Europa und Afrika an einem Tisch

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Bei Familie Panzacchi-Towoua ist der Esstisch mit internationalen Leckereien immer für viele Gäste gedeckt.

Eppertshausen - Ein voll gedeckter Tisch mit mediterranen Köstlichkeiten ist bei der Eppertshäuser Familie Panzacchi-Towoua keine Seltenheit, denn in der Küche waltet eine waschechte Italienerin. Von Jasmin Frank

„Für uns steht die Familie im Vordergrund und da gehört eine gemeinsame Mahlzeit am Tag einfach mit dazu“, findet Barbara Panzacchi-Towoua.

Doch oft finden sich noch weitere Besucher ein, Freunde der Familie oder der drei Kinder kommen gern in das kleine Haus, in dem immer etwas los ist. Doch auch kürzlich, als mal wieder Stühle aus dem Keller hervorgeholt werden mussten, damit alle Platz finden, kam es zur schon gewohnten Frage: „Warum sprecht ihr so komisch?“, wollte der kleine Janne wissen und schob gleich hinterher: „Das sind doch ganz verschiedene Sprachen, oder?“

Kinder sprechen Italienisch, Französisch und Deutsch

Lachend erklärt die blonde Italienerin nicht zum ersten Mal die Zusammenhänge: „Ich spreche mit den Kindern italienisch, mein Mann, der aus Kamerun kommt, spricht mit ihnen französisch. Untereinander reden sie häufig deutsch, mein Mann und ich unterhalten uns wiederum auf französisch. Wenn Gäste da sind, die diese Sprachen nicht verstehen, reden wir natürlich deutsch. Außerdem können wir alle gut englisch, das brauchen wir in unseren Berufen.“ Somit sind alle drei Kinder der internationalen Familie von Anfang an dreisprachig aufgewachsen, ein durchaus seltenes Phänomen, wie Panzacchi-Towoua weiß.

Überraschender Weise hatten die beiden großen Kinder Joel und Gabi keine Probleme mit der deutschen Sprache, als sie mit drei Jahren in den Kindergarten kamen und dort erstmals etwas anderes als Italienisch oder Französisch zu hören bekamen. „Bei unserer jüngsten, Nico, war das anders. Damals habe ich schon früh wieder gearbeitet und deshalb war sie wesentlich jünger, als sie deutsch gelernt hat, trotzdem war es für sie schwieriger“, wundert sich die Logistiksachbearbeiterin, die in einem französischen Unternehmen arbeitet, bei dem sie ihre vielfältigen Sprachkenntnisse gut einsetzen kann.

„Wir hatten nie Probleme in Eppertshausen heimisch zu werden“

Die dreifache Mutter hat immer mit für den Lebensunterhalt der Familie gesorgt und ist auch privat sehr engagiert, so ist sie im Vorstand des Partnerschaftsvereins Codigoro und befasst sich derzeit mit der Organisation des italienischen Abends am 25. Juni im Pfarrgarten, für den noch eine Band gesucht wird, die italienische Unterhaltungsmusik spielen kann.

„Wir hatten nie Probleme, hier in Eppertshausen heimisch zu werden und fremdenfeindliche Sprüche hat bisher nur unsere Gabi über sich ergehen lassen müssen, aber das kommt selten vor. Wir sind über die katholische Gemeinde sehr gut aufgenommen worden“, erinnert sich Barbara. Dort ist sie Mitglied im Verwaltungsrat und hat ebenfalls viel zu tun. Die Mehrsprachigkeit der Familie ist für alle Mitglieder ein Gewinn, Vater Merlin Towoua benötigt bei seiner Arbeit als Netzwerkadministrator ohnehin hauptsächlich Englisch und auch die Kinder sind froh, über ihre Fähigkeiten. „Für mich war das ja von klein auf selbstverständlich und ist bis heute eine Gewohnheit geblieben. Ich kann schnell zwischen den verschiedenen Sprachen hin- und herschalten, nur manchmal fällt mir ein Wort in Französisch nicht ein. In der Schule sind die Sprachkenntnisse natürlich von Vorteil, allerdings helfen sie mir nur im Mündlichen, das Schriftliche muss ich genauso lernen, wie andere auch“, meint Joel.

„Man muss immer Ziele haben und vorangehen.“

Er findet nicht, dass seine Familie anders ist als andere, auch wenn ihn die Freunde darum beneiden, wo er überall herumkommt. „Meine Großeltern in Italien besuche ich häufig, meine Tante lebt in London, dort fliegen wir auch manchmal hin, aber in Kamerun war ich erst einmal, das war ein wirklich besonderes Erlebnis. Dort ist das Leben ganz anders als hier, allein das Verkehrschaos ist unbeschreiblich“, erzählt Joel.

Für seinen Vater ist das Leben fern der Heimat nicht immer einfach, doch hat er sich von seinen Anfängen als Küchenhilfe in Frankfurt mit Kursen zum Manager einer Fast-Food-Filiale hochgearbeitet. „Man muss immer Ziele haben und vorangehen, deshalb habe ich dann zum Netzwerkadministrator umgeschult, denn in diesem Bereich sehe ich die Zukunft“, erzählt Towoua. Auch die Kinder sind aktiv: Allesamt sind sie bei den Pfadfindern, treiben Sport in verschiedenen Vereinen und die kleine Nico spielt Klarinette im Musikverein 08 Ober-Roden. So haben alle Familienmitglieder eine ausgefüllte Woche hinter sich, wenn sie sich an Ostern gemeinsam mit den Freunden zum italienischen Abendessen am großen Tisch niederlassen und den Abend bei einem guten Essen ausklingen lassen.

Quelle: op-online.de

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