Ferienfreizeit in Eppertshausen

Hammer für Hütte geschwungen

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Fast fertig: Kinder und Betreuer zeigten sich zurecht stolz auf ihr Werk.

Eppertshausen - Früher spielten die Kinder vorrangig in Feld und Wald, wo sie Höhlen und Baumhäuser bauten. Heute sitzen viele mit der Maus oder dem Joystick vorm Computer, was vielfach zum Verlust von wichtigen motorischen Fähigkeiten führt. Von Michael Just

Der Feinmotorik und den handwerklichen Fähigkeiten wurde jetzt bei der Ferienfreizeit auf die Sprünge geholfen. „Wir bauen eine Hütte“ hieß es ein ganzes Wochenende vor der Bürgerhalle. Fachmännische Anleitung gab es vom neuen Jugendpfleger Detlef Pröve sowie den Jugendtreff-Mitarbeitern Stephanie Groh und Ismail Özdemir.  „Mit dem Bau schlagen wir gleich zwei Fliegen mit einer Klappe“, erzählt Stephanie Groh. „Einerseits bieten wir den Kindern eine interessante Beschäftigung, andererseits kann sich die Jugendförderung darin beim Weihnachtsmarkt vorstellen.“ In der Vergangenheit nahm die Jugendpflege mit einem Pavillion bereits am Weihnachtsmarkt teil. „Bei Regen wurde das aber immer eine feuchte Angelegenheit. Deshalb kam uns bereits vor fünf Jahren die Idee zu einem solchen Bau“, ergänzt Ismail Özdemir, der professionell mit Werkzeuggürtel, Knieschoner und einer Schutzbrille auftrat. Pläne und Anleitungen brauchte es zum Bau der Hütte nicht. Wie Detlef Pröve bekundete, bringe er diesbezüglich schon Erfahrung von zu Hause mit. Mit seinem Bus besorgte er in einem Baumarkt die Materialien. Dafür stellte die Gemeinde 300 Euro zur Verfügung. Da die Latten aus leichtem Fichten- und Tannenholz bestanden, fiel das Bearbeiten, wie etwa das Sägen mit dem Fuchsschwanz nicht schwer.

Zu Beginn wurde ein Grundgerüst verschraubt und das im Anschluss mit Vertäfelungsbrettern verkleidet. Auch die Tür wurde nicht vergessen. Der Anstrich folgte zuletzt. Das Dach zeigte sich mit Latten, über die eine wasserdichte Plane geworfen wird, als simpel und dennoch wirkungsvoll. „Die Hütte sollte von jedermann schnell und ohne Probleme auf- und abzubauen sein“, hebt Pröve hervor. Das gewährleisten vier Seitenteile, deren Scharniere schnell und einfach zusammenzustecken sind. Leider zeigte sich die Resonanz zum „Hütten-Workshop“ nicht so gut wie erhofft. Im Vorfeld lagen nur drei Anmeldungen vor, ein vierter Teilnehmer stieß noch dazu. Das angekündigte Zelten auf dem Bolzplatz wurde aufgrund des instabilen Wetters sein gelassen und dafür zweimal im Jugendtreff übernachtet. Wie vorgesehen, wurde selbst gekocht und abends gegrillt. Unerwartete Unterstützung gab es am Freitag aus der Bevölkerung, als eine Mutter, deren Kind nicht am Projekt teilnahm, für das Mittagessen mit Hackbällchen, Broccoli und Blumenkohl sowie einem Käsekuchen sorgte. Zu den aktivsten Kindern am Wochenende gehörte die zwölfjährige Jessica Pretscherno. „Ich finde das interessant. Eine Hütte baut man nicht so oft“, sagte die Schülerin, die keinerlei Scheu im Umgang mit Werkzeug zeigte.

Neueröffnung der Thomashütte (2013)

Neueröffnung der Thomashütte

„Immer wenn’s bei uns kreativ wird, ist sie dabei“, lobt Stephanie Groh die junge Eppertshäuserin. „Bei so viel Frauenpower sollte man eigentlich überlegen, die Hütte pink anzustreichen“, lautet deshalb ihr nicht ganz ernst gemeinter Vorschlag.  Auch Hidir (10) und Ben (10) zeigten sich engagiert. Mit Hammer und Nagel sorgten sie für die Seitenverkleidung der Hütte. „Die Nägel nicht zu nahe an Zarge und Nut reinklopfen. Und immer zwei Nägel nehmen, damit nichts verrutscht“, riet ihnen Pröve im Vorfeld. Damit die Hütte beim Weihnachtsmarkt mit bunten Lichtern leuchtet, wird sich Ismail Özdemir, der Elektriker gelernt hat, die nächsten Tagen noch um die passenden Anschlüsse kümmern. Als am Samstagnachmittag die letzten Stellen mit brauner Farbe überzogen werden, stellte sich bei allen Beteiligten Stolz ein. Den brachte Stephanie Groh nochmal auf den Punkt: „Jetzt mal ehrlich: Wo kriegt man denn, abgesehen von der Arbeitslehre in der Schule, so was praktisches wie den Bau einer Hütte vermittelt?“

Quelle: op-online.de

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