Alles, außer venezianisch

Riesenandrang auf die 18. Fastnachtsbörse von St. Sebastian

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Unvergleichlicher Erfolg: Die Fastnachtsbörse der Kita St. Sebastian erfreut sich mittlerweile einer Bekanntheit in der gesamten Region.

Eppertshausen - Zur 18 Fastnachtsbörse hatte die Kita St. Sebastian eingeladen und der Ansturm auf die rund 1 600 Second-Hand-Kostüme war erneut riesig. Von Michael Just

Von Höchst im Odenwald nach Eppertshausen sind es hin und zurück fast 60 Kilometer. Am Sonntag hielt diese Strecke Gabi Throm-Eidner und drei Freundinnen nicht davon ab, in die Bürgerhalle zur vorsortierten Faschingsbörse der Kindertagesstätte St. Sebastian zu kommen. „Wir sind Mitglieder des Carnevalclub Blau Gelb Höchst und suchen ein Kostüm“, erklärte die 57-Jährige. Das sollte unbedingt zum aktuellen Kampagnen-Motto „Venezianische Nacht“ passen. Laut Kollegin Petra Neff lässt der Titel viel Spielraum bei der Garderobenauswahl. So gebe es im venetianischen Karneval allerlei Figuren wie den Harlekin, den Pierrot, den Advokanten und selbst eine Darstellungsform der Pest.

Mit sage und schreibe 1 600 Kostümen erwies sich die Auswahl in der Bürgerhalle als äußerst passabel. Die Menge an Gewändern bedeutete einen Zuwachs zum letzten Jahr. Mittlerweile sind 18 Jahre seit der ersten Börse vergangen. Die fand noch recht überschaubar in den Räumen der Kita statt. Der fast unbeschreibliche Siegeszug der Veranstaltung wurde deutlich, als sich die Tore öffneten und das Flatterband entfernt wurde: Über 250 Personen strömten innerhalb von zehn Minuten an die Ständer mit der Hoffnung, eine passende Verkleidung für die fünfte Jahreszeit zu ergattern. „Um den großen Zuspruch zu bewältigen, benötigen wir mittlerweile 50 Dienste und eine Security am Eingang“, erläuterte Anja Kühnscherf, eine der Mütter aus dem Organisationsteam. Wie sie sagt, werden fleißige Hände beim Vor- und Nachsortieren, bei der Preisauszeichnung, an der Kasse, als Aufsicht oder in der Cafeteria benötigt.

Das Gros der Helfer sind Eltern, zum Teil sogar Großeltern. Sie alle wissen, dass der Nachwuchs von den Einnahmen profitiert. So wird der Gesamterlös gleichmäßig auf die einzelnen Kita-Gruppen verteilt. 15 Prozent vom Verkaufspreis der Kleider sowie eine Startgebühr von vier Euro pro zehn Kostüme behält die Kita ein. In den letzten Jahren kam dabei stets ein Gewinn von rund 2 000 Euro zustande. Die Kostüm-Verkäufer, die zum Teil Fastnachtsgruppen aus der Region angehören, sind mit dieser Handhabe einverstanden. Sie kommen aus dem gesamten Umland, darunter aus Dieburg, Babenhausen, Rödermark oder dem Aschaffenburger Raum. Der Einzugsbereich der Käufer ist ähnlich weit gestreut. Hier wurden Darmstädter und Karnevalisten aus Beerfelden ausgemacht. Beerfelden liegt noch 25 Kilometer tiefer im Odenwald als Höchst.

Archivbilder

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Mit dem Damen-Quartett aus Höchst kamen echte Fasching-Fans nach Eppertshausen. „Unsere Gruppe macht von Altweiberfastnacht bis Aschermittwoch Remmidemmi“, berichtet Gabi Throm-Eidner. So besuche man am Sonntag den Umzug in Sandbach, am Rosenmontag den in Mühlheim am Main und am Dienstag als Abschluss den Lindwurm in Erbach. „Hinzu kommen noch die Sitzungen“, erklärt die Fußpflegerin mit Stolz über so viel Energie. „Der längste Umzug ist in Mühlheim. Der ist fünf Kilometer lang, gefühlt sind es aber zwölf“, sagen die Frauen lachend über die mehr als zwei Stunden, die es am Straßenrand benötigt, bis alle Zugnummern vorbeimarschiert sind.

Überraschender Weise wurde die Höchster „Garde“ bei ihrer Einkaufstour in Sachen venezianisches Narrenkostüm nicht fündig. „Vielleicht ist es doch zu speziell“, gestand die Gruppe ein. Für die Kita St. Sebastian war die Börse trotzdem ein großer Erfolg. Das finanzielle Ergebnis von 2016 wurde überboten. „Fast 70 Prozent der Kostüme gingen weg. Insgesamt haben wir rund 700 Besucher gezählt“, vermeldete Anja Kühnscherf nach dem närrischen Second-Hand-Verkauf. Die Damen aus dem Odenwald wollen sich nun nochmal in der Geschäftswelt umgucken, um eine venezianische Robe zu finden. Weitere Fehlversuche sehen sie entspannt: „Das ist nur ein Motto. Die Pflicht für ein solches Kostüm besteht nicht.“

Quelle: op-online.de

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