Forstexperten erläutern Zusammenhänge in der Natur

Kleiner Wald wirft guten Ertrag ab

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Der neue Leiter des Forstamtes Dieburg, Ronny Kolb (stehend) und Revierförster Lothar Seipp (Mitte) erläuterten im Gemeindeparlament die Situation rund um den 303 Hektar großen Gemeindewald in der Bürgerhalle.

Eppertshausen - Um 303 Hektar Gemeindewald ging es zur jüngsten Gemeindevertretersitzung, als die Experten des Forstamtes Dieburg den Waldwirtschaftsplan für 2018 vorstellten und zur Lage des Forsts referierten. Von Thomas Meier 

Die Sitzung fand im kleinen Saal der Bürgerhalle statt, in der sich auch Waldpächter und Besucher einfanden, um nach den Regularien einen Plausch mit den Sitzungsteilnehmern zu halten. Der neue Direktor des Forstamtes Dieburg, Ronny Kolb, und Revierförster Lothar Seipp stellten das neue Planwerk vor, wobei Kolb zunächst einiges um seine Person erläuterte, kam er doch erst vor zwei Monaten zu seinem neuen Posten in Dieburg. Der verheiratete Vater zweier Kinder stammt aus Wald-Michelbach und war vorher Produktionsleiter im Forstamt Beerfelden. Hatte es der 41-Jährige im Odenwald noch mit ganz vielen kleinen Waldbesitzern zu tun, kümmert er sich nun mit dem Dieburger Forstamt eher um die umliegenden Kommunen als Waldeigentümer, in deren Auftrag das Forstamt arbeitet. Seinen Vorgänger Helmut Seitel lobte der neue Amtschef, er habe ihm das „bestgeführte Forstamt Hessens“ übergeben. Als Referendar habe er bereits von 2005 bis 2007 dort hineingeschnuppert, in dieser Zeit wohnte der gebürtige Schwabe in Heubach.

Bürgermeister Carsten Helfmann hatte es leicht, das Forstfachgespräch zu eröffnen: „Wir haben die vergangenen Jahre super Erfolge gehabt und unsere Einschläge immer mit guten Erträgen vermarkten können“, sagte er. Er ging kurz auf die Situation ein, dass nach Landesbeschluss künftig nicht mehr die Forstämter den Handel mit dem kommunalen Holz abwickeln sollten. Vielmehr sollen die Kommunen Fachleute dafür einstellen. Das käme solche Miniwaldbesitzer wie Eppertshausen freilich viel zu teuer und lohne sich nicht. Selbst der Landkreis trete als zu kleiner Holzproduzent in Erscheinung, so dass derzeit überlegt werde, überregionale Vermarktung im Verbund mit anderen Kreisen anzustrengen. Es werde „alles nicht mehr so einfach“ sein.

Lothar Seipp ergriff das Wort zum Waldwirtschaftsplan für 2018. Es wird ein Ertrag von knapp 66.000 Euro erwartet, dem ein Aufwand von gut 53.000 Euro gegenüber steht. Die Förster machen einen Überschuss für die Gemeinde von etwas über 12.000 Euro aus.

Doch ging Seipp zunächst auf belastbarere Betrachtungen aus, auf die Vergangenheit. Für 2017 etwa beträgt der Erlös aus dem Gemeindewald für Eppertshausen mit rund 31.000 Euro etwa 5 000 Euro mehr, als vor einem Jahr noch veranschlagt. Die Holzernte 2017 sei „normal“ ausgefallen, obwohl das Wetter gerade in diesem Jahr nicht besonders mitgespielt habe. 30 Prozent weniger Niederschläge zum Durchschnitt habe man verzeichnen müssen. Und einige wilde Stürme habe es gegeben, von denen allerdings keine den Gemeindewald Eppertshausens betroffen habe.

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Doch hatte der geringe Niederschlag überraschenderweise auch seine positive Seite: Nach der Holzernte mussten so gut wie keine Pflegemaßnahmen an den Waldwegen verrichtet werden. Die Holzvollernter und andere Fahrzeuge kamen gut in und aus dem Forst, die trockenen Waldwege trugen die Lasten unbeschadet. Seipp erläuterte die Holzpreise pro Raummeter Bauholzkiefer (70 Euro) oder Palettenware (die Hälfte), ging auf Qualitäten des geernteten Holzes ein und beantwortete auch die Frage, warum so lange nach dem Holzeinschlag übers Jahr gesehen das verkaufte Holz noch geschnitten im Wald herumliege: „Viele Käufer betrachten den Wald eben auch als günstigen Lagerplatz.“

Zu seinem Referat zeigte der Forstkenner immer wieder Bilder per Beamer, die den Zuschauern Vorher-Nachher-Effekte aufzeigten. Raum nahm seine Betrachtung zu Anpflanzungen im Eppertshäuser Forst ein. Er zeigte beispielsweise Pflanzbohrer, die fürs Setzen größerer Bäumchen zum Einsatz kamen. Man habe sich an einigen Parzellen für diese gegenüber der Pflanzung kleiner Bäumchen teureren Variante der Anpflanzung entschieden, weil bei den kleinen der Wildverbiss erheblich höher ist. Und wegen der Trockenheit hatten die niederen Pflanzen weniger Chancen auf gutes Gedeihen. „Es ist eben immer ein Rechenexempel. Was lohnt aus welchen Gründen eher“, verdeutlichte Seipp.

Quelle: op-online.de

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