Wirt der originellen Kultbar den nicht ans Aufhören

Von der Fox-Schänke zum Touch Down

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So kennen ihn seine Gäste: Gutgelaunt freut sich Brian Paxton in seinem Eppertshäuser „Touch Down“ über nette Leute und ein gutes Glas schottischen Whiskys.

Eppertshausen - Ein ganz und gar untypisches Eppertshäuser Original feierte kürzlich seinen 70. Geburtstag, eines, das mit seinem ureigenen Fluidum englisches Flair nicht nur in die Hauptstraße des Ortes bringt. Von Thomas Meier 

Brian Paxten, Gründer und Betreiber der eigenwilligen Sportsbar mit Namen Touch Down kann einiges erzählen und gibt seinen Platz hinterm Tresen noch lange nicht auf. Schließlich hat er sich diesen Raum praktisch von der anderen Seite her auch hart erarbeitet. Geboren vor nunmehr etwas über 70 Jahren in London, lernte er zwar zunächst Handelskaufmann, um dann jedoch alsbald für die Brauerei Bass/Charrington als Bierverleger zu arbeiten. „Damals stand ich vor den Tresen und versuchte die Wirte dahinter von der Qualität unserer Produkte zu überzeugen“, erzählt Brian, wie ihn all seine Touch-Down-Stammgäste in der Hauptstraße 45 nennen.

Und den ersten Kontakt nach Eppertshausen bekam der verschmitzte, drahtige und einiges jünger wirkende Engländer Ende der 70er Jahre, als er seine Frau kennenlernte. Wirtstochter aus eben jenem kleinen südhessischen Ort, die in Englands Hauptstadt einen Sprachkurs absolvierte. Die Liebe ließ zunächst die Eppertshäuserin auswandern und den jungen Bierverleger fortan seine Urlaube immer öfter in Eppertshausen verbringen. Dort betrieben die Schwiegereltern eine Gaststätte vorn auf dem Anwesen Hauptstraße 45, ein Stück weiter hinten im Hof hatten sie weitere Räumlichkeiten an den Betreiber der Diskothek Tiffany vermietet.

Die Schwiegereltern wurden älter, und 1992 siedelten Paxtons von London nach Eppertshausen um. Sie übernahmen zunächst in Darmstadt schräg gegenüber dem Darmstädter Klinikum in der Grafenstraße gelegen das Café Gutenberg. Bis 1995 führten sie es, dann wurde Brian Paxton zunächst für drei Jahre Wirt in der Gaststätte seines Schwiegervaters. Auch die hatte bereits was Englisches, hieß das Lokal vorn zur Straße heraus doch Fox-Schänke. Eine Remineszens an den Vater des Schwiegervaters, der im Ort (wie später sein Sohn) den Spitznamen Fox verliehen bekam. „Fox“, weil er ein NSU-Motorrad gleichen Namens knatternd durch Eppertshausen bewegt hatte. „So etwas bleibt über Generationen haften, das ist bei uns in Old Britain auch nicht anders,“ lacht Brian.

Als er die Thekenseite nebst Land wechselte, wurde er prima aufgenommen: „Mich kannten ja schon alle von den Urlauben her.“ Doch nach drei Jahren in der Foxschänke – die Schwiegereltern hatten sich gänzlich zurückgezogen – stand dem Briten der Sinn nach Veränderung. „Mit meiner Frau war ich öfter mal im Marriot-Hotel in Frankfurt. Dort hatten sie damals im Keller eine Sportsbar. Das war schwer modern und ich dachte, das geht auch in Eppertshausen.“

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Die Diskothek ging zu dieser Zeit gerade gar nicht mehr. Paxton verpachtete vorn und zog sich mit seiner Idee in sein „Touch Down“ nach hinten zurück. Mit einer Sportsbar, unter der heute zumeist Wettbüros firmieren, hatte und hat seine „Everytime-In-Kneipe“ nichts am Bowlerhat. Vielmehr staffierte der melonenlose Englishman in Eppertshausen seine Bar mit Sportutensilien, -bildern und -accessoires aus. Ein Tischkicker steht im 70 Personen fassenden Lokal, ein Billardtisch und zwei Geldspielautomaten. Und freilich hängt ein Flachbild-Fernseher an der Wand, auf dem wichtige Sportereignisse laufen.

Sein Konzept ging auf, trägt das Geschäft noch heute. Auch wenn den Bar-Mann damals schon jeder kannte, er auch den damals noch jungen „Carsten“ unter seinen Besuchern fand, der als Bürgermeister noch heute an Kerb mit einem Rathaus-Team gegen eine Mannschaft der Volksbank ein Tischkicker-Turnier austrägt, so ist seine Klientel doch nicht auf Eppertshausen beschränkt. Etwa ein Viertel seiner Stammgäste, so schätzt er, sind „vom Ort“, der Rest kommt auch weitere Wege gefahren, um die Stimmung in der gedimmten Kneipe mit spezieller Note zu genießen.

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Dazu gehört beispielsweise auch Brians Musikauswahl. Kein Disko-Sound schallte mehr nach Tiffanys Zeiten im Hinterhaus, kein Schlagergesülze. „Atemlos durch die Nacht“ geht es beim Briten mit Rock-Tradition nicht etwa mit Helene Fischer, sondern schon eher mit Rory Gallagher, den Stones, Oasis oder mit Joe Cocker. Bis Zappa geht alles, solange es schön rockt.

Schon lange führt Paxton sein Lokal allein, denn seine Frau verstarb vor zehn Jahren an Krebs. Zwei Söhne, 30 und 33 Jahre alt, halfen ihm über schwere Zeiten. Springen auch schon mal im „Touch Down“ ein, wenn Not am Mann oder gerade eine große Party angesagt ist. Übernehmen möchte Paxtons Bar aber keiner von ihnen. „Außerdem will ich noch lange nicht aufhören. Es macht mir Spaß.“

Und solange dies seine Gäste erfreut, wird die Geschichte des Touch Down, im amerikanischen Football schließlich die höchstwertige Art, Punkte zu erzielen, noch lange währen.

Quelle: op-online.de

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