Zoff nur für die Kamera inszeniert

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Die Rangelei um den Ball wird von den künftigen Streitschlichtern nur für die Kamera der FH-Studenten in Szene gesetzt.

Eppertshausen - Ausgerechnet diejenigen zoffen sich auf dem Schulhof, die doch dazu auserkoren sind, künftig effektiv jeden sich anbahnenden Streit möglichst zu schlichten. Und dann prügeln sie sich fast auch noch um den Ball – und dies alles vor der Kamera. Von Thomas Meier

Beabsichtigt, denn die rund 20 Schüler machen sich in der Projektwoche der Stephan-Gruber-Schule (SGS) schon mal fit als Streitschlichter.

Und genau diese anvisierte Ausbildung, die übers tägliche Einmaleins hinausgeht, ist das Thema der Semesterabschlussarbeit dreier Studenten aus Dieburg. Die Zweitsemester im Studiengang digitale Medien mit Schwerpunkt Film an der FH Darmstadt, Campus Dieburg, müssen einen Film abliefern, möglichst mit dokumentarisch reizvollem Anteil. Und eben das Thema Schüler als Streitschlichter erschien Daniel Hercenberger, Simon Pilarski und Michael Gödde hierfür geradezu prädestiniert. Sie fanden in der Leiterin des Schulsports an der SGS, Monika Heinlein, eine Befürworterin, und so wurden die künftigen Streitschlichter gleich mal zu Comparsen und Schauspielern für eine Studenten-Doku.

Hinter dem außergewöhnlichen Projekt steht freilich auch Schulleiterin Marion Lehr, die schon „Faustlos“, ein für die Grundschule entwickeltes Curriculum, das impulsives und aggressives Verhalten von sechs- bis zehnjährigen Kindern vermindern und ihre sozialen Kompetenzen erhöhen soll, an der Schule etablierte.

Mit dem Streitschlichterprojekt möchte die SGS ein friedliches und respektvolles Miteinander der Schüler fördern und festigen. Konflikte gehören zum Leben dazu, es ist den Pädagogen dabei wichtig, das Wie des Streitens zu vermitteln. Dazu gehört, dass die Schüler einen konstruktiven Umgang mit Konflikten und der Schlichtung von Streit erlernen. Und die Projektwoche – obwohl eigentlich dem Thema „Gesunde Schule“ gewidmet – eignet sich für die ausgesuchten Schlichter in spe als Trainingswoche.

Lob für die Gemeinde Eppertshausen

Stoff, der den Dieburger Studenten zupass kommt. Sie begleiten filmisch die Übungs-Streiteschlichterei an fünf Tagen jeweils von 8 bis 12 Uhr. Daniel Hercenberger, zuständig für Regie und Schnitt, hat für den rund zehnminütigen Filmbeitrag ein handfestes Drehbuch erarbeitet. Dazu gehören Interviews mit den Schülern. Sie sollen erklären, wie sie sich vorstellen, Auseinandersetzungen möglichst friedlich zu regeln, sollen ihre Erlebnisse rund um Streit schildern und ihn szenisch in kleinen Rollenspielen darstellen.

Der Streifen wird bis zur Projektpräsentation am Freitagnachmittag nicht fertiggestellt sein, doch versprechen die jungen Filmemacher, dass spätestens nach den Sommerferien jeder Darsteller eine CD mit dem Ergebnis bekommen wird.

„Es ist eine schöne Herausforderung, mit Kindern zu arbeiten“, sagt Hercenberger, der glaubt, mit diesem Projekt auch viel für seine weitere Arbeit lernen zu können. Der aus dem Raum Hannover an die FH nach Dieburg gelangte Filmschaffende hat sich beruflich bereits in der Medienkompetenzvermittlung erste Sporen verdient. Gern würde er auch künftig mit Jugendlichen oder Kindern arbeiten, beispielsweise an einer Projektwoche nur zum Thema Film oder in Form einer Schul-AG. Klar, dass er hierbei auf offene Ohren stieß, nicht nur bei den Pädagogen, auch bei Eppertshausens Jugendpfleger Dennis Rühl, der begrüßte, dass die Gemeinde Eppertshausen für das Schulprojekt den Jugendraum in der neuen Bürgerhalle eine Woche lang zur Verfügung stellte.

Quelle: op-online.de

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