jahre her ist. Mit Charles Ross ging er damals das Projekt an. Heute umfasst der Trägerverein rund 50 Mitglieder. Der Jahresumsatz, nicht zu verwechseln mit dem Gewinn, stieg von einst 15.000 auf 55.000 Euro. Dazu wurde kräftig investiert, beispielsweise 10.000 Euro in Regalsysteme, so dass die 40 Quadratmeter Verkaufsfläche ein äußerst ansprechendes Ambiente bieten.

Der meiste Umsatz wird am Kaffee gemacht. Hier wird rund eine Tonne pro Jahr verkauft. Leider bleibe da auch am wenigsten hängen, denn bei der Kaffeessteuer, die in Deutschland immer noch existiere, halte der Staat mit 2,19 Euro pro Kilo die Hand auf. Für Euler, der sich um den Einkauf und die Werbung kümmert, ist das eine unnötige und dazu veraltete Abgabe. Da freue es ihn doch vielmehr, dass es in Südhessen schon rund ein Dutzend Weltläden gibt, auch wenn man durch die neuen Kollegen in Dieburg zuerst Einbußen in eigener Sache befürchtete. Das rührte daher, dass nicht wenige Dieburger - auch von der Aktionsgruppe, die später den Laden eröffnete - zum Einkaufen nach Eppertshausen kamen. Etwaige Sorgen hätten sich dann aber nicht bestätigt, stattdessen habe der Laden in Eppertshausen sogar noch etwas zugelegt, berichtet Euler.

75 Prozent der Betriebe sind in Asien

Für den Weltladen sind vor allem diese Ziele wichtig: Die Menschen in den kleinbäuerlichen Betrieben mit fairen Abnahmepreisen zu fördern sowie eine biologische und klimaverträgliche Erzeugung. Vor allem um die Existenzsicherung der Kleinbauern geht’s: „In Asien sind das 75 Prozent der Betriebe. Bei uns im Vergleich nur vier Prozent“, weiß Euler. Über Kooperativen in der Dritten Welt werde der faire Handel mit den Weltläden in Europa organisiert.

13 Jahre ist der Weltladen nun schon am Franz-Gruber-Platz angesiedelt. Während auch hier die meisten Geschäftsräume leer stehen, beweist sich der Weltladen als Fels in der Brandung und schaut optimistisch in die Zukunft. „In den Köpfen der Leute tut sich was“, berichtet Euler über ein gestiegenes Verantwortungsbewusstsein für globale Fragen.

Fair gehandeltes Speiseeis

Mit dem „Fairen Frühstück“ konnte weitere Aufklärung und die Werbetrommel in eigener Sache gerührt werden: „Die Leute haben vor allem die Möglichkeit, die neuen Sachen zu probieren“, erklärt Euler und deutet dabei auf das frisch eingetroffene Honig-Sortiment, die leckeren Aufstriche wie etwa Curry-Ananas, die Säfte oder auch das „Bajong Pop“-Müsli. Das Produkt aus Malaysia, das mit schwarzem gepopptem Wildreis gemacht wird, ist der Renner im Laden.

Doch damit nicht genug: Jetzt kommt ein weiteres Novum in den Eppertshäuser Weltladen: fair gehandeltes Speiseeis. Dass es dafür wie auch für die Chips Abnehmer gibt, ist sich Euler sicher. Vor allem die Schüler einer Fahrschule gegenüber suchten regelmäßig einen Snack und eine süße Verführung. „Hier wird in Bezug auf das Eis schon gescharrt“, ist sich Euler sicher.

Quelle: op-online.de

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