Fest der Nationen

Mit Caipis und Spaß-WM

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Brasilien und Eritrea lebten beim Fest der Nationen die perfekte Nachbarschaft mit Caipirinha und einem afrikanischen Kaffee mit frisch gerösteten Bohnen vor.

Eppertshausen - Was gehört in eine Caipirinha? „Die Basis ist Cachaca, ein destillierter Zuckerrohrsaft, dazu gepresste Limetten sowie Zucker und Eis“, sagt Sueli Küpper-Tetzel. Von Michael Just 

Sie muss es wissen, denn zum einen ist die Eppertshäuserin gebürtig aus Brasilien, zum anderen gehörte beim Fest der Nationen „Caipi“ als unverzichtbarer Bestandteil zu ihrem Stand. Mit dem dritten großen Fest der Nationen verwandelte sich der Franz-Gruber-Platz erneut in einen Platz der Begegnung und der Kultur, wo Menschen verschiedener Herkunft Brücken schlugen und zusammen feierten. Letztmals fand die Veranstaltung vor sechs Jahren statt. „Es steckt viel Arbeit dahinter. Schließlich beruhen die meisten Stände auf Privatinitiative“, erklärte die Frau aus Sao Paulo, die vor 28 Jahren der Liebe wegen nach Eppertshausen zog. Die Festpremiere fand im Jahr 2000 statt, seitdem zählt Sueli Küpper-Tetzel zu den treibenden Kräften für eine regelmäßige Neuausrichtung. In diesem Jahr unterstützten sie im Organisationkomitee ihr Mann Udo sowie Stephanie Groh, Michael Roth und Michael Buysch.

Wie Bürgermeister Carsten Helfmann sagte, leben in Eppertshausen mittlerweile 70 Nationen. Alle wurden angeschrieben und gefragt, ob sie sich beteiligen wollen. Am Ende kamen mit Italien, Eritrea, Bosnien-Herzegowina, Kamerun, Österreich, Frankreich, Brasilien, Jordanien/Palästina der Türkei und Deutschland zehn Länder zusammen, die neben dem Austausch zu landestypischem Essen und Getränken einluden. „Das Gros der Stände entwickelte sich erst durch persönliche Anfragen“, weiß Sueli Küpper-Tetzel, die von Bürgermeister Carsten Helfmann als Power-Frau bezeichnet wurde.

Italienische „Botschaft“ aus der Partnergemeinde

Um die italienische „Botschaft“ kümmerte sich der Partnerschaftsverein Codigoro. Hier war die Freude besonders groß, denn zum Fest kam extra eine 13-köpfige Gruppe aus der Partnergemeinde über die Alpen. Mit das größte Buffet fuhr das türkische Zelt auf, aber auch die Genüsse von Ibrahim Zayed und seiner Frau Judith, die das Paar in Eigenarbeit zubereitet hatte, konnte sich am Stand „Jordanien/Palästina“ sehen lassen. Dazu gehörten gefüllte Zucchini, Auberginen oder Kohlrouladen. Tee und Kaffee waren kostenlos. „Das verlangt die arabische Gastfreundschaft“, so Zayed, der 1964 als palästinensischer Flüchtling in Deutschland eine neue Heimat fand und Medizin studierte. „Ich habe Deutschland viel zu verdanken“, sagte der heute 73-Jährige. Auch dem jordanischen König: „Der nahm einst tausende Palästinenser auf und gab ihnen Pässe. Heute kümmert sich Jordanien um syrische Flüchtlinge“, weiß Zayed, der deshalb seinen Stand aus Achtung, neben Palästina, zusätzlich mit Jordanien und einem Bild der Hauptsehenswürdigkeit des Landes, der Ruinenstadt Petra, überschrieben hatte.

Interessante Einblicke bot auch Berhan Aberehale für Eritrea: Sie servierte landestypisches Brot, einen Snack aus Rosinen, Nüssen und Popcorn sowie einen Kaffee, dessen grüne Bohnen kurz zuvor ganz frisch geröstet wurden. Deutschland war ebenfalls vertreten: Dafür sorgte der FVE und bot Leberkäse mit Weizenbier. Bis in die späten Abendstunden ging das Fest, das zu den Ständen ein durchgehendes Bühnenprogramm mit Gesang und Tanz bot. Hier engagierten sich unter anderem der OWK, der Jugendchor des Liederkranz-Frohsinn, die FVCA-Garde, der TAV oder die Tanzgruppe des deutsch-türkischen Freundschaftsverein Rödermark. Ferner gab es Capoeira- und eine Tango-Vorführungen sowie brasilianischen Gesang.

Erlochfest als Schmelztiegel der Nationen und Kulturen (2013)

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Alle Akteure traten kostenfrei auf, was Sueli Küpper-Tetzel besonders wichtig war, denn das Fest der Nationen wollte das Orga-Team unbedingt als Benefizveranstaltung wissen. So geht der Erlös aus den Standverkäufen, der Tombola und weiteren Spenden komplett an das Hort-Projekt „Casa Nazare“, das in der Nähe von Fortaleza Kinder von drogenabhängigen Eltern betreut. Durch seine Kontakte konnte Udo Küpper-Tetzel äußert lukrative Preise für die Tombola generieren, darunter ein Fluggutschein von Condor für zwei Personen nach Brasilien oder zwei Trikots der deutschen Nationalmannschaft mit Spieler-Unterschriften.

Ideal zur Fußball-WM passte der lebende Tischkicker, den Lutz Murmann mit Hilfe der Volksbank aufgestellt hatte. Aufgeblasen kam hier ein 20-Meter langes Mini-Stadion zustande. Die Hände mit den riesigen Querstreben verbunden, mussten die zehn Teams, die sich im Vorfeld angemeldet hatten, versuchen, mit synchronen Bewegungsabläufen Tore zu schießen. Das entwickelte sich zu einer riesen Gaudi und zu einem Hauptanziehungspunkt des Festes. Bisher fand das Fest der Nationen nur unregelmäßig statt. Zukünftig will man es im dreijährigen Turnus abwechselnd mit den Passionsspielen und der Gewerbemeile veranstalten.

Quelle: op-online.de

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