Fehlstart für Sponsorenlauf

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David Baier und Mutter Brigitta waren im Vorfeld des Sponsorenlaufs für den an Muskelschwund erkrankten Jungen nicht gefragt worden, ob ihnen das recht ist. Eingeladen zum Integrationsfest wurden sie auch nicht. Und die bereits im September angekündigte Spende über 500 Euro fällt wohl geringer aus.

Eppertshausen - Da kann er sich aber freuen, der David Baier, dass er schon am 26. Februar mit einer Spende bedacht werden wird, für die am 17. September letzten Jahres ein Sponsorenlauf beim Hessischen Integrationsfest veranstaltet wurde. Von Thomas Meier

Zu dem er zwar ungefragt seinen Namen geben musste, aber nicht einmal eine Einladung zum Ereignis bekommen hatte. Der 14-Jährige leidet an Spinaler Muskelatrophie und ist an den Rollstuhl gefesselt. Er kann sich nicht einmal gegen eine solche Vereinnahmung wehren und auch seine Mutter Brigitta hat „weiß Gott genügend anderes zu tun, als auf solche Unverfrorenheiten einzugehen“, wie sie beteuert. Die ungewollte Vereinnahmung hat der Gesundheits- und Kampfsportverein (GKV) Lotus Eppertshausen zu verantworten.

Doch der Reihe nach: Das dritte Integrationsfestival im Sportzentrum Eppertshausen am 17. September wurde veranstaltet vom Paul-Ehrlich-Institut und dem GKV. Lotus-Vorsitzender Ernes Erko Kalac hatte als „Integrationsbotschafter des Deutschen Olypischen Sportbundes (DOSB)“ das Programm zusammengestellt, zu dem auch der Sponsorenlauf gehörte. Dessen Erlös sollte an den 14-jährigen Eppertshäuser gehen, der an der seltenen Glasknochenkrankheit leidet. Kalac erklärte im Vorfeld der Veranstaltung, David sei bei seinem Verein kein Unbekannter: „In der Vergangenheit war er von dem großen Wunsch erfüllt, beim Karatetraining einzusteigen.“ Man sei froh, dass ihm auf diesem Weg ein Teil der Lotus-Arbeit zugute komme. Und: Schon bei einer Reihe Lotus-Veranstaltungen habe Baiers Unterstützung im Fokus gestanden.

500 Euro beim Sponsorenlauf zusammen gekommen

Nach dem Integrationsfestival vermeldete Kalac am 20. September in unserer Zeitung, 500 Euro seien beim Sponsorenlauf zusammen gekommen, um die Situation ums häusliche Umfeld des Kindes zu verbessern. (Letztes Jahr sorgten sich viele Eppertshäuser Vereine, Handwerker, Politiker und Privatleute um den Jungen, für den ein behindertengerechter Anbau am Haus entstehen sollte).

Die Darstellung des Karatetrainers Kalac kann und will Mutter Baier so nicht stehen lassen. Sie möchte ihren mehrfachbehinderten Sohn nicht ungefragt als Werbeträger für einen Kampfsportverein missbraucht wissen. Und dass Gymnasiast David in seiner Grundschulzeit einmal bei einer Lotus-Vorführung im Sportzentrum Eppertshausens zugeschaut habe dahingehend zu interpretieren, der Junge habe beim Karatetraining einsteigen wollen, klinge wie Hohn: David saß damals schon lange im Rollstuhl, sehr wohl um die Beschaffenheit seiner Glasknochen wissend.

Von dem Sponsorenlauf erfuhr der damals 13-Jährige über einen Schulkameraden. Der kam mit der Ankündigung des Integrationsfestes in der Offenbach-Post zu seinem Freund, erzählte: „Du, da gehe ich auch hin, da gibt es einen Sponsorenlauf für Dich. Ich renne mit.“

Keine offizielle Begrüßung

So erfuhr David von seinem Glück, dass sich bis heute nicht in barer Münze auszahlen sollte. Eine Einladung gab es auch nicht, trotzdem ging David für ein Viertelstündchen auf das Fest, seine Läufer anfeuernd. Unbemerkt indes von jeglichen Festivalveranstaltern, denn eine offizielle Begrüßung für den Namensgeber des Laufes gab es nicht.

Am vergangenen Wochenende konnte David dank großer Unterstützung in den Anbau einziehen, den so viele Helfer der alleinerziehenden Mutter und ihm ermöglichten. Auch ohne Unterstützung durch Lotus.

Ernes Erko Kalac hat indes für alles eine Erklärung: Man habe David nicht nach Erlaubnis für den Sponsorenlauf gefragt, weil man ja schon einmal 2009 rund 200 Euro für ihn gesammelt habe und so davon ausgegangen sei, in seinem Einverständnis zu handeln. Eingeladen habe man ihn nicht, weil er immer willkommen sei. Und die 500 Euro habe man noch nicht weiter gegeben, weil es erstens doch nicht soviel geworden sei, und weil zweitens „einige unserer Sponsoren uns noch kein Geld überwiesen haben.“ So habe eine Firma beispielsweise eine Rechnung über 200 Euro verlangt. „Und wir als Verein können für einen Sponsorenlauf doch keine Rechnung ausstellen. Was würde das Finanzamt dazu sagen“, erklärt Kalac.

Zehnjähriges Bestehen von Lotus

Man feiere am 26. Februar zehnjähriges Bestehen von Lotus, dazu werde man Familie Baier nun einladen und das Geld „als Überraschung“ übergeben, sagte der Integrationsbotschafter gestern Morgen am Telefon.

Dass Baiers nichts von früheren Zuwendungen von Lotus wissen, weiß Kalac auch zu erklären. Man habe damals anonym auf das Konto bei der Volksbank überwiesen. Man wolle schließlich Gutes tun, nicht sich in solchen Taten sonnen.

Und auf diese Idee verfiel der Botschafter der Eingliederung gestern im Laufe des späteren Vormittags wohl wieder, denn er rief am Mittag in der OP-Redaktion an. Man werde David doch nicht erst zur Versammlung mit der Spende bedenken, sondern umgehend den Betrag auf das Konto bei der Volksbank überweisen. Wieder anonym...

Quelle: op-online.de

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