170 Fahrräder für rumänische Kinder

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Seit dem Hilfstransport 2008 hat sich das Lager von „Casa dii Copii“ im Keller des Eppertshäuser Rathauses wieder gut gefüllt. Am 15. und 16. Oktober werden die Kisten auf zwei Sattelschlepper verladen – diese brechen am 19. Oktober auf.

Eppertshausen - „Die Wirtschaftskrise merken auch wir. Vor allem Hygieneartikel haben wir dieses Jahr deutlich weniger bekommen“, erzählt Sascha Wolf. Er ist Transportkoordinator der Rumänien-Hilfe der katholischen Pfarrgemeinde St. Sebastian. Von Michael Just

Denn am 19. Oktober ist es wieder soweit: Dann werden zwei gemietete Sattelschlepper für das „Projekt Casa di Copii“, das einst von Pfarrer Harald Christian Röper ins Leben gerufen wurde, nach Südosteuropa rollen. Bestand der Hilfstransport anfangs fast ausschließlich aus privaten Spenden wie Kleidung und nicht mehr benötigten Gebrauchsartikeln, hat Wolf im Lauf der Jahre auch Firmen angeschrieben, um Restposten und Überproduktionen zu erhalten. Diese reichten zuletzt von Matratzen bis Shampoo.

In wenigen Wochen steht nun die 18. Tour nach Ajud und Sincrai an. Unter anderem gehören ein Krankenhaus, eine Schule und ein Waisenhaus zu den Zielen. Auf die Frage, ob sich der Lebensstandard in Rumänien nach dem EU-Beitritt nicht verbessert hat, antwortet Wolf mit „Ja und nein“: So sei der Lebensstandard angestiegen, doch die Wirtschaftskrise habe das Land wieder nach unten gezogen. „Bei uns werden zum Beispiel milliardenschwere Hilfsprogramme von der Regierung aufgelegt. Die gibt es dort nicht“, erklärt der ehemalige Zivi der Kirchengemeinde. So sieht er die bevorstehende Fahrt gerade in diesem Jahr als sinnvoll an.

Das Lager ist bis unter die Decke gefüllt

Wer in den großen Lagerkeller im Eppertshäuser Rathaus blickt, stellt fest, dass dieser bis unter die Decke gefüllt ist. Auf rund 50 Kubikmetern stapeln sich die abgegebenen Sachen, die Kirchenmitglieder zum Teil schon in Umzugskisten verpackt und beschriftet haben.

Auch 2009 sprechen die Zahlen für sich: Alleine 170 Fahrräder wurden zusammen getragen. Im Vergleich: 2008 waren es nur 150. „Vermutlich haben viele die Abwrackprämie genutzt und jetzt ein neues Auto. Da wird so manches Rad überflüssig“, scherzt Wolf über die große Flut an Drahteseln. Eine Frau unterstützte vor wenigen Tagen die Aktion, indem sie sage und schreibe 300 neue Handtücher für die gute Sache kaufte.

Vor allem die Kleiderspenden wollten beim letzten offiziellen Annahmetermin kein Ende nehmen. Fast minütlich kamen Menschen mit drei, manchmal sogar vier bis fünf großen Plastiktüten an, die zum Bersten gefüllt waren. „Da ist der Nachwuchs rausgewachsen“, erzählt ein Mann. Zum Teil stamme die Kleidung von seinen drei Kindern, Bekannte hätten weitere „Sammlungen“ beigesteuert. „Das kommt alles bei uns an und wir schaffen es dann hierher“, ergänzt er.

Zwei Roller beziehungsweise Kick-Boards steuert eine Frau zum Fundus bei, die ihr in die Hände fielen, als sie kürzlich die Garage auf Vordermann brachte. „Meine Kinder sind 18 und 20 Jahre alt, die brauchen das nicht mehr.“ Auf den Flohmarkt wollte sie damit aber nicht gehen: „Das macht keinen Spaß, weil man nur runtergehandelt wird. Da verschenke ich die Sachen lieber.“

Eine Flohmarktmüdigkeit ist das Ergebnis

Dass die gespendete Neuware von Firmen weniger wird und dafür gebrauchte Artikel von privat zunehmen, erklärt Wolf mit der Wirtschaftskrise und der Tatsache, dass sich „Second-Hand“ heute nur noch schwer verkaufen lässt. „Viele kommen nur noch zum Gucken auf den Flohmarkt, aber nicht zum Kaufen. Die Leute haben einfach alles“, meint Sascha Wolf.

Das Ergebnis sei eine Flohmarktmüdigkeit: „Immer weniger Leute haben Lust, ihre Sachen erst hin- und am Ende wieder mit nach Hause zu schleppen.“ So profitiere am Ende auch Casa dii Copii von diesem Trend. Die Flut von Kleidung führt Wolf auf die Textildiscounter zurück, die ihre Waren immer billiger anbieten. Das merke er vor allen bei Kindersachen: „Die Zeiten, als Hosen und Pullover an Geschwister weitergegeben wurden, ist vorbei. In der Folge war die gespendete Kinderkleidung oft in einem so schlechten Zustand, dass man sie selbst Menschen im armen Osteuropa nicht mehr zumuten konnte“, erzählt der 34-jährige Kommunikationselektroniker. Heute finde man stattdessen „super Sachen“ darunter: „Was bei Basaren nicht verkauft wird, landet in der Regel bei uns“, fährt Wolf fort. Oft seien noch die Preisschildchen dran: „Dann wundern wir uns, dass sie im Cent- und nicht im Euro-Bereich liegen.“

Nicht im Cent-Bereich liegen die Kosten für den Transport: Obwohl in diesem Jahr die Spritpreise günstiger sind und so bis zu 800 Euro eingespart werden, fallen Kosten von rund 5 000 Euro an – die Organisatoren sind dabei auf Spenden angewiesen.

Quelle: op-online.de

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