Fingerspitzengefühl für Logistik

Lagebesprechung für die Gewerbemeile in kleiner Runde (von links): Eppertshausens Bürgermeister Carsten Helfmann, Sabine Roth, Klaus Dony, Nicole Uhrich und Münsters Bürgermeister Walter Blank.

Münster/Eppertshausen ‐ Das Telefon in der Münsterer Gemeindeverwaltung steht schon seit Tagen nicht mehr still: Die Gewerbemeile 2010 rückt mit großen Schritten näher, und niemand möchte etwas falsch machen. Von Christina Schäfer

Ein Anruf der Gewerbetreibenden aus Münster und Eppertshausen bei Nicole Uhrich und Sabine Roth soll Sicherheit bringen. Bei den beiden Damen laufen derzeit die Fäden für das Gewerbespektakel am 29. und 30. Mai zusammen. Doch bevor sich auf der L 3095 die Stände der Geschäftsleute wie Perlen einer Kette aneinander reihen, gibt es noch viel zu tun: Von der Stromverlegung bis zur Ausstellung der Einfahrtserlaubnis für die Standbetreiber. Etliche Hürden hat das Organisationsteam um Münsters Bürgermeister Walter Blank und seinen Eppertshäuser Kollegen Carsten Helfmann schon genommen. „Die Logistik ist das Problem“, erklärt Nicole Uhrich, „an der Landesstraße haben wir keine Anschlüsse für Ver- und Entsorgung und auch keine Zufahrtsstraßen.“ Mit Fingerspitzengefühl macht sich das zehnköpfige Team an Planung, Logistik und Durchführung. Neben monatlichen Treffen in der Münsterer-Eppertshäuser-Runde wechseln fast täglich Mails von Gemeinde zur Gemeinde. Ohne die Fachkompetenz der Verwaltungsmitarbeiter wäre die Organisation kaum möglich: Aus Münster Richard Ries, Werner Köpfinger, Klaus Dony, Nicole Uhrich und Sabine Roth sowie aus Eppertshausen Herbert Müller, Jürgen Geist und Volker Murmann.

Doch mit Hand anlegen müssen bei dem eigentlichen Ereignis dann noch viel mehr Gemeindemitarbeiter, so zum Beispiel die Teams der Bauhöfe, wenn es unter anderem um Müllentsorgung und Absperrung geht. Für den Eppertshäuser Bauhof hat Bürgermeister Carsten Helfmann bereits Urlaubssperre angeordnet.

Zahlreiche Gespräche mussten bereits für die Gewerbemeile geführt werden: mit der Darmstadt-Dieburger Nahverkehrsorganisation, dem Amt für Straßen- und Verkehrswesen, der Unteren Wasserbehörde, der Unteren Naturschutzbehörde, der Wirtschaftsförderung des Landkreises und der Polizei – Absprachen mit Feuerwehr und Rettungsdienstorganisationen folgen.

Die Idee der Gewerbemeile sei überall „sehr wohlwollend“ aufgenommen worden. Auch wenn einige Kompromisse zu schließen galt: Die Stände werden aufgrund der Windrichtung auf der linken Straßenseite (Münster nach Eppertshausen) aufgestellt und auf ein Feuerwerk haben die Organisatoren verzichtet – Skybeamer stören weniger, müssen allerdings genauso wie der geplante Luftballonwettbewerb bei der Flugsicherung angezeigt werden. Zudem mussten die Rathauschefs der Unteren Wasserbehörde eine Zusage machen, sollte es im Mai zu einer Überschwemmung der Straße kommen – 200 Meter der Strecke liegen im Überschwemmungsgebiet der Gersprenz –, sagen sie die Veranstaltung ab. Doch das sei unwahrscheinlich und die vergangenen 100 Jahre nicht vorgekommen, sagt Walter Blank. Rücksicht müssen die Organisatoren mit der Beschallung und Beleuchtung auf die Kiebitze nehmen, die im Rücken der Gewerbemeile zuhause sind. Eventuell muss auch für ein vorhandenes Storchennest noch eine Lärmschutzmauer aufgestellt werden.

Der größten logistischen Herausforderung stellen sich die Gemeinden in puncto Strom: Der genaue Bedarf muss bestimmt werden, damit die Angebote der Firmen eingeholt werden können. Um die 1,6 Kilometer lange Strecke mit Strom zu versorgen, müssen vier Kilometer Kabel verlegt werden. Aufgrund der Länge muss der Stromverlust über einen größeren Kabel-Querschnitt der Leitungen abgefangen werden. Die Einspeisung vom Strom erfolgt an drei Stellen – von Eppertshausen, Münster und auf halber Strecke per Mittelspannungsleitung von 20 000 Volt. Mitten im Geschehen soll eine Bühne die Besucher anlocken, dort besteht auch der größte Strombedarf. Eine weitere ein Kilometer lange Stromleitung führt an die Bühne.

Probleme bereite es vielen Standbetreibern, den exakten Strombedarf zu bestimmen, sagt Nicole Uhrich. Ist der Bedarf zu niedrig angesetzt, gehen bei der Gewerbemeile die Lichter aus – und das will niemand. Die Wasserversorgung bereitet weniger Sorgen: Die Wasserzuleitung wird vom Wasserwerk in Hergershausen verlegt – über 1,7 Kilometer direkt entlang der Straße. „Umso besser die Vorbereitung, desto schöner das Fest“, sagt Bürgermeister Carsten Helfmann mit einem Schmunzeln und ist sich sicher, dass sich die Mühe im Vorfeld lohnt.

Quelle: op-online.de

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